The Toilet Talk or the “shower party”

Zwischen der Church of Dancing und dem Opern Casting fand ich mich zu sonntäglichen #ff im Oxi’s ein. Definitiv ein Happening, dass mir Augen und Herz öffneten.


If (drag)kings and Drama queens meet for a Sunday afternoon Cocktail.

may contain product placements

Mit dem Ende der kritischen Phasen der Pandemie, erfindet sich auch die neue Berliner Party Kultur neu. Bereits vor Corona ging es Clubs stark um Freiheiten, Safe Spaces und diverse Möglichkeiten sich frei entfalten zu können. Für viele aus der LGBTQI+ Community sozusagen eine Form sozialer Therapie. Zudem sind diese Institutionen kultureller Freiraum und fester Bestandteil des Berliner Finanzhaushaltes.

Oh you’re the quiet one? 

Leider ist es dann doch ein Fehler gleich zweimal hinter einander dasselbe zu wollen. Wie ich hat die Szene in Teilen unter dem Lockdown gelitten und weitere sich innerhalb der Community ausbreitende Krankheiten, haben sich schlecht auf das Image ausgewirkt. Eine fragile Phase des Widerstands. Doch nicht so im #Oxi, welches sich um einen Kompromiss bemüht, sich klar gegen Ausgrenzung einsetzt und dafür sogar Ärger mit den Nachbarn riskiert.

Die Club culture ist angesichts der kriegerischen und der angespannten Cancel Culture in Deutschland, mehr als nur ein Zufluchtsort für Hedonisten, sondern bietet einen demokratischen Raum für soziales, tolerantes und ein liberales Miteinander. Zwischen den Disco, House, Trance Classics und Techno Sets sollte jede*r etwas für den individuellen Cocktail d’Amore gefunden haben und die ein oder andere Sorge auf dem Dance Floor weg getanzt haben.

Groups, greed and gentrification

Auch sichtbar: die fortschreitende Gentrifizierung und die Rückentwicklung der lokalen Kulturszene aufgrund der Pandemie, welche zu einer kollektiven Veränderung unserer gesellschaftlichen Wahrnehmung einer guten Party führte. Der Effekt gleicht einer mentalen Kollektivierung oder einem Bad Trip, jedoch mit höchst unterschiedlichen Ausprägungen auf individueller Ebene. Hierbei hatte ich es dieses Mal mit sehr individuellen Ausprägungen der allgemeinen „Coronalen Rekalibrierung“ zu tun, aber auch mit jeder Menge angestauter Aggression innerhalb der eigenen Community. Die Rückkehr des Wilhelminian Wariors? Hopefully not. 

Zwischen Studium und Selbstständigkeit habe ich während Corona übrigens überwiegend Kontakt gesucht. Nicht so in diesem Jahr, denn da standen enge Beziehungen im Vordergrund, die ich versucht habe aus mir heraus zu tanzen. Umso mehr habe ich mich über meine neuen aus recyceltem Materialien hergestellten und wasserfesten Schuhen von Keen gefreut, die perfekt mit meinen Classy Raver Look und zu dem Vintage Boss Sakko harmonierten.

Austerity, social anxiety, nationalism 

abstract light waves

Während auch die vorwiegend schwule und eher hetero-normiert gelesene Szene sich klare Vorteile durch Code Switching zieht, leiden #fem- und quer gelesene Members der Community im Kampf um soziale Gerechtigkeit oder Gleichberechtigung. Die Randgruppe innerhalb der Randgruppe, befindet sich auch 2022 leider immer noch am kürzeren Ende der kulturellen und sozialen Blockchain. Auch so manch Member of the Intelligenzia der Berliner Avantgarde ist hierbei nicht von der Sorge vor dem nächsten Fall aus der Hierarchie dieser Post-Corona Gesellschaft gefeit. Why wir um und nicht an diesen Orten kämpfen sollten, ist einer der großen Fragen die der Herbst vermutlich zeigen wird. 

But(t) hey, nobody is perfect. Right?

