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Comment: Post Pandemic Pledge

Nach inzwischen fast drei Jahren Pandemie ist das Maß und der Kanal voll. Ein Essay über selbst- und ständiges Denken, Handeln und Fühlen.


Lange hatten die Medien mehr Unmut und Verwirrung als echte Gewissheiten verbreitet und schließlich der Supergau. Wir hörten, lasen und sahen von überfüllte Krankenhäuser. Schoben die Schuld „den anderen“ in die Schuhe. Führten hitzige Diskussionen um Impfkampagnien, Scapegoating, übermüdetes Pflegepersonal oder lauschten der Oper vom Balkon. Um nicht zuletzt dann doch mit der Gewissheit leben zu müssen, dass wir alle irgendwann einmal sterben müssen. Dass es einigen meiner „Freunden“ dann doch dermaßen egal war, wie ich mich gefühlt habe und ob ich nicht doch vielleicht zwischendurch daran verstorben war, ist mir inzwischen schleierhaft. Zwar bin ich bisher Coronaresistent, nur zweimal geimpft und trotzdem umtriebig gewesen, jedoch fehlte mir die vielbesungene Solidariät bis heute.

Bullshit Intolerance

Mich hatte es bisher nicht erwischt, dafür ist bei mir die Intoleranz gegen den Bullshit aus meinem direkten Umfeld etwas größer geworden. Letztes Jahr noch habe ich versucht an die Vernunft, Solidarität und nicht zuletzt einen kritischen Umgang mit Medien, Medizin und Pharmazie zu appellieren, doch wie immer weiß es das Subjekt besser als das Objekt. Oder war es am Ende doch anders herum? Nun jedoch steht der Herbst bevor und die Ampel appelliert mal wieder, nun ja worauf denn? Eigenverantwortung und unsere grenzenlose Solidarität, die zu noch mehr Egomanie geführt hat?

Maske und Impfung V(III?), aber bitte weiter alle*s und jede*n auf Distanz halten? Wenn das eine Lösung ist, hab ich ausnahmsweise mal alles richtig gemacht und die mir verbliebene Zeit vor meinem Screen und hinter den Kulissen verbracht. In der ersten Welle habe ich noch nicht mal getrunken. Nur ein bisschen k, e und Weed haben mir den Sommer verschönert, aber nicht ohne zumindest bei mir offensichtliche Fragen zu dem Überkonsum der Gesellschaft offen zu legen. But hey, heaven or hell is just a fine line and what you actually make out of it…

Le Grand Saint Michel, by Raffaello Sanzio

Die Schwurbler*Innen im eigenen Umfeld.

Auch das ist für mich mental kein Problem, denn nachdem ich dieses Jahr nun schon mehrfach von vermeintlich besser wissenden „Mediziner*Innen“ wieder mal darüber belehrt wurde, dass mein System fehlerhaft wäre, war es am Ende meine Virologin, die mich auf Spur brachte. Der springende Punkt liegt also tiefer. Isolation mag bei den einen Langeweile und Überdruss haben. Wieder andere begeben sich auf promethische Höhenflüge und wundern sich dann über Bruchlandungen. Oder sind erstaunt, dass ihnen die längsten Freundschaften verloren gehen. Wieder andere versuchen einfach nur weiter für die Würde des Menschen an sich zu kämpfen, gegen die Cancel Culture und für ein respektvolles Miteinander. Als die ganze Familie trotz mahnender Worte schließlich an den Festtagen frisch aus der Quarantäne entlassen wurde, hatte es mich schließlich auch nicht interessiert und ich verkniff mir sogar das „I told you so“.

Smash the Patriarchy! But, wait… is that a kniw in my back?

The Phantom Horseman,1870-93 by Sir John Gilbert (d.1897)

Doch why muss ich plötzlich als Sündenbock herhalten, für all das was in diesem Land schief läuft? Ich für meinen Teil habe zumindest in einer Freundschaft erfahren, wie hart und grausam Menschen sein können, weil ihnen eine andere Meinung nicht passt. Und erst recht wie blind manche gegenüber dem Trauma, der Diskriminierung und der Erfahrungen einer anderen Person sein können, wenn es darum geht um jeden Preis Recht zu behalten. Da schenken sich binäre Erfahrungsträger nicht viel.

Im Gegenteil, sie nutzen auch noch jede Gelegenheit das eigene Trauma auf Kosten von Menschen auszutragen, die noch mehr gelitten haben. Da konnte ich mich ausgerechnet über meinen longterm Lover glücklich schätzen, der mir auch in meinen verquersten Momenten zuhörte und bei dem ich zu meiner finalen Perspektive der Dinge stehen konnte. So schön träumen sein mag, aufzuwachen dauert manchmal länger und kann mitunter schmerzhaft sein.

Bullshit Bingo Part One: Left or right, hmm?

