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Konsequenzen nach Terroranschlag auf dem Berliner CSD

LSVD⁺ fordert nach dem Anschlag auf den Berliner CSD den Schutz vor queerfeindlicher Gewalt – ohne rassistische Instrumentalisierung und weiterer Spaltung.

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LSVD⁺ fordert effektiven Schutz statt rassistischer Instrumentalisierung

Nach dem tödlichen Vorfall auf den Berliner CSD vom Abend des 25. Juli 2026 gehen die Sicherheitsbehörden von einem islamistischen Terroranschlag aus. Eine Demonstrantin ist gestorben, viele weitere wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter, deutscher Staatsbürger, wurde am Folgetag von der Polizei beim Versuch der Festnahme erschossen. Inzwischen ist auch bekannt, dass er bereits in der Vergangenheit versucht hatte, sich dem sogenannten Islamischen Staat in Syrien anzuschließen. 

Alva Träbert aus dem Bundesvorstand des LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt kommentiert:

Der Schock in der queeren Community nach dem Berliner CSD, dem Tod einer Demonstrantin und den vielen Verletzten sitzt weiterhin tief. Viele von uns empfinden dabei eine Mischung aus Trauer, Angst und Wut. Inzwischen scheint klar, dass es sich bei dem tödlichen Attentat um einen islamistisch motivierten Anschlag handelte.

Folge muss sein, dass der Staat konsequenter als bisher gegen queerfeindliche Hetze und Hassgewalt – ob nun von Rechtsaußen oder aus radikal-religiösen Milieus – durchgreifen muss. Es darf nicht sein, dass ein polizeibekannter Terrorist einen solchen Anschlag verüben kann. Es darf nicht weiter geduldet werden, dass der sogenannte Islamische Staat junge Menschen in Deutschland radikalisiert und gegen unsere Community aufhetzt.

Gewaltprävention und effektiven Schutz

Der LSVD⁺ fordert daher: Gewaltprävention und effektiven Schutz für alle LSBTIAQ* statt rassistischer Instrumentalisierung.

Unsere Gedanken sind weiterhin bei den Opfern des Anschlags und ihren Angehörigen. Wir als Community, wir als liberale Gesellschaft sollten im Lichte dieses Angriff auf unsere Sichtbarkeit, Sicherheit und Freiheit enger denn je zusammenstehen. Wir müssen uns gemeinsam jeder Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegenstellen. Viele Stimmen aus der Community haben davor gewarnt. Auch wir haben davor gewarnt, dass rechtspopulistische und rechtsradikale Parteien und Medien den Anschlag missbrauchen. Sie nutzen diesen Moment, um rassistischen Hass zu schüren. Genau das sehen wir jetzt vor allem von rechten bis rechtsextremen Akteur*innen.

Gerade diejenigen, die sonst keine Gelegenheit auslassen, um uns LSBTIAQ* anzugreifen und den Einsatz für unsere Menschenrechte als Identitätspolitik zu diskreditieren, heucheln nun Solidarität. Gleichzeitig sind die Kommentarspalten voll von Häme – es habe immerhin die Richtigen getroffen. Die Erfahrung zeigt, dass Rechtsaußen hierdurch für seine menschenverachtenden Positionen in breiten Wähler*innenschichten Anschluss findet. Aber: Wir gehen der rassistischen Instrumentalisierung nicht auf den Leim.

Islamismus ist nicht gleich zu setzen mit der Religionsfreiheit von Christen, Muslimen, Juden und anderer Religionen

Denn: Dieser Hass zersetzt unsere plurale Gesellschaft, er bedroht die Sicherheit aller Muslim*innen in Deutschland, und er gefährdet damit gerade queere Muslim*innen und queere People of Colour. Durch diese Hetze soll die Akzeptanz weiterer Verschärfungen der Migrations- und Asylpolitik in der Mitte der Gesellschaft verankert werden. Dabei werden Menschen, die bei uns vor Verfolgung Schutz suchen, allzu oft und systematisch allein gelassen.

Erste Leidtragende sind gerade auch LSBTIAQ* Personen, die vor islamistisch motivierter Verfolgung fliehen müssen, und denen dann keine Fluchtwege mehr offen stehen. Wir lassen daher unseren Schmerz und unsere Angst nicht vereinnahmen von Akteur*innen, die sonst nicht an unserer Seite stehen und zeitgleich mit den Taliban über Abschiebungen verhandeln wollen. Wir brauchen wirksamen Schutz vor queerfeindlicher Gewalt und Diskriminierung, der nicht auf Kosten von Migrant*innen und People of Colour geht. Im Zuge der aktuellen Debatte wird der LSVD⁺ in den nächsten Tagen einen Maßnahmenkatalog vorlegen.

Update: 10 Sofortmaßnahmen für queere Sicherheit

Berlin, 28.07.2026.

Drei Tage nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag auf den Berliner CSD, bei dem eine Frau starb und 29 weitere Menschen verletzt wurden, diskutiert ganz Deutschland über politische Konsequenzen.

