Standesgemäß zum Vogue (und Berliner) Salon, befand sich die Party, wie üblich vor der Party. Die Fashiontech wiederum inspirierte und ernüchterte zugleich – ein kurzes Follow-Up zur Berliner Modeszene – wie immer von der hintersten Bank. 

Collection: Regina Weber (Pacco Rabanne)

Üblicherweise für den Vogue Zirkel, trennte sich in der deutschen Modeszene – auch dieses Jahr wieder – vor all jenen Türen die Spreu vom Weizen. Unter den Gästen befanden sich wie üblich, neben der alteingesessenen Redaktions- bzw. PR Szene, den Gründern der Veranstaltung und einigen Berliner Influencer, auch der ein oder andere, den man schon mal im Fernsehen gesehen hat, sich aber immer gefragt hat, was er oder sie eigentlich genau machen.

Die Atmosphäre ist gediegen und der gesponserte Champagner fließt in Strömen. Es wird geredet, aber zumeist nur in den eigenen Kreisen oder übereinander. Die PR begrüßt ihre Kunden und die Redakteure tuscheln untereinander und nicken brav mit einem Bild für den Stream, die Obligation die dieser Einladung einher geht ab. Gezeigt wurde aber wenig „neuartiges“. Nachdem inzwischen auch bei den altehrwürdigen Institutionen angekommen sein sollte, dass Jugendkultur ausschlaggebend für neue Trends ist, befanden sich unter der exklusiven Gästeliste trotzdem kaum jüngere Menschen mit eigener Vorbildrolle in Sachen „Design made in Germany“. 

Womöglich nicht ausschließlich nur der kuratierten Gästeliste zu verdanken, wirkten Mode und Design in ihrer Inszenierung oft antiquiert oder gar bieder. Fraglich auch in dieser Hinsicht, welche Zielgruppe damit in Deutschland angesprochen wird, betrachtet man deutsches Design und den Erfolg internationaler Brands unter den Deutschen, haben diese eher die Tendenz zu Hermès und anderen internationalen Traditionshäusern . In einem Land in dem Freitag-Taschen so etwas wie die Birkin des kleinen Mannes ist, bleibt es nicht bei Verwunderung über den Stil der Veranstaltung und sein Publikum. Manches wiederum, in diesem Fall Marina Hörmanseder, stand im puren Kostrast zu dieser Welle des Neobiedermeier und drängte einem förmlich die Frage auf, ob Mode zukünftig nur noch für Influencer produziert wird?

Diese Strategie kann man der Designerin – international gesehen – nicht mal zum Vorwurf machen, da sie sich schließlich der günstigsten Marketingstrategie bedient, die der Modebranche in Deutschland und darüber hinaus, aktuell zu Verfügung steht. Förderer junger Fashion Start-Ups und Entrepreneur, Garry Wassner, manifestierte dieses Bild der Modewelt im Interview mit Inga Griese bei der Fashiontech, eines der Side Event am Rande der Berliner Fashion Week. Wassner, erklärte auch, dass die Zeit der großen Monobrands vorbei wäre und zumindest kleinere Modelabels, zukünftig nur durch stetige Innovationen bestechen können. Der Vergleich Berlins mit New York als Modestadt, scheint da gerade zu fraglich in den Größenverhältnissen und dem Bekanntheitsgrad des deutschen Modedesigns innerhalb seiner Grenzen.

Vogue vs Fashiontech – Wie bekannt ist deutsches Design international? 

Detail: Marina Hoermannseder

Nicht zuletzt bieten Länder wie Großbritannien, Frankreich und die USA eine staatliche Förderung für Unternehmen aus dem Modebereich. In diesem Segment hat Deutschland und speziell Berlin, leider wenig Ressourcen bzw. fehlt das allgemeine Verständnis von Mode als Industrie und Kunstform weitestgehend in Deutschland. Auch wenn der German Fashion Council und andere Konferenzen wie die Fashiontech neue Impulse geben, so befindet sich das meiste finanziert durch die Förderung privater Unternehmen, wie dem Condé Nast Germany und der Premium Group Berlin. Die Deutschen scheinen demnach nicht in allem die Besten zu sein oder fehlt ihnen einfach der Sinn für Mode als Kunstform, wenn es nicht der finanzielle Aspekt ist, der die Deutschen von modischen Investitionen abhält? 

Auch wenn der Blick auf den Berliner Salon kritisch ausfällt, so sollte Vogue Chefredakteurin Christiane Arp fairerweise zugestanden werden, dass sie sich nun schon über Jahre hinweg die Mühe gibt einen Appel zu formulieren, der eine weit greifende Förderung der Mode als Kunst- und Industrieform in Deutschland etabliert. 

Detail: William Fan

Fazit:

Um abschließend noch hervorzuheben, wer sich auch dieses Jahr wieder durch eine stilsichere Handschrift hervorgehoben hat, bedarf es allerdings nicht vieler Namen. Vermisst wurden bekannte Gesichter wie Nobi Talai und leider nach wie vor ein paar mehr Designer, die Berlins junge Avant-Garde repräsentierten. Jedoch reihte sich neben Rising Star William Fan, auch Lou de Betoly dieses Jahr wieder in die Front-Row internationaler Designer ein, die außerhalb der deutschen Modeszene einen Namen tragen. Nach einer saisonalen Pause, kehrte sie dieses Jahr wieder mit einer beeindrucken Show, zum Thema “Umwelteinflüsse” und der Verpestung durch Plastik, auf den Runway zurück. Um nochmals auf Marina Hörmanseder einzugehen, so lieferte sie auch diese Saison wieder eine Show ab, die nicht nur durch ihre Popularität auf den Sozialen Medien bestach, sondern auch durch die kontinuierliche Veränderung ihres Couture-Portfolios und einer ausgeglichenen Balance von kommerziellen Teilen. 

Bleibt zu hoffen, dass die Rechnung für ikonische Bondage-Schnalle aufgeht, die sich inzwischen nicht mehr vollständig um Marina Hörmanseders Röcke windet. △

Images © ANNA Diekhans

Alexandre Renaldy
Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief, Work: The Corner Berlin, flair magazine, H.O.M.E.; Signature Places, Vestiaire Collective, EVE images, B'SPOQUE magazine etc.