Bwa Kayiman: Mangroven -die Archive des Widerstands

Bwa Kayiman im HKW verbindet Kunst, Erinnerung und Ökologie. Performances, Musik und Gespräche fragen nach kolonialem Erbe und neuen Beziehungen zur Natur.

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Am 1. und 2. August 2026 verwandelt sich das Haus der Kulturen der Welt erneut in einen Ort für künstlerischen Austausch, dekoloniale Perspektiven und ökologische Reflexion. Die diesjährige Ausgabe des Festivals Bwa Kayiman trägt den Titel Crossing the Mangrove. Sie widmet sich Wäldern, insbesondere Mangroven. Diese werden als Räume kollektiven Wissens angesehen. Sie stehen auch für politischen Widerstand und kulturelle Erinnerung.

Ausgehend von der historischen Zusammenkunft im Wald von Bwa Kayiman am 14. August 1791, die als Auftakt der Haitianischen Revolution gilt, schlägt das Festival eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Während die damalige Versammlung den Beginn eines erfolgreichen antikolonialen Aufstands markierte, stehen heute Mangroven selbst unter massivem Druck.

Klimawandel, steigende Meeresspiegel, industrielle Landwirtschaft und urbane Expansion bedrohen weltweit eines der wichtigsten Küstenökosysteme. Das Festival versteht diese Entwicklungen nicht als voneinander getrennte Krisen, sondern als Fortsetzung kolonialer Machtstrukturen, deren ökologische Folgen bis heute nachwirken.

Crossing the Mangrove

Der Titel Crossing the Mangrove bezieht sich auf den Roman Traversée de la mangrove (1989) der karibischen Schriftstellerin Maryse Condé. Darin dienen die verzweigten Wurzelsysteme der Mangroven als Metapher für vielschichtige Gemeinschaften, Identität und Zugehörigkeit jenseits homogener Vorstellungen von Kultur.

An diese Überlegungen knüpft das Festival an und fragt, wie gesellschaftliche Vielfalt, ökologische Verantwortung und kulturelles Gedächtnis miteinander verbunden werden können. Welche Formen des Zusammenlebens entstehen, wenn Natur nicht als Ressource, sondern als Beziehung verstanden wird? Welche Rolle spielen Landschaften als Archive von Widerstand und Emanzipation?

Internationale Stimmen zwischen Kunst und Aktivismus

Das zweitägige Programm vereint Performances, Tanz, Rituale, Installationen, Film, Musik, Lyrik, Gespräche und gemeinschaftliche Essen. Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Aktivist*innen aus der Karibik, Afrika, Asien, Europa und den Amerikas diskutieren die ökologischen Folgen kolonialer Geschichte ebenso wie gegenwärtige Strategien des Widerstands.

Zu den Höhepunkten zählen die Eröffnungszeremonie mit der legendären haitianischen Gruppe Boukman Eksperyans, Keynotes von Malcom Ferdinand, Jason Allen-Paisant und Stéphane Martelly sowie ein Konzert des Garifuna Collective.

Besondere Aufmerksamkeit erhält außerdem ein eigenständig kuratierter Programmteil der okinawanischen Diaspora in Berlin, der koloniale Erfahrungen im pazifischen Raum mit Fragen kultureller Selbstbestimmung und Gewaltlosigkeit verbindet.

Kunst als kollektive Praxis

Anstelle einer klassischen Ausstellung versteht sich Bwa Kayiman als temporärer Begegnungsraum. Installationen, Filmprogramme, gemeinschaftliche Mahlzeiten und performative Interventionen schaffen Situationen, in denen Erinnerung, Wissen und Solidarität gemeinsam produziert werden. Kunst wird dabei weniger als Objekt denn als soziale Praxis verstanden – als Möglichkeit, alternative Formen des Zusammenlebens zu erproben.

In einer Zeit, in der ökologische Krisen und postkoloniale Debatten zunehmend ineinandergreifen, entwickelt das Festival einen interdisziplinären Ansatz, der historische Verantwortung mit aktuellen Fragen globaler Gerechtigkeit verbindet.

Highlights

  • Eröffnungszeremonie mit Boukman Eksperyans
  • Keynotes zu Ökologie, Kolonialismus und Erinnerung
  • Installationen von Kolektif Choublak und Las Nietas de Nonó
  • Konzert des Garifuna Collective
  • Filmprogramm und Gespräche zur ökologischen Souveränität Haitis
  • Poetry Readings und performative Interventionen internationaler Künstler*innen

Bwa Kayiman: Crossing the Mangrove

Wann: 1.–2. August 2026
Wo: Haus der Kulturen der Welt, Berlin
Eintritt: Der Großteil des Programms ist kostenfrei, einzelne Veranstaltungen sind ticketpflichtig.

Programm und Tickets hier

Alexander Renaldy Avatar

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