Mit dem Beginn des Sonntages wollte ich noch ein paar Dinge von meiner Seele schaffen und schrieb den beiden nochmals. Allerdings hatte ich nicht das Gefühl, das sonderlich viel Menschlichkeit zwischen uns bestand im Moment. Auch wenn ich wusste, dass bei beiden sehr viele Drogen involviert waren, trieb mich eine leise Hoffnung auf den menschlichen Kern der beiden zu stoßen. Der Summer of Love, hatte sich zu einem Summer of Lust und gewissermaßen auch der Unlust entwickelt. Zwar konnte ich immer noch nicht genug von gewissen BDSM Spielereien bekommen, allerdings hatte ich bei der aktuellen Situation wenig Hoffnung auf einen Fortgang unseres Triangles. Jedoch wollte ich mich auch von allen Vorurteilen befreien und den beiden eine ehrliche zweite Chance geben, um einen runderen Eindruck zu gewinnen. Aber zu einer Versöhnung dieser Art, gehörten noch zwei andere Parteien und so widmete ich mich erst einmal den Menschen zu, die ich in der letzten Zeit etwas vernachlässigt hatte und ließ der Sache ihren Lauf. But(t) first things first…

Der Terminplan für die nächste Woche stand also und ich konnte mich in Ruhe auf meinen Ausflug an den Teufelssee vorbereiten. Dort angekommen, grübelte ich noch immer über den vergangenen Monat. Was war aus all den großen Prinzipien und der inklusiven LGBTQI+ Community geworden? Klar hatten wir alle den Monat über gefeiert, es waren ja schließlich die heißesten Tage bisher. Doch am Ende waren wir keine guten Rolemodels für alle die uns nachfolgten. Why? Weil wir selbst voller Vorurteile gegenüber uns und anderen stecken und am Ende des Abends nach unseren Lines suchend – dabei die eigenen Unsicherheiten kaschierend – die Party aufrecht erhielten. Oftmals um jeden erdenklichen Preis. Ich verließ den trüben Anblick nachdem ich mir die letzten Sonnenstrahlen ansah, welche ein Farbenspiel in Rot und Orangetönen auf die Wolken zeichneten. Ignorance is a bliss as they say…

Zuhause angekommen, meldete sich Moritz wieder. Die CDU suchte wohl händeringend nach Wählerstimmen, denn er wollte direkt im Dunkeln an meinem besten Teil nuckeln. Irgendwie süß, dass gewisse Dinge sich einfach nie ändern. Begehren war ja aus christlicher Sicht nur in Ordnung, solange es versteckt und kaschiert im Dunkeln ablief. Das kurze Date am Kanal roch dementsprechend auch etwas schal und zudem massiv nach Farbverdünnung. Zumal wohl auch, da ich mir nicht wirklich vorstellen konnte, wie ich mit einem Parteitreuen CDU Kassenprüfer meinen Spaß haben sollte? Honestly, the CDU sucks really badly…

Goodbye To The Age Of Innocence

Am Dienstag tat ich meinen Dienst an der Gesellschaft und versuchte mich wieder auf das Wesentliche zu beschränken. Mit wenig Erfolg allerdings, denn weder schaffte ich es eine neue Couch zu organisieren – meine alte stammte noch aus meiner ersten Beziehung und wurde eine Woche zuvor von mir und Mr. Finnland zum Fenster hinaus korpuliert – noch konnte ich mich weiterem Drama entzeihen. Dafür hatte ich einen halb romantischen Ausflug mit Max nach Reinickendorf und gemeinsamen Lunch mit ihm auf dem Rewe Parkplatz. Seltsamer konnte mein Leben also gerade nicht werden? Doch hierbei irrte ich mich gewaltig. Als ich aus Max’s Caprio ausstieg schien es mir für einen Moment, dass er mich küssen wollte, ich aber währenddessen bereits halb aus dem Auto gesprungen war. Dabei kannte wir uns seit dem die Deutschen das letzte Mal Weltmeister wurden und wir das Spiel eben auf besagter Couch verbrachten. Nur eben anderweitig beschäftigt. Was war plötzlich los mit meiner Vorliebe für Abschiedsküsse? But that was not the last weird kiss godbye this week…

To you, my heart cries out Perfidia
For I found you, the love my life
In somebody else’s arms

