Der Titel der Ausstellung ist Statement und Einladung zugleich: Im Fokus stehen Filmarbeitende, die seit den 1970er-Jahren das queere Kino in Deutschland geprägt haben – als eine Geschichte von Widerstand und Revolution, aber auch von Solidarität und Innovation.
Zugleich fordert der Titel dazu auf, queeres Kino immer wieder neu zu erfinden, um, seine Vielfalt und Lebendigkeit zu bewahren. »Queer« wird hier als offener Begriff für sexuelle und geschlechtliche Identitäten sowie für kulturelle Praktiken verstanden, die normative Vorstellungen von Geschlecht und Begehren hinterfragen.
Inventing Queer Cinema
Die Schau zeigt Filme und die Menschen, die sie möglich machten: ihre Visionen, Kämpfe und Erfolge. Wie begleiteten sie die queere Emanzipationsbewegung und wie beeinflussten sie den sogenannten Mainstream? Den Ausgangspunkt bildet dabei Berlin als wichtiges Zentrum queeren Filmschaffens, ergänzt um internationale Perspektiven.

D 1926, Regie: Richard Eichberg
Bild: Deutsche Kinemathek
Ein »Prolog« präsentiert frühe Beispiele seit den 1910er-Jahren aus den Beständen der Deutschen Kinemathek. Die Darstellung queerer Vielfalt im deutschen Fernsehen wird mit dem Sammlungsschwerpunkt »Fokus Fernsehen« thematisiert. Am Beispiel ›Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹ findet sich das Medium in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung wieder.
Für »Inventing Queer Cinema« öffnet Salzgeber erstmals sein Archiv. Dokumente aus den 1970er- und 1980er-Jahren sowie Zeitzeugeninterviews und Videoaufnahmen belegen das Engagement, den Erfindergeist und die Vernetzung von Manfred Salzgeber und seinen Weggefährt*innen, die die queere deutsche Filmgeschichte wesentlich prägten.

DDR 1989, Regie: Heiner Carow
Bild: DEFA-Stiftung
Eine großflächige Videoinstallation bildet das emotionale Herzstück der Ausstellung und stellt gleichzeitig die Frage »Was ist queere Filmsprache?«.

Großbritannien 1996, Regie: Hettie MacDonald
Bild: Salzgeber
Die Schatzkammer
In der »Schatzkammer« wird diese Geschichte durch persönliche Objekte, Fotos und Dokumente erzählt – Schlüsselmomente und scheinbare Nebensächlichkeiten, ohne die die queere Filmgeschichte nicht denkbar wäre.

Großbritannien 1986, Regie: Derek Jarman
Bild: Salzgeber
Begleitend zu den medialen wie installativen Erzählebenen bietet die Ausstellung ein umfassendes Filmprogramm mit mehr als 90 Filmen. Im Studiokino werden laufend nationale und internationale Produktionen gezeigt, die auch in der Ausstellung thematisiert werden. Ab Mitte Juni startet zudem eine Reihe abendlicher Begleitveranstaltungen mit Gästen aus der queeren Filmszene von damals und heute.
Die Ausstellung im E-Werk führt durch die ehemalige Maschinenhalle, in das Studiokino und zum ersten Mal auch in das ehemalige Schaltwerk.
Konzept, Kurator: Björn Koll
Kurator*innenteam, Deutsche Kinemathek: Georg Simbeni, Kristina Jaspers, Nils Warnecke
Künstlerische Direktorin, Deutsche Kinemathek: Heleen Gerritsen
Unterstützt von: Hauptstadtkulturfonds und Queere Kulturstiftung
Laufzeit: 7. Mai bis 13. September 2026, Do bis So, 10 bis 18 Uhr
Anfahrt: U-Bahn Stadtmitte oder Anton-Wilhelm-Amo-Straße
Die Deutsche Kinemathek wird gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.



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