Staatsoper: Anna Netrebko in Macbeth

Anlässlich geplanter Engagements der russischen Opern Sängerin Anna Netrebko in Berlin, äußerst sich die Künstlerin zu ihrer politischen Position.

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Den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine verurteilt die Staatsoper Unter den Linden auf das Schärfste. Dieser Krieg gilt nicht nur einem Land, sondern der gesamten Kultur friedlichen Zusammenlebens weltweit. Die Staatsoper Unter den Linden hat sich seit Beginn des Krieges am 24. Februar 2022 unmissverständlich positioniert und ihre volle Solidarität für die Ukraine zum Ausdruck gebracht, u.a. durch das Konzert für Frieden in der Staatsoper Unter den Linden.

Zudem solidarisierte sich die Staatsoper Unter den Linden zugunsten humanitärer Hilfe für die Ukrainer:innen am 6. März 2022, durch die Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms „Oh, Sister!“, in Anwesenheit der ukrainischen Menschenrechtsaktivistin Oleksandra Matwijtschuk und des ukrainischen Botschafters, im Dezember 2022, durch die Sichtbarmachung unserer Solidarität mit den Farben der Ukraine und weiterer Zeichen.

Differenzierte Auseinandersetzung mit netrebko

Mit Anna Netrebko hat sich die Leitung der Staatsoper Unter den Linden seit Kriegsbeginn sehr differenziert auseinandergesetzt. Anfang März 2022 wurde mit Anna Netrebko einvernehmlich beschlossen, dass sie an der TURANDOT-Neuproduktion im Juni 2022 nicht mitwirkt und auch alle zukünftigen Engagements wurden auf den Prüfstand gestellt. Ohne eine deutliche Positionierung der Künstlerin war und wäre eine weitere Zusammenarbeit für die Staatsoper Unter den Linden nicht tragbar.

Am 30. März 2022 hat Anna Netrebko ihre Position, soweit es ihr möglich ist, öffentlich sehr deutlich artikuliert und sich von der Führung Russlands distanziert, die wir hiermit in Erinnerung rufen und zitieren:

„Ich verurteile den Krieg gegen die Ukraine ausdrücklich und meine Gedanken sind bei den Opfern dieses Krieges und ihren Familien. Meine Position ist klar. Ich bin weder Mitglied einer politischen Partei noch bin ich mit irgendeinem Führer Russlands verbunden. Ich erkenne und bedauere, dass meine Handlungen oder Aussagen in der Vergangenheit zum Teil falsch interpretiert werden konnten. Tatsächlich habe ich Präsident Putin in meinem ganzen Leben nur eine Handvoll Mal getroffen, vor allem im Rahmen von Verleihungen von Auszeichnungen für meine Kunst oder bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele.

Anna Netrebko

Da wir die Künstlerpersönlichkeit Anna Netrebko, die zweifelsohne eine der größten Stimmen unserer Zeit ist, sehr schätzen und uns mit ihr eine langjährige Partnerschaft verbindet, hatten wir angekündigt, dass wir mit ihr das Gespräch suchen werden. Dieses hat zwischen dem Intendanten, der Künstlerin und ihrem Management stattgefunden und der Intendant konnte sich ein persönliches Bild von der Authentizität ihre Angaben machen.

Keine Engagements in Russland

Ich habe ansonsten nie finanzielle Unterstützung von der russischen Regierung erhalten und lebe in Österreich, wo ich auch steuerlich ansässig bin. Ich liebe mein Heimatland Russland und strebe durch meine Kunst ausschließlich Frieden und Einigkeit an. Nach der angekündigten Auftrittspause werde ich meine Opern- und Konzertauftritte Ende Mai, zunächst in Europa, wieder aufnehmen.“

Anna Netrebko

Es ist wichtig hier differenziert vorzugehen und zwischen vor und nach dem Kriegsausbruch zu unterscheiden. Anna Netrebko hat seitdem keine Engagements in Russland angenommen und es wurde uns seitens ihres Managements bestätigt, dass es auch weiterhin keinerlei Vorhaben für Auftritte in Russland gibt. Sie hat sowohl durch ihr Statement als auch durch ihr Handeln seit Kriegsausbruch eine klare Position eingenommen und sich distanziert. Das gilt es anzuerkennen.

pro-ukrainische Position als Bühne

Bild von Bernd Uhlig

Darüber hinaus kennt Anna Netrebko unsere klar pro-ukrainische Position als Bühne. Unter diesen Umständen sollte man unseres Erachtens dieser Künstlerin eine Chance geben und sie auch dem Publikum nicht vorenthalten. Als Haus ist uns einerseits die volle Solidarität mit der Ukraine überaus wichtig, andererseits ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Künstler:innen.

Als Opernhaus bemühen wir uns mit all unseren Kräften darum in Dialog zu treten, Menschen im Erleben von Musik zu verbinden, nicht gegeneinander aufzuhetzen. Unsere Solidarität und unser Mitgefühl gelten in dieser Zeit uneingeschränkt allen Leidtragenden dieser Katastrophe.

Statement des Managements von Anna Netrebko

„Anna Netrebko looks forward to returning to the Staatsoper Berlin in a revival of a production of Macbeth that she premiered in 2018. She is grateful for the open dialogue that Intendant Matthias Schulz has had with her since early last year. In March 2022, for the first time, Anna Netrebko described her arm’s-length contacts with the Russian government and confirmed that she had never campaigned for it.

The evidence used against Anna Netrebko – the flag unexpectedly unfurled during an ad hoc photo op, the 50th birthday party at the State Kremlin Palace promoted by an outside producer, etc. – is circumstantial and yet often left unchallenged, while Anna Netrebko has gone on the record to explain these disparate incidents with verifiable proof. Since February 2022, Anna Netrebko’s statements, her two major press interviews, her actions and her management’s ongoing correction of disinformation in the media collectively represent a body of substantial evidence against the baseless allegations directed at her.

They establish that Anna Netrebko does not have a relationship with the Russian government nor any connection with the tragic war in Ukraine. Certain people have made unsuccessful attempts to assign different roles to Anna Netrebko, but there is in fact only one that truly fits: that of a singer. Which is what she looks forward to doing for the audiences in Berlin next month.“


Editors Note: Dieses Statement wurde via Staatsoper Unter den Linden beigetragen und soll zu einer differenzierten Darstellung der Künstlerin, sowie zur Konfliktlösung beitragen und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung des B'SPOQUE magazines, oder der unsere:r Redakteur:innen. Die Redaktion stellt sich ebenfalls eindrücklich gegen den russischen Angriff auf die Ukraine und solidarisiert sich mit den Bürger:innen der Ukraine, sowie dem Kampf für demokratische Grundrechte und -werte.
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