Ts’uu – Zeder. Von Bäumen und Menschen

Ts’uu – Zeder. Von Bäumen und Menschen

Die letzte Ausstellungsreihe des Jahres 2022, rückt die Beziehung des Menschen zur Natur in den Vordergrund. Erzählt wird dies anhand des Lebens von Zedern.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Natur

Kanada ist das drittgrößte Waldgebiet der Erde: seit Jahrtausenden ein Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen. Was geschieht aber, wenn dieses hoch entwickelte Ökosystem aus dem Gleichgewicht gerät? Am Beispiel der Zeder erzählt die temporäre Ausstellung Ts’uu – Zeder. Von Bäumen und Menschen im Humboldt Forum über das Verhältnis von Mensch und Umwelt. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Haida Gwaii Museum at Kay Llnagaay in British Columbia, Kanada, entwickelt. Acht Kapitel beleuchten exemplarisch die Beziehungen zwischen Küstenregenwald, First Nations und Euro-Kanadiern, die Auswirkungen der Kolonialisierung auf ihren Lebensraum sowie das Wiedererstarken der First Nations.

Seit Jahrtausenden sind in den kanadischen Küstenregenwäldern Menschen und Land untrennbar miteinander verbunden. Ein Beispiel hierfür ist die besondere Bedeutung der Zedernbäume für die dort lebenden First Nations: Zedern spenden den Rohstoff für eine Vielzahl von Alltagsgegenständen und zeremoniellen Objekten. Sie spielen eine zentrale Rolle in überlieferten Erzählungen, Traditionen und Zeremonien. Ausgehend vom Riesen-Lebensbaum (western red cedar) und der Nootka-Scheinzypresse (yellow cedar) erzählt die Ausstellung Ts’uu – Zeder. Von Bäumen und Menschen über das Verhältnis von Mensch und Umwelt.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der jüngeren Geschichte:

Die Kolonialisierung durch die Europäer ab dem 18. Jahrhundert führte zur systematischen Vertreibung der First Nations und zur Beschneidung ihrer Rechte. Gleichzeitig zerstörte die Entwicklung der industriellen Forstwirtschaft große Teile des Lebensraums Küstenregenwald. Beides hatte und hat noch immer weitreichende Auswirkungen auf die Kulturen der First Nations und auf ihre Beziehung zur Zeder. Eine besondere Rolle kommt der Zeder daher heute für das Wiedererstarken der First Nations sowie deren Selbstverständnis zu: sei es in den Widerstandsbewegungen gegen die Forstwirtschaft; einer Land- und Ressourcennutzung, die auf traditionellem ökologischen Wissen basiert; oder in der Wiederaneignung von kulturellen Praktiken und Traditionen.

„Mit Ts’uu – Zeder greift die Ausstellung ein zentrales Thema auf, das uns alle mehr denn je betrifft: die Beziehung von Mensch und Natur. Die temporäre Ausstellung wurde gemeinsam mit den Haida in British Columbia entwickelt und ist das Ergebnis jahrelanger Zusammenarbeit. Mit ihrem transdisziplinären Ansatz und vielfältigen Sichtweisen auf Themen wie Ökologie, kulturelle Praktiken und den Umgang mit dem Kolonialismus trägt sie zum Forum-Charakter des Humboldt Forums bei.“

Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums

Internationale Kooperation für ein zeitgenössisches Verständnis:

Die in Kooperation mit dem Haida Gwaii Museum at Kay Llnagaay in British Columbia, Kanada, entwickelte Ausstellung präsentiert über 130 Exponate, darunter Werkzeuge zur Bearbeitung des Holzes, Medieninstallationen, kulturhistorische und naturkundliche Exponate sowie zeitgenössische Kunstwerke. Fester Bestandteil des Raumes sind zudem zwei Wappenpfähle aus Zeder aus den Sammlungen des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Vielfalt der gezeigten Objekte und der transdisziplinäre Ansatz erlauben es, die mit der Zeder verbundenen Themen und Fragen auf mehreren Ebenen zu verhandeln.

