­­­­Wandern in Geschichte. Die Fotografie von Ulrich Wüst

,
Readingtime:
1–2 minutes

Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig
Eröffnung | 12. März 
13. März – 14. Juni, 2026

Das Werk von Ulrich Wüst wurde in den 1980er Jahren insbesondere durch seine zahlreichen Stadtbilder bekannt, die er an verschiedenen Orten der DDR aufgenommen hatte. Sie zeigen Spuren des Zweiten Weltkrieges und ungehinderten Verfall der historischen Bausubstanz.

Im Mittelpunkt seines fotografischen Interesses standen jedoch die durch Unachtsamkeit und Ahnungslosigkeit ebenso wie durch Zerstörung und Wildwuchs verursachten Absurditäten städtebaulicher Situationen. So entwickelte der Fotograf seine ganz eigene visuelle Form der Architekturkritik. Diese hat bis heute nichts an ihrer Eindringlichkeit verloren. Sie argumentiert nicht ideologisch und wird von einem Phänomensinn getragen. Ein subtiler Humor und Ironie sind ihr ebenfalls nicht fremd.

Berlin, Wichertstraße Januar 1984 (aus der Serie “Notizen. 1984-1986”)

Der deutsche Osten 

Einem breiten internationalen Publikum wurden die Fotografien von Ulrich Wüst durch seine Einladung zur documenta 14 nach Kassel 2017 bekannt. Ulrich Wüsts fotografisches Werk, das sich im weitesten Sinne mit dem Thema deutscher Osten befasst, lässt sich auch über die versunkene DDR hinaus als Bild-Archäologie der Gegenwart beschreiben. Diese Bilder zeigen Fundstücke der „Grabungen“ und sind zugleich Werkzeuge zu deren Konservierung.

Wüst hat einen untrüglichen Sinn für die Zeichenhaftigkeit alltäglicher Situationen, Gegenstände und Materialien. Er erkennt auch die hintergründigen Bedeutungsschichten von gefundenen Bildern. Zum Beispiel wird dies bei den vergrößerten Details aus DDR-Pressefotos deutlich, die den manipulativen Gebrauch der Fotografie offenbaren.

Universelle Phänomene gesellschaftlicher Wandlungen

Das fotografische Werk von Ulrich Wüst kann aus verschiedenen Perspektiven wahrgenommen werden. Die Beobachtungen, die er in seinen Bildern festhält, mögen letztlich ihre Wurzeln in der deutschen Teilung und deren Überwindung haben. Sie betreffen jedoch immer auch universelle Phänomene gesellschaftlicher Wandlungen und deren materielle Erscheinungsformen.

Die scheinbar lapidaren, höchst präzise komponierten Bilder sind Ergebnis langer visueller Wanderungen in gegenwärtigen Orten der jüngsten Geschichte.

Ausstellung: Wandern in Geschichte. Die Fotografien von Ulrich Wüst

Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig

13. März – 14. Juni 2026 

LOOCK Galerie
Ackerstr. 171, 10115 Berlin­­­­­

Text und Kuration von Matthias Flügge
Eine Ausstellung des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen e. V.­­­

Leave a comment.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


Subscribe to Our weekly B'SPOQUE magazine Newsletter

Subscribe to get the latest posts sent to your email. Datapolicy