08.11.–30.11.2025, HAUS#1, Berlin
Die deutsche Fotografin Sibylle Fendt widmet sich in ihrer Arbeit BEVOR ES SO WEIT IST Menschen, die ihre letzte Lebensphase im Kreise von Familie und Freunden zu Hause verbringen. Die intimen Fotografien zeigen, wie die vertraute Umgebung in der Zeit des Abschieds ein wichtiger Anker sein kann, der trotz des Schmerzes Geborgenheit und Halt gibt.
Über 18 Monate hinweg hat Fendt 17 Menschen kennengelernt und gemeinsam mit ihren pflegenden Wegbegleiter*innen zu Hause porträtiert. Viele von ihnen blickten auf lange Krankheitsgeschichten zurück und kehrten nach kräftezehrenden Behandlungen nach Hause zurück, um zur Ruhe zu kommen und ein letztes Mal aufzuatmen.
Intensive Momente des Abschieds


Das Zuhause wurde zum Ort größtmöglicher Nähe – ein Raum, in dem die Sterbenden Regisseur*innen ihres eigenen Abschieds sein konnten: ein letztes Seufzen, ein letztes Lachen, ein letztes Händedrücken, bevor sie hofften, sanft in den Tod hinüberzugleiten.
Die Arbeit möchte keinen Schrecken verbreiten, sondern diese letzte Lebensphase wertschätzen. Sie zeigt auf einfühlsame Weise die unbeschreiblich intensiven Momente zwischen den Sterbenden, ihren Angehörigen und der Fotografin.
Gezeigt werden rund 30 Fotografien. Das begleitende Buch umfasst 75 Abbildungen und Zitate der Abgebildeten. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum für Sepulkralkultur und wird kuratiert von Ingo Taubhorn.
Programm
Kurator: Ingo Taubhorn
Impulsvortrag
24.11.2025 | 18:00 Uhr
Dr. Dirk Pörschmann (Direktor, Museum für Sepulkralkultur, Kassel)
„Es lebe die Endlichkeit!“
Gast: Dr. Thomas Schindler, Palliativarzt, Berlin
Die Künstlerin ist anwesend.
Finissage
30.11.2025 | 16:00 Uhr
Die Künstlerin ist anwesend.
Öffnungszeiten:
Freitag–Sonntag, 14:00–19:00 Uhr
Ort:
HAUS#1
Waterloo-Ufer o. Nr. (Nähe U1/U3/U6 Hallesches Tor)
10961 Berlin
Das Buch zur Ausstellung
„Niemand hat keine Angst.“
Parallel erscheint das gleichnamige Buch, in dem die Porträtierten selbst zu Wort kommen und über Wünsche, Werte, Ängste und Zweifel sprechen. Ergänzend schildert Fendt in einem Essay die letzten Lebenstage ihres eigenen Mannes im Kreis der Familie – eine persönliche Erfahrung, die sie zur Umsetzung dieses Projekts motivierte, unterstützt vom Palliativarzt Dr. Thomas Schindler. Das geteilte Schicksal verband Fotografin und Protagonist*innen auf besondere Weise. Jeder Weg war einzigartig.

Sibylle Fendt: Bevor es so weit ist
Deutsche Ausgabe
- Leineneinband
- 23,5 x 29,5 cm
- 140 Seiten
- 77 Farbabbildungen
- Deutsch
- Zum Buch
Über die Künstlerin
Sibylle Fendt (*1974) lebt in Berlin und ist Mitglied der renommierten Agentur Ostkreuz. Ihre sozialkritisch geprägten Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Förderpreis für Dokumentarfotografie der Wüstenrot-Stiftung sowie einer Teilnahme an der World Press Photo Masterclass (2003). 2024 erhielt sie den Vonovia Award für Fotografie für die hier ausgestellte Arbeit.
www.sibyllefendt.de
Instagram: @sibyllefendt
Ostkreuz-Profil: ostkreuz.de/fotografen/sibylle-fendt
Über das HAUS#1
HAUS#1 ist ein privat initiiertes, privat finanziertes Kulturprojekt in Berlin. Der Ort – ein ehemaliges, verfallenes Toilettenhäuschen mit Kiosk – wurde 2003 entdeckt und zu einem Ausstellungs- und Veranstaltungsraum mit präzisen architektonischen Eingriffen umgebaut.
Seit 2005 finden dort Veranstaltungen und Ausstellungen statt, insbesondere in den Bereichen Fotografie, bildende Kunst, Architektur und Städtebau. HAUS#1 belebt diesen besonderen Stadtraum und macht ihn temporär neu erfahrbar.
Kuratorische Vision
Seit Anfang 2025 besteht eine Zusammenarbeit mit Ingo Taubhorn, dem ehemaligen Chefkurator des Hauses der Photographie der Deichtorhallen Hamburg. Den Auftakt bildete die von ihm kuratierte Reihe EIN HAUS, FÜNF AUSSTELLUNGEN, SECHS KÜNSTLERINNEN, die über 1.000 Besucher*innen anzog.
Es folgten Ausstellungen wie KlimaZeugen von Thorsten Klapsch, Max von Valentin Hansen (in Kooperation mit Visor) und Ideal City_2003 – ongoing von Birgit Naomi Glatzel.
www.haus1-berlin.de
Instagram: @haus1
Text: © Johanna & Philipp Rentschler


You must be logged in to post a comment.