Lets talk about… High heels.

Lets talk about… High heels.

The struggle is real: Warum gibt es auch im jahre 2024 noch immer keine Ballet Flats und Schuhe mit Absätzen in „Männergrößen“?

The Struggle is real: Warum gibt es noch immer keine Ballet Flats oder Schuhe mit Absätzen in „Männergrößen“? Trotz der zunehmend fluiden Mode muss ich seit über einem Jahr schockierenderweise feststellen, dass wir besonders bei der Footwear noch einiges nachzuholen haben.

Allzu oft habe ich etliche Male nach Betreten eines Ladens enttäuscht feststellen müssen, dass besonders die Modelle die mir zusagen, nur in „Damengrößen“ erhältlich sind. Die Rede ist von Ballet Flats, Ankle Boots, Mary Janes aber auch Motorcycle Boots, Mules oder die vielen ausgefallenen Loafer.

Wie kommt es, dass sich besonders bei der Footwear ein bis heute anhaltendes Bild von „männlich“ und „weiblich“ hält? Besonders auffällig ist im Bezug auf den Vergleich zur regulären Kleidung, bei der sich seit ungefähr Mitte der 10er Jahre- spätestens aber seit Beginn der 20er, neben der Stereotypie der Gerschlchter auch der Zeitgeist in Richtung genderfluide Looks entwickelte. Hier stellen wir uns erst einmal die Frage: War das schon immer so?

Dafür ein Blick in die Geschichte der Footwear für männlich gelesene Menschen verrät, dem war nicht immer so:

Persische Kavallerie als early „Influencer“

Schuhe mit hohen Absätzen wurden erstmals im 10. Jahrhundert von der  persischen Kavallerie getragen, um ihre Schuhe im Steigbügel zu halten. Befunde aus dem Iran zeigen u.a. Soldaten aus dem Samanidenreich in einer frühen Version des Reitstiefels. Cowboystiefel wie wir sie heute kennen leiten sich direkt aus der Tradition des 10. Jahrhunderts ab!

Im 17. Jahrhundert sind 2,5cm hohe Absätze der Standard für persische Reiter. Das Image des Reichtums korreliert so mit dem Besitz eines Pferdes und dem dazu nötigen Schuhwerk.  

Intercultural transcending of trends

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts, ab Beginn der Entsendung von Soldaten seitens des persischen Schahs gen Europa, kam der „Persienwahn“ in Mode. Mächtige Europäer übernahmen die Absätze als Symbol für Männlichkeit und militärisches Können. Die Männermode des 17. Jahrhunderts wandte sich mit dem Blick in Richtung Beine. High Heels, enge farbige Strümpfe und lockere nicht geraffte Hosen verhalfen den Fokus auf die Waden und Oberschenkel der Männer.

Intertwining and claiming of personal expressions

Der damalige „Influencer“ der Absätze schlechthin war Ludwig XIV. Unter seiner Herrschaft wurde das Tragen des Absatzes in Verbindung mit Macht erst Recht zementiert. Je höher der Absatz, desto Mächtiger der Träger. 1670 erließ er sogar ein Edikt, welches besagte, dass nur Adlige Absätze tragen durften.

Unter ihm wurde auch der rote Absatz zum Status Symbol. Der Träger war nämlich reich genug seine Schuhe nicht zu beschmutzen. Weniger bekannt ist jedoch der Fakt, dass der jüngere Bruder von König Louis XIV (Herzog Philippe d‘Orleans) die roten Sohlen popularisiert hatte. Aufgewachsen mit vielen weiblichen Einflüssen, hat Philippe eine Art Affinität für Cross Dressing entwickelt.

Nach einem eher zufälligen Missgeschick in den Straßen von Paris, färbten sich seine Schuhsohlen rot, er fand Gefallen darin und malte all seine Sohlen rot an. So kam der Stein schließlich ins Rollen. Später imitierte Christian Louboutin diese Mode mit rotem Nagellack und wurde weltberühmt.

Shift in the zeitgeist towards sharp distinction

Im Laufe des 18. Jahrhunderts fand allmählich ein Wandel im Zeitgeist statt. Damenschuhe wurden schmaler und dekorativer. Die Absätze höher. Konträr dazu wurden Herrenschuhe breiter, robuster und flacher. Um eine vermeintliche Feminisierung abzuwenden, hörten viele Männer um 1730 rum auf, Absätze zu tragen.

