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Online Banking Bonkers

Es war einmal eine engelsgleiche Stimme, die mit gar unmenschlicher Geduld die Service Wüste Deutschlands ein bisschen schöner gestaltete…


You’re on the lower end now, Darling.

Diese Situation hat definitiv ein paar Fragen aufgeworfen. Nicht selten hänge ich mit meinem vermutlich immer schlechter werdenden Scoring und dem eisern zusammen gehaltenen Staatshaushalt von monatlich 934 € plus einmaliger Corona Sonderzahlung in vielen Dingen hinterher. So auch in der Warteschleife meiner Bank, die in goldenen Farben erstrahlt als ich mich nicht mehr online einloggen kann. Doch die Odyssee hatte gerade er begonnen, denn nach einer halben Stunde und diverser hitzebedingter Wutausbrüche welche ich auf die Werbung in Dauerschleife schiebe, werde ich den Verdacht einfach nicht los, dass meine Bank eben mehr will als nur mein bestes.

Das Internet… you might have heard.

Klar von Digitalisierung und den Spätfolgen von Pandemie, Kapitalismus oder den unterbesetzten und unterbezahlten Mitarbeitern in Service Hotlines will ich gar nicht erst anfangen. Das wären schließlich auch die Aufgaben der Regierung. Doch meiner Aufgabe genügend Verantwortung getragen, sehe ich mich mit der Service Mitarbeiter*In auf Augenhöhe, als diese*r bekräftigt, dass auch mit den aktuellen DGSVO Bestimmungen nicht leichter geworden ist jede*m zu helfen. Wie war das nochmal mit Barrierefreiheit und warum musste ich überhaupt so viel von mir preisgeben?

Computer sais no.

Ingesamt sprachen wir 15 Minuten bis auch ich mit diversen technischen Geräten ausstaffiert, endlich wieder Zugang zu meinem Konto habe. Eine Odyssee, die sich 80 Jährige wohl freiwillig nicht mehr antun. Trotz internationalem Namen spreche ich glücklicherweise nicht nur English, sondern auch Deutsch. Ansonsten hätte mich das System längst aus den Annalen der Datensicherungen gelöscht. Oder warum bestand ein Teil der Lösungsansätze daraus die Daten auf „deutsch“ eingeben zu müssen, wie übrigens auch bei den Berliner Ämtern überall ausgeschildert ist. Warum nicht gleich in Latein oder Altgriechisch?

Egality? Well, we’re far from that honey.

Doch geht es hier um mehr. Wie mir mein*e Gesprächspartner*In betätigt ist es nicht nur mit dem Datenschutz so eine Sache, sondern eben auch wie und wofür die Daten genutzt werden. So zum Beispiel wird natürlich von Anfang an mitgehört und statt zwanzig Minuten Wartezeit, waren es dann eben 30. Natürlich nicht ohne endloser Dauerschleife in der ich dazu aufgefordert wurde Geduld zu haben, meine Daten für Werbung herzugeben oder als ich mich noch in den 20ern befand, einen Kredit abzuschließen.

„Das System ist sehr picky“

am anderen ende der freundlichen lei(s)tung

Allein, dass die generelle Speicherung von dem was während der Wartezeit gesagt wurde, beunruhigt mich etwas, da ich ansonsten nur in gekachelten und geschlossenen Räumen bzw. im besten Fall ohne Zuhörer*Innen ausraste. Auch hatte ich es mir abgewöhnt die ausführenden Organe für diesen systematischen Mist verantwortlich zu machen.

Someone obviously want’s the money back.

Doch bei all diesen kleinen Bugs im System, zu dem ich als Generation Y Vertreter wohl auch gehöre, frage ich mich warum dieses System so picky ist, wie es durch das Service Personal bestätigt wurde? Sicherlich lag es auch an den Nullen auf dem Konto. Jedoch wurde das weder verneint, noch bejaht an dieser Stelle. Diesen Dissens könnte ich als Verbraucher*In an dieser Stelle natürlich weiter hinterfragen, schließlich musste ich am Telefon und via Onlineformular sämtliche meiner Daten durchgeben, nur um festzustellen, dass ich mich datentechnisch entkleiden muss. Meine Bank hingegen weniger Transparent in ihren Vorgängen und Auskünften ist. Schließlich hatte ich mein Passwort lokal gespeichert und mich bis zu diesem Anmeldebug bisher durch ein weiteres Gerät zertifiziert. Dass es nicht mehr ohne passgenauen Datenabgleich ging, hätte der Mitarbeitenden aus dem Ruhrpott leicht den Job kosten können. Was wiederum auch das Aufzeichnen der Gespräche in einem fragwürdigen Licht erscheinen lässt.

STRG + ALT * ENTF?

Für den Fall ich wäre jetzt an dieser Stelle 80, hätte ich wohl meine Enkel fragen müssen, wie das denn nun gehen soll? Mit dem Datenschutz und so ganz ohne Bankfiliale in der Nähe. Die machen nämlich in ganz Berlin dicht und digitalisieren. Wer am Ende zurück bleibt, muss ich nicht weiter erwähnen. Doch so perfekt der Service nach dem Warten auch war, hatte ich Mitleid mit der Person am Ende der Leitung, welche sich ebenfalls oft genug mit durchaus wütenderen Kund*Innen der Bank auseinander setzen darf als mir. Was mich jedoch etwas schockierte ist, dass ich bei Neuvergabe des Passworts plötzlich auf meinen Google Account weiter geleitet wurde.

Let ‚em buy more shit!

Nach erfolgreichem Reset und mit viel Geduld seitens der Mitarbeitenden aus dem Service, schaffte ich es wieder auf das Konto zuzugreifen. Ich war nicht nur über die zahlreichen Widersprüche in Sachen Datennutzung erstaunt, sondern auch über die extrem zuvorkommende Hilfe am anderen Ende. Ganz nebenbei gab es mehr Information, als mit der ursprünglichen Aktion erhofft. Zwar dufte ich den „Purchase Funnel“ anschließend neu starten, jedoch war ich extrem froh, nicht wie bei meinem Instagram Hack mit einem Roboter sprechen zu müssen. Oder vielleicht doch? So viel Friedlichkeit in einer Stimme, kann doch nur von einem Roboter kommen in dieser heisen Zeit. Aber das wäre wohl noch zu früh, für die Sozial Demokraten in diesem Land. In diesem Sinne schien mir die Service Kraft kompetenter als es die Technik einstweilen sein kann!


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