Schließung des SchwuZ ist ein schwerer Verlust für Berlins

,

Reading Time:

3–4 minutes

Die Clubcommission Berlin reagiert mit großer Sorge. Die Schließung des SchwuZ trifft einen der ältesten und bedeutendsten queeren Clubs der Stadt. Der Club war Motor für queere Kultur, soziale Projekte und Sichtbarkeit. Die Politik sollte handeln und Rahmenbedingungen schaffen, die solche Orte sichern, Vielfalt stärken und die Zukunft der Berliner Clubkultur aktiv gestalten

Goodbye Berlin? Schließungen bedrohen die queere und kulturelle Vielfalt

„Eine Regenbogenhauptstadt definiert sich nicht nur durch Bekenntnisse auf dem Papier, sondern durch konkrete Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung queerer Infrastruktur.“

Marcel Weber

Mit großer Betroffenheit reagiert die Clubcommission Berlin auf die Ankündigung. Das SchwuZ – einer der ältesten und bedeutendsten queeren Clubs Deutschlands – schließt nach fast 50 Jahren. Der traditionsreiche Club – und Mitglied der Clubcommission – prägte über Jahrzehnte das queere Nachtleben der Hauptstadt. Es war ein sicherer Ort für Generationen von Menschen aus der LGBTQIA*-Community.

Das SchwuZ – eine Institution queerer Kultur

Seit der Gründung im Jahr 1977 gab es das SchwuZ an vier Standorten in Berlin; 2013 zog der Club vom Mehringdamm in Kreuzberg nach Neukölln ins Rollbergviertel in deutlich größere Räume, die bis zu 1.000 Menschen fassten. Queere Projekte wurden im SchwuZ auf den Weg gebracht. Dazu gehören das Stadtmagazin Siegessäule, der Buchladen Prinz Eisenherz, die Schwulenberatung und der erste Berliner CSD 1979.

„Das SchwuZ war für viele Menschen weit mehr als ein Club – es war ein Zuhause, ein Schutzraum, ein Stück Berliner Identität. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Herzblut, Engagement und Community in diesem Ort steckten.

Dass trotz aller Bemühungen, Restrukturierungen und Sanierungsversuche keine tragfähige Perspektive mehr gefunden werden konnte, ist ein bitteres Signal – und zeigt, wie schwierig die Lage für Clubs in dieser Stadt insgesamt geworden ist.“

Marcel Weber, 1. Vorsitzender der Clubcommission

Die wirtschaftliche Lage vieler Clubs ist angespannt

Nachwirkungen der Corona-Pandemie, steigende Fixkosten, kaum zugängliche Kulturförderung und grundlegende, wirtschaftlich schwierige Rahmenbedingungen belasten die Branche. Gerade Orte wie das SchwuZ, die kulturelle, soziale und queere Arbeit leisten, sind besonders schützenswert – und brauchen deshalb gezielte politische Unterstützung.

„Wenn Berlin seinem eigenen Anspruch gerecht werden will, braucht es jetzt entschlossenes politisches Handeln – nicht nur Symbolpolitik, sondern echte Unterstützung für die Räume, die queeres Leben seit Jahrzehnten ermöglichen und prägen. Der Verlust des SchwuZ ist ein Armutszeugnis für eine Stadt, die sich als Vorreiterin queerer Rechte und Kultur versteht.

Marcel Weber

Die Schließung des SchwuZ steht in einem eklatanten Widerspruch zum Selbstverständnis Berlins als „Regenbogenhauptstadt“, wie es im Koalitionsvertrag von CDU und SPD festgeschrieben ist. Die Regierungskoalition bekennt sich zur Förderung queerer Vielfalt und zum Schutz von LGBTQIA*-Räumen. Trotzdem verschwindet mit dem SchwuZ einer der wichtigsten queeren Kultur- und Begegnungsorte der Stadt. 

„Wir dürfen Clubschließungen nicht als Einzelfälle betrachten. Die wirtschaftliche Lage ist für viele Branchen schwierig, allerdings leisten auch Clubs einen kulturellen und gesellschaftlichen Beitrag, der nicht in Bilanzen messbar und für die Stadt unverzichtbar ist. Wenn Berlin weiterhin diese Räume verliert, verliert es ein Stück seiner Identität und Vielfalt. Es ist an der Zeit, politische Verantwortung zu übernehmen und faire Rahmenbedingungen zu schaffen, die Clubs stärken und langfristig sichern.“

Emiko Gejic, Pressesprecherin der Clubcommission

Die Clubcommission weist darauf hin, dass sie seit Jahren mittels Branchenumfragen die bevorstehenden Risiken aufgezeigt hat. Clubs tragen erheblich zur Wirtschaftskraft der Stadt bei, schaffen Arbeitsplätze, ziehen internationale Gäste an und prägen das Image der Stadt als weltoffene Metropole. Gerade weil die Bedingungen so schwierig sind, braucht es jetzt entschlossenes politisches Handeln. 

Wie soll es weiter gehen?

Die Clubcommission fordert, die Clubkultur politisch ernst zu nehmen, ihren Beitrag anzuerkennen und ihre Zukunft aktiv zu sichern.Die Clubcommission betont daher: Grundlegende Förderinstrumente, die für Clubs tatsächlich zugänglich sind – pragmatisch, realitätsnah und dauerhaft umzusetzen.

„Die Schließung des SchwuZ muss ein Weckruf sein, Clubkultur als das zu begreifen, was sie ist: ein zentraler Teil der Berliner DNA – lebendig, vielfältig und unterstützenswert.“

Emiko Gejic

Es ist wichtig, dass Clubs rechtlich als Kulturorte und gesellschaftliche Räume anerkannt werden. Dies sollte ihren Schutz vor Verdrängung durch steigende Mieten, Gentrifizierung oder neue Bauprojekte beinhalten. Es muss faire Rahmenbedingungen für kulturelle und queere Räume geben, damit Vielfalt und Kreativität auch künftig Bestand haben.

Mehr über die Clubcommission Berlin findet ihr hier und auf der Website.

#writtenby

Clubcommission Avatar

Go back

Your message has been sent

Sign in?
Stay tuned with the arts!

Subscribe to our newsletter and stay informed about current exhibitions and other topics of the Berlin cultural scene.

Warning
Warning
Warning
Warning.
Read more about the handling of your data here.

Discover more from B'SPOQUE magazine

Subscribe now to keep reading and get access to the full archive.

Continue reading