Perfidia, Phyllis Dillion

Kurz darauf entschied ich mich dafür Roderyk zu konfrontieren, da Max mich praktisch vor seiner Haustüre abgesetzt und wir uns zuvor lange über die Dynamiken eines Triangels unterhielten. Dort angekommen, trafen wir uns in einem Café um zu reden. Nicht einmal eine Viertelstunde später saßen wir zusammen und alles schien beim alten, wenn nicht sogar besser. Der Nachmittag verlief sich, ich entschuldigte mich und er sich auch, zum ersten Mal seinerseits wohl bemerkt. Wir sprachen über Sex, die Beziehung der beiden und darüber, wie sich viele von uns durch den schnell verfügbaren Sex in der schwulen Community vor der eigenen Realität flüchteten. Am Ende des Abends hatte ich zumindest das Gefühl ihm auf menschlicher Ebene begegnet zu sein. Auch wenn sich sicher wenig an meiner Meinung zu Beziehungen dieser Art geändert hatte, konnte ich mir zumindest vorstellen ein gern gesehener Gaststar zu sein. Nicht der Drogen oder des Exzesses wegen, eher wegen der Tatsache, dass der Sex mit den beiden zumindest für mich ein paar Gefühle und auch Spaß involviert hatten. Doch es schien wie ein stylischer kiss and fly, denn ich in kürzester Zeit hatte ich mich in die beiden ver- und auch wieder entliebt. Spätestens als er zugab, dass sie meistens aneinander vorbei lebten, sah ich mich in meinem Alptraumszenario bestätigt.

Doch Drogen veränderten nicht nur die Wahrnehmung oder das Bewusstsein, sie veränderten auch den Geist. Die Männer, die keine nahmen schienen einen Knacks zu haben und die Männer, die zu viel davon konsumierten wurden emotional sichtlich abgestumpfter. So langsam fragte ich mich, ob es irgendwas dazwischen gab? Oder nur die einen oder eben die anderen. Why gab es nur Chemsex ohne Liebe oder Liebe ohne Sex? Bisher hatte ich als schwules und durchaus funktionierendes Beziehungsmodell, nur diese beiden Varianten vorgefunden. Ausnahmslos.

If you love someone, set them free. If they come back they’re yours; if they don’t they never were.

Richard Bach

Für mich funktionierte das nie. Eine der größten Horrorvorstellungen die ich haben konnte, war es in solchen Beziehungsformen zu stecken. Wenn nur etwas ging, sobald Drogen involviert waren oder gar nichts mehr, aber die Beziehung von einer dritten Person am Laufen gehalten werden musste. Don’t get me wrong. Ich selbst war nie Verfechter der Monogamie, aber die Vorstellung aneinander vorbei zu leben vermochte mir nichts glamouröses oder gar amouröses mehr auszustrahlen. Und da folgte auch schon eine E-Mail meines Ex-Freundes Greg, mit der herzzerreißenden Bitte nach Geld…

Ex Files, XL and Extra Drama

Dem nicht genug, war ich am Donnerstag mit meinem Ex-Freund aus dem letzten Jahr zu einem Hundespaziergang verabredet. Natürlich kamen wir auf dem Weg nach Neukölln auf den letzten Metern des Flugfeldes in den Regen. Ein Zeichen? Garantiert. Seltsamerweise sprachen wir jedoch zuerst bei einem Kaffee und danach beim Matratzenkauf über alles, was und bewegte und was in unseren Augen das letzte Jahr über schief gelaufen war. Wir endeten sogar auf dem Hundespielplatz, diesmal in der Hasenheide, das Feuer loderte nochmals auf und die Sonne schien uns auf unser Gesichter als wir über Sex sprachen. Doch spätestens beim Dinner, zu dem er mich eingeladen hatte, wurde ich wieder daran erinnert, was mich letztes Jahr schier in den Wahnsinn getrieben hatte: seine toxische Männlichkeit und die Unfähigkeit sich an seine eigenen Wortlaute zu erinnern.

Wie sich am Freitag Abend herausstellen sollte, gab es wohl nichts mehr bezüglich der Ménage-à-trois zu besprechen. Denn ich erhielt zwar eine kurze Messages nach der Frage wie die Stimmung sei, aber keine inhaltliche Antwort. Für mich war es nun hochoffiziell vorbei und ich fühlte mich seltsam befreit von dem emotionalen Müll der beiden und ihren Dramen aus der High Society. Vorsorglich hatte ich mir nichts weiter nennenswertes für diesen Abend vorgenommen. Doch auch der Rest der Szene schien sich nicht über meine Vorschläge und das damit verbundene Abendprogramm entscheiden zu können. Ich musste also allein sein, um mich selbst nicht zu verlieren in zahllosen Dickpicks, Ex-Freunden und der offensichtlich größer werdenden Oberflächlichkeit der Berliner Gay Scene, die zwischen Konsum und Ritual nicht mehr zu unterscheiden vermochte.