Während die Darkrooms der Clubs vor der allgemeinen Isolationshaft der hier lebenden marginalisierten Gruppen, besondere Orte für sozialen und kulturellen Austausch waren, so sind sie heute Orte des sozialen Experiments. In manchen Köpfen zumindest findet sich nach zwei Jahren Pandemie noch immer soziale Angst und vermehrt auch Vorurteile gegenüber der Entfaltung von Individualität in der eigenen Community. Ein heikles und schwer zu ignorierendes Faktum, welches für mich einen bitteren Tenor bildete am Wochenende. But(t) I came here for the drama… und das werden wir nur im kollektiven Exchange wirklich ernsthaft behandeln können.

queen’s gambit or the roman orgy?

Vielleicht sind die römischen Orgien ein Privileg der vergangenen, wilderen Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts und Bestandteil des Kampfes um die Freiheit des eigenen Körpers. Jedenfalls ist die Community im Oxi eine, die sich nach einem Sommer of Love erneut auf der Suche nach dem individuellen Room for any kind of mentality befindet und sich im Alltag mit neuen alternative realities konfrontiert sieht. Vor allem angesichts vermehrter #Isms in Europa und den gestiegenen Preisen, sind diese Freiräume der Kultur zu recht für diejenigen die diese Räume als Resonanzraum brauchen so hart umkämpft. Jedoch befinden wir uns auch auf einen Weg der sozialen Diplomatie und der sexuellen Liberation aus der Sterilität der Corona und gegen die aufkommenden Diktaturen, welche die europäische Demokratie bedrohen.  

socialize, liberate and feel the Air of love 

Über meine Party kann ich nur berichten, dass ich jeder Menge individueller Charaktere, Menschen mit einer schmerzerfüllten Geschichte und Freigeistern auf meiner Traumreise begegnet bin, die den Spirit einer Nobility im Geiste durch viele Nationalitäten, Konzepte und sogar in Form eines passablen Warhol Cameos repräsentierten. Trans-, Inter-, Non-binairy, BiPoC’s, Drags, Artists, Trans-People, die cute Boys und die Shamens der queeren Szene. Der Toillet Talk als Ort der Wahrheit hat im fortschreitenden Verlauf der Nacht für mich zumindest dazu beigetragen, die surreale und individuelle Situation der Community ein Stück weit besser zu verstehen und dem why we fight each other auf den Grund zu gehen. Und doch bleibt es schwer in diesen Tagen den kühlen Kopf zu behalten.

pink blooming flowers

Why where you so serious?

Allerdings bin ich selbst inzwischen das zweite Mal beim aufmerksamen und verantwortungsvollen Care Team des Oxi’s gelandet, um über die Problematik und Hintergründe der Kunst und Kultur Szene zu sprechen. Ob ich selbst über theory therapy nachdenken sollte, wage ich trotzdem zu bezweifeln. Magie ist was Mensch in diesen Nächten daraus macht. Vermutlich fehlte mir in dieser Nacht nur die Faustische Behandlung. But(t) next time i’ll be less dramatic about it, promised…

An dieser Stelle nochmal ein großes Lob an das Care Team des letzten Party aussprechen. In dieser speziellen Nacht war ich wohl doch etwas zu distant, um wirklich wahrhaftig anwesend gewesen zu sein. „I may not give a shit, but I do care a lot too!” und so freue ich mich darüber, dass ich meine Community guten Gewissens in diesen sphärischen Räumen des Oxi’s wandern lassen kannQueens on a dime sind übrigens ebenfalls sehr gut im Team der Kulturschaffenden rund um die Berliner Club Commission aufgehoben.

I might have been the scapegoat this time

red and blue spherical pattern

Bleibt zu hoffen, dass die Tendenzen weiterhin auf eine Berliner Glasnost und Perestroika Politik in der Club Szene hindeuten. Wir brauchen diese speziellen Räume und Sunday Ball Rooms, um die unzähligen, umtriebigen Kulturschaffenden weiter zu supporten und für eine inklusive und immersive Gesellschaft gegen Rechts einzustehen. Aber auch um wieder miteinander in Interaktion zu treten und anderen Empathie entgegen zu bringen. Ich für meinen Teil habe die prime Cocktail Hour in extended version jedenfalls als intellektuelles Highlight in dieser Woche verbucht und nicht unter einem tödlichen Party Vibe. Es lebe die #Revolution!