Ausstellung: Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst
25. Oktober 2025 – 1. Februar 2026
Ein Fabeltier, das die Fantasie beflügelt
Kaum ein Fabeltier hat die menschliche Fantasie so nachhaltig geprägt wie das Einhorn. Seit Jahrtausenden taucht es in Kulturen auf der ganzen Welt auf – als Sinnbild für Freiheit, Reinheit, Unschuld oder unbezähmbare Natur. Die neue Ausstellung Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst im Museum Barberini widmet sich erstmals umfassend der Kunst- und Kulturgeschichte dieses rätselhaften Tieres – von der Antike bis in die Gegenwart.
Geschichte und Symbolik


Angela Hampel
Weiblicher Akt auf Einhorn, 1988
Schon früh verbreiteten sich Geschichten über das Einhorn von Indien über Persien und Ägypten bis nach Europa. In der christlichen Kunst wurde es zum Symbol Christi. In der Medizin glaubte man an die Heilkräfte seines Horns. Im Mittelalter galt seine Existenz als gesichert. Dies lag nicht zuletzt an den langen, spiralförmigen „Einhornhörnern“, die sich später als Stoßzähne des Narwals entpuppten. Doch selbst wissenschaftliche Entzauberung konnte seiner Faszination nichts anhaben.
Vielfalt künstlerischer Darstellungen
Die Ausstellung macht sichtbar, wie wandlungsfähig dieses Wesen über vier Jahrtausende hinweg blieb. Von Maerten de Vos’ monumentalem Gemälde von 1572, das das Einhorn als machtvolle Figur inszeniert, über eine tibetische Plastik aus dem 18. Jahrhundert bis zur persischen Fliese des 13. Jahrhunderts, auf der es gegen einen Elefanten kämpft – jede Epoche projizierte eigene Vorstellungen und Sehnsüchte auf das Fabeltier.

Der Meteor, 1964
Ein Wandteppich von 1625 zeigt dramatische Kämpfe gegen Raubtiere, mittelalterliche Manuskripte lassen Alexander den Großen gegen Einhörner antreten, und ein Altargemälde aus dem 15. Jahrhundert zeigt den Erzengel Gabriel, der das scheue Wesen zur Jungfrau Maria treibt. Ergänzt wird die Schau durch das berühmte Horn aus der Abtei St. Denis, kostbare Kunstkammergefäße aus Elfenbein und Silber sowie Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts von Böcklin, Kubin, Magritte und Rebecca Horn.
Einhörner in der Gegenwart

La Lotta, 2006
Auch die Gegenwart bleibt vom Mythos nicht unberührt. Fotografien von Marie Cécile Thijs zeigen, wie modern das Einhorn bis heute geblieben ist. Videoarbeiten von Maïder Fortuné und Skulpturen von Olaf Nicolai zeigen, wie attraktiv und kulturell aufgeladen es noch immer ist. „Es ist ein Symbol, das eine ganz besondere Energie ausstrahlt“, sagt Michael Philipp, Chefkurator des Museums Barberini. „Es ist überall – und zugleich nirgends. Genau darin liegt seine Magie.“
Internationale Ausstellung und neue Perspektiven
Mit rund 150 Werken aus 16 Ländern – viele davon selten verliehen – eröffnet die Ausstellung neue kunsthistorische Perspektiven. Sie zeigt, wie das Einhorn über Jahrtausende hinweg religiöse, wissenschaftliche und kulturelle Konzepte miteinander verknüpft. Ein umfangreicher Katalog mit neu erschlossenen historischen Quellen macht das Projekt zu einem wissenschaftlichen Meilenstein.
Begleitprogramm und kulturelle Resonanz
Begleitet von Führungen, Gesprächen, Workshops, Lesungen, einem Konzert und einem Filmprogramm ist die Schau ein tiefes Eintauchen in einen Mythos. Dieser Mythos erfindet sich immer wieder neu. Und vielleicht liegt genau darin seine ungebrochene Kraft. Das Einhorn bleibt eine Projektionsfläche für Träume. Ideale und Sehnsüchte bleiben auch. Das gilt für gestern, heute und morgen.


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