Das Casting war jedenfalls für diesen Abend beendet und ich verspürte den Drang meinen eigenen Dingen nachzugehen, ohne die Angst etwas zu verpassen oder meinen Frust an anderen auszulassen. Darauf hin meldete sich Lior, mit dem üblichen Worten. Auch der spontane Chat mit Tareq verlief sich im Sande, da ich keine Lust hatte schon wieder high and dry den Abend zu verbringen. Allein der Gedanke ließ mich jeglichen Sex Drive verlieren, da ich genau wusste, dass ich ab einem gewissen Zeitpunk nicht mehr ausreichen würde, für die Vorstellungen der Single Gays, die unter der Woche einem heteronormativen Leben nachgingen und sich am Wochenende in Orgien den emotionalen Rest gaben und so ihren Frust abbauten.

Nach diesen sozialen Experiment war ich zwar um einige Erfahrungen reicher aber um meine Finanzen stand es denkbar schlecht. Der Druck dieser leistungs- und schwanzgetriebenen Gay Community angehören zu wollen wirkte sich nicht nur auf meine Psyche sondern auch auf meinen Geldbeutel aus. Der Traum dieser glamourösen und mit lachenden Menschen gefüllten Blase, platzte wohl auch an der Idee, dass ich als Single auf intellektueller Ebene irgendwo Anklang zu finden versuchte. Über die Jahre hinweg war es bisher immer so abgelaufen. Solange es finanziell möglich war an diesem ausschweifenden Lebensstil teilnehmen konnte, war ich auch willkommen Sobald ich allerdings mein Hirn einschaltete und mich wieder auf meine emotionalen und intellektuellen Bedürfnisse versah, war ich auch schon bankrott – psychisch wie physisch. War ich mit meiner webilichen Art, die sich meist unbemerkt einschlich einfach nicht schwul genug für die Community?

Nicht zu vergessen, dass ich es bereits aufgegeben hatte, diesen Sommer noch als „Summer of Love“ zu betrachten. Meine Erfahrungen hatten mich inzwischen etwas anderes gelehrt. Auch, dass ich wohl immer noch Liebe und Sex miteinander verwechselnd auf der Suche nach etwas besonderem war, rüttelte nicht an der Tatsache, dass ich mich zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte und mich wieder einmal nur den Statist in meinem eigenen Leben mimen sah. Immerhin wusste ich nach all diesen Experimenten was ich wollte, nur schien Berlin der denkbar schlechteste Ort um dies zu finden.

But Than I Had Another Vision For Saturday…

So langsam sah ich ein, dass es nichts dazwischen gab. Nur das eine oder das andere Extrem. Oder eben das dritte Date, mit Goonight Kiss aber ohne Sex. Ein neues Extrem hatte sich hier eingeschlichen. Jedenfalls verbrachte ich den ganzen restlichen Abend und die Nacht mit Danny, aber ohne dass wir miteinander schliefen. Zuvor ging ich allerdings in meinem Kleinen Schwarzen, einem ärmellosen Jumpsuit aus, um mich mit Sid zum indischen Dinner zu treffen. Sowohl oberflächlich, wie auch inhaltlich schienen wir uns einig, dass wir uns irgendwie mochten und gewissermaßen auch anzogen. Zwei Wochen zuvor hatte ich ihn auf offener Straße angestrahlt, als ich zu meiner Präventionsuntersuchung ging.

Meine Unsicherheit bestand jedoch eher darin, dass ich ihn größentechnisch Haushoch überragte; er wiederum sich aber mehr als gerne und fest zupackend meinen Armen und Beinen widmete, nachdem ich zuvor mein Essen selbstbezahlt hatte und er mich aber immerhin noch auf einen Drink eingeladen hatte. Sein Lächeln hatte mich fasziniert, auch saßen wir uns etwas schüchtern gegenüber, doch wollte beim Abschiedskuss der zündende Funke nicht so wirklich überspringen. But(t) why was it all about dick, ass, size and drugs?

Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief / AD

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