Es dauerte Jahre meine eigene Familie auf eine gewisse Distanz zu bringen um endlich genügend Atmosphäre zum Atmen zu bekommen. Doch stimmt es mich wie immer traurig, dass ich diese Menschen – die dann noch letzten Herbst mehr aus Versehen als aus Verstand heraus rechts wählten – endgültig gehen lassen muss. Zugegeben ich wurde in dieser ganzen Freundschaft eines besseren belehrt, jedoch ich weiß schließlich wo ich rechts und links verorten darf und bin mir meines durchweg “weißen” Erscheinungsbildes und dessen Privligeien bewusst.

Doch die vielen Respektlosigkeiten als queere Person zu ertragen und herunter dann auch noch vom eigenen Umfeld im Namen der “Liebe” entwürdigt zu werden, empfand ich als dreist und schlichtweg dumm von dieser Person. Dabei halte ich mich mit Einschätzungen zum Intellekt anderer Menschen zurück, da auch ich nicht völlig unfehlbar bin. In dieser speziellen Situation, ist es eine jahrelange Freundschaft, die ich nicht aus Verstand oder Vernunft heraus zu erklären oder beschreiben wage.

“everyone is equally a master and a slave.“

Bodega – How Did This Happen !?

Ein Ende, welches mich mehr schmerzte als ihre vermeintliche Basis, die sich als „Liebe“ tarnte. Dabei lieh ich ihr mehr als nur meinem Blick, meine Gedanken oder meine Einschätzung zu dem was ich unter Kunst, Kultur und dem Weltgeschehen verstand. Ich war konstant verfügbar, ihr emotionaler Mülleimer und nicht zuletzt Prügelknabe für noch mehr falschen und schlicht weg undurchdachten Bullshit. Gegen diese Art der subtilen Grausamkeiten, offenen Demütigungen und Neid kannte ich nur ein Mittel: Vergebung und Abschied.

Bullshit Bingo Part II: Off with his head!

Lucas Cranach’s Judith with the Head of Holofernes (1530) famous painting. Original from The MET Museum. Digitally enhanced by rawpixel.

Bisher traf dieser ethische Sieg im Kleinen auch immer zu. Allgemein wenn sich die Stimmung, die Zuneigung oder politische Konsens änderte und ich aufgrund meiner diplomatischen Fähigkeiten befragt wurde. Im besonderen jedoch in Kriegszeiten, wenn die Hitze und die Stimmung meinen Umfeld die letzten Sicherungen durchbrennen lässt. Ich für meinen Teil habe keine Lust mir vorwerfen zu lassen ich wäre faul oder nichts mehr wert in einer Gesellschaft und ihrer neuen Regierung, die wie bereits die alte nur neuen Müll produziert.

Sollte das Gas also bald ausgehen, dürften auch die Fuel Heads auf dem Land und in der Stadt nicht mehr den Unterscheid zwischen Rechts und Links erkennen. So sehr ich mich an diese Stelle klagend auf die Seite der frommen Judiths schlage, um diesen Krieg zu beenden, weiß ich auch über die operettenhaften Zustände auf den anderen Seiten des politischen Spektrums. Je mehr wir uns also weiter radikalisieren, umso schlimmer werden die Folgen für uns als Gesellschaft und wohl ausnahmsweise auch als Nation mit einer Pluralität an Nationalitäten, Diversitäten und Meinungen sein. Das möchte ich mir angesichts der Putinschen “Hitlerei” und die manch anderer wirklich nicht vorstellen, egal ob aus Ost oder West her gedacht.

What about ‘Isms.

Wie sich in diesem Fall, jedoch der Durchschnitt der Bevölkerung fühlen wird, möchte ich an dieser Stelle offen lassen. Vor allen, wenn die einen bei so viel eigener Verantwortung und eingeforderter Selbstbestimmung wieder durchdrehen oder die Hypochondrie, Schwurblerei bei dem aktuellen Polit-Bullshit Bingo wieder so richtig an Fahrt gewinnen.

Ich jedenfalls werde die Festtage zum Ende des Jahres zumindest gedanklich mit meinem Hund auf einer einsamen Insel mit jeder Menge Bücher verbringen und manche Menschen endgültig aus meinem Leben streichen müssen. Zu oft haben sie mir die Kehle durchschneiden wollen, das Rückgrad oder zumindest meinen Spirit brechen wollen. In diesem Sinne bleiben Sie mental gesund, behandeln Sie ihre Freunde und Mitbürger*Innen mit Respekt und vor allen bezahlen Sie ihre Mitarbeiter*Innen einfach ein bisschen besser.

Sollte die langweile wieder plagen, kann ich Amartya Sen: Elemente einer Theorie der Menschenrechte empfehlen. Zwischen den Zeilen finden sich die Antworten, wie es inklusiver und imersiver geht ohne das eigene ego zu groß werden zu lassen.

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