DEAR READER, ein Trumpf im Ärmel ist vielleicht noch keine Lösung gegen die Trumps dieser Welt, aber hin und wieder ein bisschen Magie hat noch keinem geschadet. Zumindest bin ich und mein engster Kreis fest davon überzeugt, dass es sie in der ein oder anderen Form gibt… Wie immer greife ich also nicht nur nach den Sternen sondern auch nach dem Mond!

Der Mond ist der vorherrschender „Planet“ in meinem Leben als geborenes Krebssternzeichen, sie—denn in den meisten Kulturen ist sie weiblich—ist verantwortlich für allerlei Chaos im kreativen Sinne. Zumindest in meinem Alltag spielt “La Lune“ für mich eine wichtige Rolle; im Mondschein sitzend sinniere ich über das nächste Thema, das mich beschäftigt und verbringe die halbe Nacht mit allerlei künstlerischen Blickwinkeln. Bei der Arbeit an unserer Tarotkollektion kommen mir die ein oder anderen Symbole entgegen, die mir auch in meinem realen Leben bereits über den Weg gelaufen sind. (M)ein Hund zum Beispiel, der entgegen zur doppelten Symbolik aus Wolf und Hund, für eine zivilisiertere Form von natürlichen Instinkten steht. Aber das scheint dem kleinen Terrier herzlich egal, er jault lieber und wird zum Wolf, sobald uns der Pincher von nebenan zu nahe kommt.

Das ist aber noch längst nicht alles, was diese Karte so speziell für mich mach und sie in meine Realität implementiert hat. Nach einem Jahr Auszeit und quasi Selbstfindung, habe ich mein Ziel nie aus den Augen verloren, wofür der lange Weg steht der auf der Karte abgebildet ist. In der Modebranche wird gerne mal nach „Luna“ und ihren Sternen gegriffen, sie ist es schließlich auch, die in so vielen Kulturen für das weibliche und intuitive—das in einem jedem von uns steckt—steht. Dennoch ist es ein langer und vermeintlich dunkler Weg, den jemand gehen muss um sich selbst zu erkennen. Dies haben mich vier Jahre Verhaltenstherapie gelehrt, in welcher extrem viel Wert darauf gelegt wurde für sich zu sprechen und sich selbst zu spüren, aber dabei den Kontakt zur Außenwelt nie zu verlieren. Einfach gesagt: nicht zu weit abzuheben, wenn nach den Sternen gegriffen wird. Aber was heißt das schon? Wollen wir nicht hin und wieder genau das, abheben und unser eigenes Ding machen? Nicht ohne die Hilfe von anderen, allerdings.

Denn die Kunst ist es dabei nicht zu weit vom eigenen Weg abzukommen, ansonsten wird man von den Schakalen oder Wölfen gefressen. Auch das ist nicht unbekannt als kreativer Kopf mit einer leicht verschrobenen Selbstwahrnehmung. Als Künstler ist man quasi manchmal das Schaf unter Wölfen. Nichtsdestotrotz ist dieser Weg kein einsamer für mich; Götting Celeste über mir und meine Terrier-Hyäne zu meiner Linken begleiten mich auf meine Mission nach ihr zu greifen, wann immer es mir möglich ist. Hin und wieder, wenn die Klarheit fehlt—für die sie auch steht— heulen wir also beide gemeinsam den Mond an, bis uns wieder jemand auf dem langen Weg zum Ziel begegnet oder uns unter die Arme greift. 

Auch die zwei Türme machen mir keine Sorgen auf diesem gewählten Weg, der durch die eigene innere Leere und andere unangenehmen Emotionen führt, die erst bewusst werden wenn einen das „Claire de Lune“ ereilt. Das englische Equivalent „clarity“ ist von besagtem Mondlicht zumindest linguistisch abzuleiten. Sich also hin und wieder bewusst zu machen, warum einen die unangenehmen Gefühle einholen, ist als Spiegel zur Seele von außen zu verstehen: Menschen, die uns beistehen oder die uns Feedback geben. Konstruktive Kritik sozusagen, aber auch Vorsicht bei den Menschen, die es nicht zu gut mit uns meinen. Die beiden Türme stehen für eine Einheit im scheinbar oppositionellen. Vorsicht ist also bei „False friends“ geboten, wie man im englischen sagen würde oder die Illusion, die nur durch eine zweite Person entdeckt werden kann. In meinem Fall sind mir viele „false friends“ begegnet, sprachlicher und menschlicher Natur. Aber der Mensch lernt aus seinen Fehlern. Zumindest gebe ich die Hoffnung in diesen chaotischen Zeiten, in der wir uns befinden, nie auf. 

Im deutschen hingegen wirft der Mond ziemlich lange Schatten. Früher sagte man, wenn jemand zu lange in den Mond schaut, solle er verrückt werden oder sich sogar zum Werwolf verwandeln. Diese sind mir persönlich auf meiner magischen Reise in mein eigenes Unterbewusstsein noch nicht begegnet, aber dafür fühle ich mich wie ein Werwolf, sobald Ay—so heißt sie auf Türkisch—ihren Höchststand erreicht hat und ich mich so aufgeladen fühle wie sonst kaum. Die Kreativität sprudelt und eine verrückte Idee nach der anderen springt aus meinen Fingern in die Tasten oder manifestiert auf völlig neue Art und Weise. Ich fühle mich dann wie ein Fisch im mondbeschienen Wasser auf meinem eigenen Weg, entgegen des Mainstreams.

Eine letzte Sache fällt mir aus meiner eigenen Erfahrung noch zu meiner kosmischen Begleitung ein: sie kreist um die Erde wie eine treue Freundin und wird durch die Erdanziehung in ihrer Bahn gehalten. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass egal wie sehr jemand auch abheben mag; der  Gravitation auf Erden wird keiner entkommen können. Genau wie den eingefahren Bahnen, aus denen wir eben erstmal ausbrechen müssen, um unseren eigen Weg der Erleuchtung zu beschreiten. Oder, wie ich es selbst betrachten würde; jeder von uns braucht einen alten Freund oder Freundin um nicht aus der Bahn geworfen zu werden. ★☆

Alexandre Renaldy
Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief, Work: The Corner Berlin, flair magazine, H.O.M.E.; Signature Places, Vestiaire Collective, EVE images, B'SPOQUE magazine etc.