„Ich freue mich sehr, dass die Nordamerika-Ausstellungsräume im Humboldt Forum das Bewusstsein für Indigene Völker und Kulturen in Kanada fördern und damit einem deutschen und internationalen Publikum den Zugang zu den indigenen Kulturen Nordamerikas, einschließlich der der Haida Nation, in einer Weise ermöglichen, die es bisher nicht gab, und zwar durch die direkte Beteiligung Indigener Vertreter*innen – so wie es sein sollte.“

Isabelle Poupart, Chargée d’affaires der Botschaft von Kanada

Tina Brüderlin, Leiterin Ethnologisches Museum, SMB/SPK: „Das Ethnologische Museum Berlin fühlt sich geehrt, dass es bei den neu eröffneten Ausstellungen zum Pazifischen Nordwesten in Zusammenarbeit mit dem Humboldt Forum eng mit Partner*innen von der Nordwestküste und insbesondere aus Haida Gwaii zusammenarbeiten konnte. Wir sind dankbar für das langjährige Engagement bei der Aufarbeitung der historischen Nordwestküsten Sammlung, die im Ethnologischen Museum bewahrt wird. Nur durch diese gemeinsame Arbeit können die Geschichten der Sammlung entschlüsselt und in heutige Kontexte eingeordnet werden. Das persönliche Engagement unserer Partner*innen ist der Schlüssel für die neue Präsentation dieser bedeutenden Sammlung, und wir freuen uns auf die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit.“

Mensch und Landschaft im Wandel der Zeit:

Gid yahk’ii Sean Young, Kurator und Sammlungsleiter des Haida Gwaii Museum at Kay Llnagaay: „Normalerweise kommen Institutionen, die Ausstellungen über die Kultur der First Nations in Kanada oder den USA machen, erst ganz zum Schluss auf uns zu, fragen etwa, ob die Begleittexte für uns akzeptabel sind. Die Zusammenarbeit mit dem Humboldt Forum war anders: Wir waren von Anfang an einbezogen, haben die Ausstellung gemeinsam entwickelt, uns jede Woche virtuell getroffen. Das war wie ein frischer Wind. So sollte es immer sein!“

„Die Verbindung zwischen Mensch und Landschaft ist universell, auch wenn sie an verschiedenen Orten der Welt unterschiedlich ausgeprägt ist. Landschaften sind Zeugen und Archive der Geschichte, sie bilden die Grundlage aller Kulturen. Sie zu schützen, sollte uns auch aus diesem Grund ein Anliegen sein.“

Daniela Kratzsch, Kuratorin

Ts’uu – Zeder. Von Bäumen und Menschen ist eine temporäre Ausstellung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Zusammenarbeit mit dem Haida Gwaii Museum at Kay Llnagaay in British Columbia, Kanada. Mit fachlicher Beratung des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

Mit Ts’uu – Zeder. Von Bäumen und Menschen eröffnet nun die letzte von aktuell sechs temporären Ausstellungen im Humboldt Forum:

Ts’uu – Zeder. Von Bäumen und Menschen (Raum 201)
Gegen den Strom. Die Omaha, Francis La Flesche und seine Sammlung (Raum 203)
Leerstellen. Ausstellen. Objekte aus Tansania und das koloniale Archiv (Raum 211 und 212)
Ansichtssachen(n) (Raum 214)
Naga Land. Stimmen aus Nordostindien (Raum 309)
Ahnen, Göttinnen und Helden. Skulpturen aus Asien, Afrika und Europa (Raum 312)

Ein Schloss für alle Kulturen der Welt

Die Vielstimmigkeit, die das Programm des Humboldt Forums ausmacht, spiegelt sich auch im Zusammenspiel der Akteur*innen: Im Humboldt Forum kooperieren die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit den Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Humboldt Labor sowie das Stadtmuseum Berlin mit der Berlin Ausstellung.

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