Dazu erklärt Andre Lehmann aus dem Bundesvorstand des LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt

Wir appellieren an alle demokratischen Entscheidungsträger*innen: Nach den Solidaritätsbekundungen müssen nun konkrete politische Konsequenzen folgen. Alle sicherheitspolitischen Maßnahmen müssen der gesamten LSBTIAQ* Community in ihrer Vielfalt gerecht werden und deren verschiedenen Diskriminierungserfahrungen Rechnung tragen, so insbesondere auch LSBTIAQ* mit Migrations-, Rassismus- oder Fluchterfahrung.

LSVD⁺ richtet sich mit Appell an Politik

Wir erwarten, dass bei den anstehenden Entscheidungen die vom Anschlag betroffene LSBTIAQ*-Community einbezogen wird. Bloße Forderungen für höhere Strafen greifen zu kurz. Stattdessen sollten nun unter anderem die folgenden zehn Sofortmaßnahmen ergriffen werden:

  1. Verbindliche Gespräche zu politischen Maßnahmen und engere Zusammenarbeit zwischen den Ressorts Justiz, Innen, Soziales, Gesellschaft und Bildung auf höchster politischer Ebene, Queerbeauftragter und queerer Zivilgesellschaft
  2. Vollständige Umsetzung der Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung homo- und transfeindlicher Gewalt der Innenministerkonferenz durch Polizei, Justiz, Bildungs- und Sozialbehörden sowie wiederkehrende Evaluation und Weiterentwicklung
  3. Nachhaltige Förderung von Aufklärungsprojekten gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wie dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und Aktionsplan „Queer leben“ sowie auskömmliche Finanzierung queerer Community- und Beratungsstrukturen wie das Jugendnetzwerk Lambda und die unabhängige Asylverfahrensberatung 
  4. Ergänzung von Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes um den expliziten Schutz aller LSBTIAQ* als klares Zeichen in die gesamte Gesellschaft
  5. Jährliche Erarbeitung einer umfassenden Sicherheitsstrategie zur Pride-Saison zwischen Sicherheits- sowie Versammlungsbehörden und den Veranstaltenden zur besseren und queersensiblere Bewertung der Gefährdungsbewertung durch die Landeskriminalämter
  6. Auskömmliche Finanzierung sämtlicher Extremismuspräventionsprogramme auch in den Ländern
  7. Bundesweite Aus-, Fort- und Weiterbildung von Polizist*innen und Justiz zu queerfeindlicher Hasskriminalität und zum diskriminierungssensiblen Umgang mit queeren Menschen
  8. Ergänzung der Rechtsanwendung explizit um queerfeindliche Hasskriminalität als Tatmotiv, namentlich in den Richtlinien für das Strafverfahren und das Bußgeldverfahren sowie der Strafprozessordnung
  9. Flächendeckende und verpflichtende Schulaufklärung über die Lebensrealitäten von LSBTIAQ*, damit sich queerfeindliche Einstellungen nicht verfestigen, durch Absicherung in Bildungsplänen
  10. Einrichtung hauptamtlicher LSBTIAQ*-Ansprechpersonen bei allen Polizeibehörden mit klar definierten Zuständigkeiten und ausreichenden finanziellen sowie personellen Ressourcen 

Abschließend:

Hören Sie den Forderungen nach einer besseren Bekämpfung queerfeindlicher Hasskriminalität endlich zu, die wir seit Jahren stellen. Wirksamer Schutz vor queerfeindlicher Gewalt und Diskriminierung muss endlich umgesetzt werden, ohne verschiedene gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen und damit die gesellschaftliche Spaltung voranzutreiben.

Der Schutz von LSBTIAQ* steht nicht im Widerspruch zu Menschenrechten von Geflüchteten, Migrant*innen und People of Color. Konkrete politische Handlungen, die explizit auf die Bekämpfung von Queerfeindlichkeit abzielen, senden der queeren Community jetzt das Zeichen, dass ihre Angst und ihre Sorgen endlich ernst genommen werden.

Zum Hintergrund für die einzelnen Forderungen:

Weiterlesen:

Der LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt

Der LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt ist ein Bürgerrechtsverband und vertritt Interessen und Belange von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und intergeschlechtlichen, a_spec sowie weiteren queeren Menschen (LSBTIAQ*). 

Menschenrechte, Vielfalt und Respekt – wir wollen, dass LSBTIAQ* als selbstverständlicher Teil gesellschaftlicher Normalität akzeptiert und anerkannt werden. Wir sind präsent in der Öffentlichkeit, den Medien und der Politik. Der LSVD⁺ nimmt Stellung und wird angehört, wenn die Belange von LSBTIAQ* berührt sind: von der Bundesregierung, vom Bundestag und vom Bundesverfassungsgericht. 

Mit einer Spende und/oder Mitgliedschaft können Sie uns und unsere Arbeit für “Menschenrechte, Vielfalt und Respekt” unterstützen. Vielen Dank. 

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