,

Yana Ross am Berliner Ensemble

Mit dem Invasionskrieg durch Russland in der Ukraine bekommt der Konflikt im Berliner Ensemble eine Neuausleuchtung durch Yana Ross.


Anton Tschechow – Iwanow

Aktuell probt die litauisch-amerikanische Regisseurin Yana Ross am Berliner Ensemble. Nächste Woche hat ihre Version von TschechowsIwanow” Premiere im Großen Haus. Ross macht meist nur zwei Inszenierungen im Jahr: Sie bereitet diese immer sehr akribisch vor, arbeitet intensiv mit dem Ensemble und – wenn sie ältere Texte inszeniert – überschreibt in einem gemeinsamen Prozess die historischen Textvorlagen. Es wird jedenfalls interessant, wenn sie jetzt – nach einer Zeit am Züricher Schauspielhaus – in Berlin inszeniert und auch in den kommenden Spielzeiten hier am Schiffbauerdamm arbeiten wird.

Auf dem Hochstuhl und im Gartensessel, die Schauspieler*innen von Iwanow auf dem Tennis Court
Vorabfoto: “Iwanow” frei nach Anton Tschechow, Regie/Bearbeitung: Yana Ross

Das erste Drama des russischen Autors und Dramatikers Anton Tschechow (1860–1904) spielt inmitten einer vergnügungshungrigen Gesellschaft, in die Iwanow flieht, um sich selbst nicht ertragen zu müssen. Die litauisch-amerikanische Regisseurin Yana Ross ist große Kennerin und Verehrerin von Tschechows Werk. Es gehört zu ihren Arbeitsmethoden, kanonische Texte feinsinnig mit gegenwärtigen Diskursen und mit den Geschichten ihres Ensembles zu verweben und zu überschreiben.

Zwischen Tabus und Salonfähiger Kritik

Als Russland im Februar 2022 den Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, demonstrierte Ross in einer Solo-Aktion mehrere Tage in Zürich gegen die außen- und wirtschaftspolitische Unentschlossenheit der Schweiz. Ihre engagierte Gesellschaftskritik prägt auch die Art, wie sie Tschechows Werke reinterpretiert: Sie interessiert sich für die Doppelmoral, schärft den Blick für die feine Grenze zwischen Tabu und Salonfähigkeit. Sie beleuchtet Mechanismen der Ausgrenzung, aber auch die zerbrochenen Träume …

Sie verbindet eine besondere Liebe mit Tschechow und hat in den letzten Jahren “Onkel Wanja” in Schweden, “Die Möwe” in Island, “Drei Schwestern” in Litauen und “Der Kirschgarten” in der Schweiz inszeniert. Am 21. Januar hat nun ihre Iwanow-Version Premiere am Berliner Ensemble. Ihre Bearbeitung versetzt die Handlung in die Gegenwart Deutschlands und erfindet Tschechows Figuren neu für unsere Zeit – und bleibt ihnen doch treu. Ross spricht Russisch und liest ihn im Original.

Das Paar eng umschlungen und fotografiert bzw. beobachtet von der umgebenden High Society
Vorabfoto: “Iwanow” frei nach Anton Tschechow, Regie/Bearbeitung: Yana Ross

Als Kind einer ukrainisch-polnisch-jüdischen Familie wuchs sie im Baltikum auf, lebte lange in den USA, zuletzt in der Schweiz und ist heute in Litauen zuhause. Diese wechselnde Perspektive zusammen mit ihrer Methode der Überschreibung von Klassikern ermöglichte ihr, in ihren Arbeiten immer wieder einen scharfen Blick auf die jeweilige Gesellschaft zu werfen.

PROBENPUBLIKUM ZU IWANOW

Frei nach Anton Tschechov

Wer möchte gerne bei einer offenen Probe zuschauen kommen und mehr über den Entstehungsprozess der neuen Inszenierung Iwanow erfahren? Yana Ross probt dieses Drama momentan mit unserem Ensemble für das Große Haus. Am 21.1.2023 ist Premiere und für die zweite Hauptprobe sowie die Generalprobe wird spontan noch Probenpublikum gesucht! Für das Produktionsteam ist es interessant, eure Reaktionen mitzubekommen und ggf. danach in den Austausch zu kommen.

AM DO, 19.1. Hauptprobe 2:

17.30-18.00 Einführung
ab 18.00 Probenbesuch (Nach aktuellem Stand wird die Probe etwa 2,5 Stunden dauern.)

AM FR, 20.1. Generalprobe:

11.30-12.00 Einführung
ab 12.00 Probenbesuch (Nach aktuellem Stand wird die Probe etwa 2,5 Stunden dauern.)

Anmeldungen per Mail an: einblicke@berliner-ensemble.de. Die Teilnehmer:innenzahl ist begrenzt – ihr bekommt zeitnah eine Rückmeldung. Hinweis: Für die Generalprobe gibt es mehr Plätze!

Via Berliner Esemble, Oliver Reese – Intendant