Summary
Die Doku „Hauptsache, du kriegst kein Kind“ geht um ein wichtiges Thema.
Manche Menschen mit Behinderungen wurden oder werden sterilisiert.
Das bedeutet: Sie können keine Kinder bekommen.
Das passiert oft nicht freiwillig.
Das heißt: Die Menschen haben nicht für sich selbst entschieden.
Das ist in Deutschland und Österreich verboten.
Trotzdem kommt es in einigen Fällen noch vor.
Journalist:innen haben für die Doku ein Jahr lang recherchiert.
Sie haben mit über 100 Betroffen gesprochen und Informationen gesammelt.
Die Doku will zeigen:
Menschen mit Behinderungen haben das Recht, selbst über ihren Körper zu entscheiden.
Dieses Recht muss besser geschützt werden.
Die Doku ist in einfacher Sprache und barrierefrei gemacht.
So können viele Menschen sie verstehen und ansehen.
menschen die hinschauen, wo andere oft wegsehen
Was passiert, wenn Menschen mit Behinderungen nicht selbst über ihren Körper entscheiden können? Obwohl das Gesetz eigentlich genau das schützen soll? Die neue Dokumentation „Hauptsache, du kriegst kein Kind“ untersucht diese Frage. Sie entstand im Rahmen einer umfangreichen Recherche des inklusiven Medienhauses andererseits.

Die Journalistinnen Ramona Arzberger und Chiara Joos haben über ein Jahr lang recherchiert. Mit Betroffenen gesprochen und zugehört. Dabei haben sie ein Problem sichtbar gemacht, welches im öffentlichen Diskurs kaum Beachtung gefunden hat. Das Thema: die Sterilisationen von Menschen mit Lernschwierigkeiten im deutschsprachigen Raum.
Eine Recherche über ein verdrängtes Thema
Im Zentrum der Dokumentation steht eine unbequeme Realität. Die Sterilisationen ohne informierte, selbstbestimmte Zustimmung ist gesetzlich verboten. Das Ergebnis der Recherchen zeigt, dass es weiterhin zu Eingriffen kommt. Die Selbstbestimmung der Betroffenen wird nicht ausreichend gewährleistet.
Die Redaktion spricht von der bisher umfassendsten Recherche im deutschsprachigen Raum zu diesem Thema. Über 100 Gespräche wurden geführt: mit Betroffenen, Angehörigen, Fachpersonen und Expert:innen aus dem medizinischen und sozialen Bereich.
Das Ziel: nicht nur Einzelfälle zu dokumentieren, sondern strukturelle Fragen sichtbar zu machen.
Warum dieses Thema so wichtig ist
In Deutschland gibt es eine lange und schwierige Geschichte zum Thema Sterilisation von Menschen mit Behinderungen. Besonders im Nationalsozialismus wurden viele Menschen zwangssterilisiert, also ohne ihre Zustimmung operiert, damit sie keine Kinder bekommen können.
Diese Praxis war Teil einer menschenverachtenden Ideologie und betraf hunderttausende Menschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das zunächst nicht vollständig aufgearbeitet. Heute ist Zwangssterilisation in Deutschland verboten. Trotzdem wird sie weiterhin angewendet, wie der Film zeigt. Deshalb ist das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper heute ein sehr wichtiges Thema in der Gesellschaft.
Journalismus als kollektiver Prozess
Auffällig an der Arbeit von andererseits ist nicht nur das Thema, sondern auch die Art der Produktion. Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten hier gemeinsam an journalistischen Projekten. Die Perspektiven der Betroffenen sind dabei nicht nur „Gegenstand“ der Berichterstattung, sondern Teil der redaktionellen Arbeit.
Das zeigt sich auch in der Gestaltung der Doku. Sie ist überwiegend in einfacher Sprache gehalten, folgt dem 2-Sinne-Prinzip. Sehen und Hören werden gleichermaßen berücksichtigt. Die Doku bietet zusätzlich barrierefreie Formate. Dazu gehört die Gebärdensprache und Leichte Sprache.
Ein Film, der Zugänge schafft – und Fragen stellt
Die Dokumentation will nicht nur informieren, sondern auch irritieren. Sie fragt nach, warum Eingriffe in körperliche Selbstbestimmung weiterhin stattfinden. Und welche gesellschaftlichen, institutionellen oder strukturellen Bedingungen das ermöglichen.
Gleichzeitig versteht sich das Projekt als Einladung hinzusehen. Auch sich zu informieren und über Inklusion. Die medizinische Praxis in Frage zu stellen. Über Selbstbestimmung neu nachzudenken.
Finanzierung, Aufwand und journalistischer Anspruch

Die Redaktion macht deutlich, dass solche Recherchen zeit- und ressourcenintensiv sind. Viele Medien scheuen diesen Aufwand. „andererseits“ setzt bewusst auf dieses Feld und finanziert sich überwiegend über Abonnements und Community-Unterstützung. Um unabhängige, investigative Arbeit in diesem Bereich langfristig zu ermöglichen sind die Abonnenten wichtig.
Website: https://www.andererseits.org/sterilisation
Instagram: @redaktionandererseits



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