Acht Jahre nach diesem historischen Zitat der designierten Kanzlerin, kann ich nur müde dem Techniker erklären wie wichtig das Internet für mein täglich Brot ist. Eine Odyssee über dem mühsamen Fortschritt der deutschen Digitalisierung.

Inzwischen sind es 16 Minuten meiner Arbeitszeit, die ich damit verbringe auf die Lösung für eines dieser Problem zu erwarten. Probleme die regelmäßig auftreten. Doch wie meistens vergebens. Was zur Hölle ist daran nicht zu verstehen, dass die Deutschen inzwischen nicht mehr Weltmeister in der Organisation komplexer Dinge sind?

Wieder einmal hänge ich in der Warteschleife bei 1&1.

Die vertraglich vorgesehene 50 MB Leitung bringt nämlich nur selten den Speed, den ich mit fast 40 Euro monatlich bezahle. Am Telefon wird mir dann in Minute zwanzig erklärt, dass bis 75% Prozent Ausfall noch kein Grund sind, eine außerordentliche Kündigung auszusprechen. Anschließend wird mir erklärt, dass ich zurück gerufen werde, da der Techniker nicht in der Lage sei eine Messung durchzuführen. Im Umkehrschluss bedeutet dies wieder eine Woche Ausfall. Den muss ich aber trotzdem bezahlen.

Der Track hängt seit Minuten und der Zeitartikel über den Abgang der CDU/CSU lädt auch nach fünf Minuten nur ohne Bilder. Von dem Video in dem Artikel bleibt lediglich ein dunkel graues Feld mit einem übergroßen x-Button in der Mitte. Ironischerweise behaupten doch die Impfgegner in diesen Tagen, das soziale Leben, sowie die Teilnahme am Internet sei nur noch mit den 2G’s möglich?

Doch selbst als einer der 2G’s ist dies wohl ein weiterer Trugschluss. Ähnlich der tatsächliche Geschwindigkeit meines DSL Vertrages. Doch woher kommt dieses Dauerdillema der Digital Natives? Ich erinnere mich noch gut, dass mein damaliger Mobilfunkvertrag bereits mehr MB’s hatte, als die gute alte Fritz!Box in der Küche meiner Eltern. 2012 mit dem Umzug nach Berlin, hoffte ich diesem Problem endgültig entkommen zu sein.

Doch auch hier Fehlanzeige.

In den Bildungsinstitutionen, die ich aktuell durchlaufe ist die Geschwindigkeit des Netzes auch nur geringfügig schneller, als in meinem Altbau in Tempelhof. Mit jeder Minute in der Warteschleife meines Anbieters wächst allerdings auch die Wut auf eine Regierung. Eine 16 Jahre andauernde, die dafür sorgte, dass mit jeder Rechnung die nicht eingezogen werden konnte, immer mehr Inkassoschreiben der Firma Creditreform Koblenz Brodmerkel KG eintrudeln. Für einen Anschluss der selten in voller Geschwindigkeit zu meinem tatsächlichen Broterwerb beiträgt. Während in Deutschland ein*e Selbständige*r rechtlich nicht einmal die verlorene Arbeitszeit einklagen darf, wird bei jedem Verzug gleich eine maschinell erstellte Rechnung präsentiert, die oben drauf noch zusätzlich das 1,3-fache der Hauptforderung beinhalten darf.

Dabei stellt sich mir die Frage, wer denn von diesem schlecht ausgebauten Netz am meisten profitiert? Die Kund*innen sicher nicht, die Anbieter garantiert aber umso mehr. Denn wenn juristisch ein Ausfall von 75% noch gerechtfertigt ist, warum sollten die Konzerne überhaupt an der Geschwindigkeit der Bearbeitung oder dem Ausbau ihres Netzes arbeiten? Es könnte an der Box liegen, meint der Techniker, nicht ohne direkt wieder ein kostenpflichtiges Angebot zu machen. Entweder die Kosten einer Vertragsverlängerung oder die eines neues Geräts. It’s your choice.

Doch liebe Internetanbieter und in dem Fall liebe Politiker*innen…

Wollt ihr Deutschland denn überhaupt modernisieren beziehungsweise digitalisieren? Selbst die kleinsten Nachbarländer überholen uns drastisch in Sachen Internet, während wir einen Schritt zurück in die DDR machen und mit Staatstrojanern spielen. Aber wie soll das bitte funktionieren, wenn das Internet in regelmäßigen Abständen gedrosselt ist oder erst gar nicht funktioniert?

Sicher werden die Ampelsondierungen das Thema Digitalisierung fürsorglich behandeln, aber schaffen wir es endlich über die 16MB hinaus, welche an die frühen 2000er erinnern. Damals konnte nicht gleichzeitig telefoniert werden, ohne direkt aus dem Internet geworfen zu werden. Zudem hatte ich damals immer das Gefühl, dass meine bloße Assoziationskette in diesen Momenten schneller abläuft als der Rechner, während die Show geladen wird.

Gut acht Jahre hatte es gedauert, bis das „weiter so“ auch den eingefleischtesten Konservativen nicht mehr als Ausrede für den langsamen Fortschritt des Unaufhaltbaren ausgereicht hat. Hoffentlich wird es mit der Regierungsbildung nicht so lange dauern, wie mit der Digitalisierung Deutschlands.

Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief / AD

2 thoughts on “ #BTW21: War da nicht was mit Digitalize? ”

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