Death of the aristocratic

Die Französische Revolution im Jahr 1789 setzte dem aristokratischen Gebrauch männlicher Absätze ein klares Ende. Mit dem ablehnen der Ständischen Gesellschaft und den damit einhergehenden Hierarchien, weichte auch die Symbolik des Ancient Régime, welche für die Macht und den Status des Absolutismus standen, dem neuen Zeitgeist der Revolution.

Renaissance of the heel

Im mittleren und späten 20. Jahrhundert sind es besonders populäre Bands wie die Beatles, welche dazu beitragen, den Kubanischen Absatz (für Cowboyboots typischen Absätze) populär zu machen. Aber auch der Solo Künstler David Bowie, der im Laufe seiner Karriere bekanntermaßen die Grenzen der geschlechtsspezifischen Mode verschoben hat, trug zur wachsenden Popularität von Schuhen mit Absätzen bei. Besonders seine diversen Alter Egos trugen dazu bei, androgyne Mode in den Vordergrund zu bringen. Seine Genderfluidität und nicht binäre Lesbarkeit verhalfen der Androgynie auch außerhalb der Mode zu einer breiteren Akzeptanz.

In Richtung der 1990er Jahre symbolisierten Absätze eine bestimmte Art des „Rockstars“. Motley Crue trug durch auffällige Looks dazu maßgeblich bei.

The Status Quo

Es stellt sich nun jedoch die Frage, warum Stiefel mit Absatz als Inbegriff der Männlichkeit für den harten Cowboytypen angesehen werden können? Alles darüber hinaus, aber noch immer keine kulturelle Akzeptanz erfährt?

Die Mitte des 18. Jahrhunderts, kann als „Turning Point“ betrachtet werden. Absätze wurden zum festen Bestandteil der Damenmode und die Männer grenzten sich durch Schlichtheit in der Kleidung fortlaufend davon ab. Die französische Revolution Ende des 18. Jahrhunderts bedeutete das endgültige Ende des Mannes als dekoriertes Geschlecht. Nach der Revolution und mit Beginn der Industrialisierung, setzte sich der Pragmatismus bei den Männern durch. Mode war nun einzig und allein ein Synonym für Weiblichkeit.

To heel…

Heute stehen Absätze bei männlich gelesenen Menschen für verschobene binäre Geschlechternormen. Statt diese durch eine vermeintlich männliche Machtposition zu zementieren, werden die femininen Elemente adaptiert und neu interpretiert. Die Frage, warum es abseits von Cowboy Boots, noch immer schwierig ist Schuhe mit Absätzen in großen Größen zu finden hat sicherlich einen Grund: Die ab dem 18. Jahrhundert gesellschaftlich verankerten Rollenbilder in der Mode von Mann und Frau.

Zwar geht es hierbei explizit um Schuhe, aber auch Röcke und Strumpfhosen waren Teil der „männlichen“ Garderobe vor der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert. Auch sie sind aus den selben Gründen für eine lange Zeit von der „typisch männlichen Garderobe“ verschwunden.

Or not to heel?

Seit einigen Jahren jedoch kehren genau diese Elemente auf den Laufstegen namhafte:r Designer:innen zurück. Mit etwas Zeitversatz verbreiten sich die neuen Codes in den Streetstyles und der High Street der Metropolen und leisten so einen wichtigen Beitrag zum aktivistischen Aspekt der Mode. Ob Kleidung also die Pionierarbeit leisten kann, damit mit Abstand das neue Schuhwerk folgt, bleibt fraglich.

Gut möglich, dass wir dabei sind das Geschlecht als solches aufzulösen und diesen Prozess erst mit Abstand in Zukunft als solchen wahrnehmen können. Jedoch geschehen Veränderungen meistens nicht von Heute auf Morgen. Besonders nicht jene, die eine über Jahrhundertelang andauernde Struktur kritisch betrachten und aufzubrechen versuchen.

Zudem lässt sich die Frage stellen, ob mit der zunehmenden von der breiten Gesellschaft kritisch etablierten Haltung gegenüber der jetzigen Form des Kapitalismus, auch die Werte der Bekleidung in Frage gestellt werden müssen. Der Mann, wie die Mode ihn kennt, der Geldbringer als überholtes Modell, scheint längst ausgedient haben. Blicken wir also mit Zuversicht auf die Suche nach androgynerem Schuhwerk für alle in die Zukunft.

#Dialogue

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