Liebe Leser*innen, heute habe ich die Ehre euch ein tolles Buch der Aktivistin und Autorin Melodie Michelberger vorstellen. „Body Politics“ ist hierbei ein schöner und autobiografischer Leitfaden, welcher mit gängigen Klischees rund um dick_fett gelesene Menschen aufräumt. Da es unser Auftrag ist, vermehrt auch alternative Themen und die damit verbundenen Lektüre vorstellen, machte es mir besonderen Spaß das Buch zu lesen. Auf 217 Seiten beschreibt Melodie ihren Weg durch die Modebranche, welche bis zum heutigen Tag besonders großen Anteil an der internationalen Diskriminierung leistet. Mit messerscharfer Kritik und einer gehörigen Prise Eigenhumors rechnet sie dabei mit den gängigen Vorurteilen ab, die fülligen Menschen aus einer fettphoben Gesellschaft entgegen gebracht werden.

Besonders spannend an „Body Politics“ für mich persönlich ist der Gedanke des inklusiven Feminismus, welcher ausnahmslos alle Menschen und ihre Diskriminierungserfahrungen gleichermaßen mit einbezieht. Spannend wird es vor allem in den Kapiteln des Buches, welche die Beziehung der Werbung und den dahinterstehenden Industrien in Kontext setzen. So beschreibt Melodie auch die gefährliche mentale Manipulation bestimmter Brachen, die bewusst mit der Gesundheit der Verbraucher spielen um Profite zu generieren. Angefangen von den Moderedaktionen, über die Fitnessindustrie bis hin zur Lebensmittel- und Diätindustrie lässt sie dabei niemanden aus und führt eindrücklich vor, welchem gesellschaftlichen Druck wir durch die gängigen Beautystandards ausgesetzt sind.

CR Images | Julia Marie Werner

In der Diätkultur gilt der fettphobe Mythos, dass in jedem Menschen ein dünner Mensch steckt. Dass die Ursprungsfrom die natürliche Figur jeder Person, immer die schlanke ist, weswegen die dicke zwangsläufig eine Absonderlichkeit sein muss. (…) Bei dick_fett gelesenen Menschen gehen viele davon aus, dass man den gesundheitlichen Zustand am Äußeren erkennen kann. BodyMary sagt es gut in ihrem Interview (…): << Adipositas ist eine Blickdiagnose.>>

Melodie Michelberger

Unterstützt wird Melodie Michelberger dabei auch von anderen Aktivist*innen, welche sich in ungeschönten und ehrlichen Interviews zu Wort melden und mit ihrem sachlichen Wissen neue Eindrücke in die Psychologie einer „genormten Gesellschaft“ geben. „Body Politics“ ist dabei kein Selbsthilfebuch oder gar bloße Biografie, sondern vielmehr ein buntes und farbenfrohes Beispiel für ein tolerantes und liebevolles Miteinander ohne Vorurteile. Fazit: Obwohl ich selbst keine Diskriminierung in dieser Art erlebt habe, erkannte ich mich doch an einigen Stellen wieder. Sei es nun der von Melodie beschriebene Druck zum Thema „Wie esse ich richtig?“ (s.104ff) oder der systematische Leistungsdruck bei sportlicher Betätigung unter „Wie mache ich Sport“ (S. 89ff), aber auch in den von ihr beschriebenen Folgeerscheinungen einer Essstörung in Kapitel „Wir waren uns so fremd“ (S.63ff). Viel gelernt habe ich allerdings an den Stellen, an denen Melodie von ihren Ängsten schrieb. So beschreibt sie vor allem auch die Ängste vieler junger Menschen, aufgrund des alternativen Aussehens nicht Teil einer Community sein zu dürfen, da diese ihre eigenen Standards zur Norm deklariert. In diesem Sinne: Lesen und die eigenen Vorurteile abbauen.

Melodie liest übrigens jeden Sonntag aus ihrem Buch „Body Politics“ vor. Mehr Infos hierzu auf ihrer Instagrampage. Erschienen ist das Buch im TeNeues Verlag, ca. 18 Euro.

Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief / AD

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