Gorki: Neues Repertoire im September

Von Transvätern und Müttern mit Migrationshintergrund: Für die zweite Hälfte der Spielzeit 2023 inszeniert das Gorki einen Mix aus bunten Themen.

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Die Themen Geburt und Mutterschaft sind wichtige Elemente des Werks der zwischendurch beinahe vergessenen und 1988 in Düsseldorf verstorbenen jüdischen Lyrikerin – einerseits biografisch, insbesondere aber auch sinnbildlich für künstlerisches Schaffen und kreative Identität. Während Ausländers Mutter Sprache sich auf Kunst bezieht, ist Lola Arias Inszenierung MOTHER TONGUE am Gorki eine künstlerische Auseinandersetzung mit Mutterschaft im 21. Jahrhundert.

In Stücke zersplittert
auf dem Wortweg
Mutter Sprache
setzt mich zusammen
Menschmosaik

Rose Ausländer, Gedicht Mutter Sprache

In Zeiten, in denen der konservativ-patriarchale Gaul noch lange nicht zugrunde geritten scheint, eröffnen die Performer:innen ein spielerisch-sinnliches Panorama: Geschrieben aus den Erzählungen von Müttern mit Migrationsgeschichte, von Transvätern, von heterosexuellen Müttern, die auf künstliche Befruchtung zurückgreifen, von schwulen Vätern mit Kindern, von Frauen, die abgetrieben haben und von Frauen, die keine Kinder haben wollen. Wir zeigen MOTHER TONGUE am 8/September auf unserer Bühne.

Am 14. September sind Sie herzlich eingeladen, Olivia Wenzels Roman 1000 SERPENTINEN ANGST in der bilderreichen Inszenierung von Anta Helena Recke zu besuchen. Die junge, in der DDR geborene, Schwarze Protagonistin reist durch Orte, Zeiten und Generationen: Von der Linientreuen Großmutter in der DDR über die als Punkerin gegen das System rebellierende Mutter bis zum Leben im heutigen Berlin.

Eine nachhaltige Veränderung und ein notwendiger Bewusstseinswandel

Das Ensemble um die Regisseurin Leonie Böhm fragt in ihrer Aneignung der antiken Tragödie ANTIGONE danach, wie ein für nachhaltige Veränderung notwendiger Bewusstseinswandel möglich ist, wie wir loslassen können, was uns im Weg steht, um uns neu zu erfinden und neu zu verbünden.

In der Inszenierung, die wir am 16. und 17. September zeigen, entwickeln die fünf Spielerinnen eigene Strategien gegen Unterdrückung und Tyrannei: Zärtlichkeit und Solidarität, aber auch Musik, Spiellust und Poesie. In einem anderen Gedicht von Rose Ausländer heißt es: Ein Lieder finden heißt geboren werden und tapfer singen von Geburt zu Geburt.

Zum Spielplan

MOTHER TONUGE

Text & Regie Lola Arias

Im Jahr 2022 ist das Recht zu entscheiden, wann und wie man Mutter wird, immer noch ein umstrittenes. Vielerorts wird für eine legale Abtreibung gekämpft, während mancherorts das Gesetz rückgängig gemacht werden soll. Der Diskurs polarisiert sich um zu hohe oder zu niedrige Geburtenraten, um künstlichen Befruchtung, die Legalisierung der Leihmutterschaft, die Adoption durch Alleinstehende und homosexuelle Paare. Mutterschaft ist politisch.

Mit Ufuk Tan Altunkaya, Kay Garnellen, Alice Gedamu, Millay Hyatt, Nyemba M’membe Sandra Ruffin, Cochon de Cauchemar

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WIEDER IM REPERTOIRE!

1000 SERPENTINEN ANGST

Wiederaufnahme

Olivia Wenzels Roman 1000 Serpentinen Angst kreist um das Leben einer jungen, in der DDR geborenen, Schwarzen Frau. Ihre Reisen führen sie – in Sprüngen zwischen Zeiten, Orten und Generationen – nach Vietnam, Berlin, Marokko, die USA, Polen und Thüringen. Wie viel passt eigentlich in ein einziges Leben? Und wie kann man von all dem erzählen, was einen ausmacht und prägt – während man selbst noch mittendrin streckt?

Von Olivia Wenzel 
Regie Anta Helena Recke

Mit Ariane Andereggen, Amina Eisner, Moses Leo, Hanh Mai Thi Tran, Falilou Seck, Tim Freudensprung, Theresa Henning

14/September 19:30 Uhr, Bühne
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ANTIGONE

Wiederaufnahme

»Wir stehen auf des Messers Schneide.« Leonie Böhms Aneignung der antiken Tragödie beginnt, als noch nicht alles verloren ist. In einem leidenschaftlichen Balanceakt wischen die Akteurinnen im Hier und Jetzt die Staubschicht von den alten Worten und ringen mit ihnen um Handlungsfähigkeit. Die neu zusammengesetzten Texte und Gedanken eines der berühmtesten Theaterstücke der Weltliteratur erzeugen einen gegenwärtigen Resonanzraum, sich den in uns über Generationen weitergetragenen »Flüchen« zu stellen.

Nach Sophokles
Von Leonie Böhm & Ensemble 
Regie Leonie Böhm
Mit Julia Riedler, Çiğdem Teke, Lea Draeger, Eva Löbau

16/17/September 19:30 Uhr, Bühne
Zum Stück

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