In der Reihe Artist in Focus stellt das EMAF das filmische Werk namhafter zeitgenössischer Künstler*innen vor, teils auch im Dialog mit weiteren Filmen oder Beiträgen, die mit ihrem Werk in Verbindung stehen. In diesem Jahr präsentieren wir Arbeiten der im Libanon geborenen, in Berlin lebenden Künstlerin Marwa Arsanios (geboren 1978).
Damit würdigen wir eine international beachtete künstlerische Praxis. In dieser sind Film und Recherche, politische Imagination und kritische Intervention eng miteinander verwoben.

Who Is Afraid of Ideology?
Im Zentrum des Programms steht die seit 2017 fortlaufende, inzwischen fünfteilige filmische Serie Who Is Afraid of Ideology?. Darin begleitet Arsanios feministische Kollektive und Initiativen im irakischen Teil Kurdistans, in Syrien, im Libanon und Kolumbien. Ihr Einsatz für die Vergemeinschaftung und Rückgabe von Land geht mit ihrem Kampf um Selbstbestimmung Hand in Hand.
In einem kontinuierlichen Prozess des Gesprächs und Austauschs portraitiert Arsanios Frauen. Diese Frauen praktizieren in ländlichen Regionen kollektive, antikapitalistische und antipatriarchale Formen des Zusammenlebens. Sie verteidigen überlieferte Formen der Landnutzung gegenüber Privatisierung und kolonialer Besatzung. Außerdem setzen sie sich für die Wiederherstellung von historischem Gemeineigentum ein.
Die Weitergabe von Wissen, Solidarität und gegenseitige Unterstützung spielen dabei immer eine Rolle und werden auch in der filmischen Arbeit mit reflektiert.

Right of Passage
Der aktuelle, fünfte Teil der Serie, Right of Passage (2026), entfaltet sich in der Welt des Traums. In ihr sind jene Grenzziehungen, die Eigentum und Territorium begründen, die Menschliches von Nichtmenschlichem und Vergangenes von Gegenwärtigem trennen, suspendiert. Ihre Durchlässigkeit ermöglicht die freie Passage unterschiedlicher „politischer Tiere“, die Artikulation traumatischer Verluste und Bildung neuer Allianzen.
Im Dialog mit ihren eigenen Arbeiten zeigt Arsanios Filme von Simone Bitton, Mohammad Malas und Reem Shilleh, die ergänzt und erweitert werden durch Workshops, Lesungen und Gespräche. Weitere Gäste sind Ali AlAdawy, Haytham el-Wardany und Stefanie Baumann.
Sie orientieren sich an Fragen, die Arsanios folgendermaßen skizziert: „Wie können wir von Filmen lernen, die aus dem Land heraus entstehen, die in Landkonflikten verwurzelt sind und selbst zu pädagogischen Objekten werden? Welche filmischen Formen erwachsen aus der Topografie eines Ortes, seiner geografischen Beschaffenheit und seinen Böden? Und wie wird das Filmset seinerseits zu einem pädagogischen Raum für diese Konflikte?“
Zwischen dokumentarischem und fiktionalem Erzählen

Bereits in ihren früheren Arbeiten reflektiert Arsanios das filmische Bild. Sie beschäftigt sich mit ihrer eigenen Verstrickung in unterschiedliche Prozesse der Bilderzeugung. Diese bewegen sich zwischen dokumentarischem und fiktionalem Erzählen, militantem Filmemachen und künstlerischer Intervention.
In Have You Ever Killed a Bear or Becoming Jamila (2014) begegnen wir der legendären algerischen Revolutionärin Djamila Bouhired in unterschiedlichen medialen Verkörperungen. Arsanios untersucht von der ikonischen Figur Bouhired ausgehend. Wie haben sozialistische Projekte der Vergangenheit feministische Projekte befördert? Wie haben nationale Befreiungsbewegungen feministische Projekte marginalisiert?
In Amateurs, Stars and Extras or Labor of Love (2018) wird das Filmset zum Ort. Dort erscheinen jene unsichtbaren Formen reproduktiver Arbeit. Diese verleihen dem kapitalistischen System Stabilität und Dauer. In komplex gebauten, inszenierten und dokumentarischen Szenen sprechen Frauen in Mexiko und dem Libanon von Arbeit, Freizeit und Widerstand.
Zur Biografie:
Marwa Arsanios’ Arbeit kreist um strukturelle Fragen. Sie versucht, Raum innerhalb von und parallel zu bestehenden Kunststrukturen zu schaffen. Dieser Raum ermöglicht das Experimentieren mit unterschiedlichen Formen der Versammlung. Arsanios beginnt mit architektonischen Räumen sowie ihrer Transformation und Anpassungsfähigkeit. Es umfasst auch von Künstler*innen betriebene Räume und temporäre Zusammenkünfte.
In den letzten Jahren widmeten ihr u.a. das Haus für Kunst Uri (2026), die Joan Miro Foundation (2025), das Artium Museum (2025), BAK Utrecht (2024), der Heidelberger Kunstverein (2023). Mosaic Rooms, London (2022) und das Contemporary Arts Center, Cincinnati (2021) organisierten Einzelausstellungen. Sie war außerdem an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen beteiligt, wie jüngst der Documenta 15 (2022), der Sydney Biennial (2022), der 11th Berlin Biennale (2020) und der Gwangju Biennial (2018).
Ihre Filme werden regelmäßig auch bei internationalen Filmfestivals gezeigt. Film- und Kunstprofessionals können sich weiterhin hier online akkreditieren.

Festival: 22 – 26 April 2026 /
Exhibition: 22 April – 25 May 2026
Osnabrück
Wir freuen uns auf Euren Besuch!
Das Team des EMAF 2026


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