#BLUEPRINT: GRETA SCHINDLER & die Artig Gallery

Sie ist eine der mutigen Frauen unserer Generation, die das Potenzial hat, die Welt ein Stück besser zu machen. Die studierte Kunstkuratorin hat es sich mit der Artig Gallery zur Aufgabe gemacht, den Kunstmarkt einem bereiteren Publikum zu öffnen und damit auch jungen, aufstrebenden Künstlern den Einzug in die Kunstszene zu ermöglichen. Für das B’SPOQUE magazine, habe ich einen kleinen Spaziergang mit der Gründerin durch ihr persönliches Universum unternommen. 

Frau Schindler, erklären Sie uns kurz, worum es Ihnen bei Ihrem Online Konzept geht?

Greta Schindler beim Interview

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der Kunstmarkt nicht nur einer bestimmten Gruppe oder einem elitären Publikum zugänglich sein sollte. Durch die moderate Preisspanne – die Kunstwerke kosten zwischen 200 und maximal 8.000 Euro – und dem Vorteil online mehr Menschen zu erreichen, ist die Hemmschwelle geringer für Leute die sich für Kunst interessieren aber vielleicht noch keinen Zugang dazu gefunden haben. Zudem ist Kunst inzwischen nicht nur ein Thema für sich alleine stehend, sondern Teil eines größeren Kosmos aus Mode und Lifestyle geworden.

Wen sprechen Sie genau mit ihrem Konzept an?

Das Konzept zielt zum einen auf die End-Zwanziger, die bereits gefestigt sind und langsam beginnen sich mit Investitionen für Designermöbel oder Kunst zu beschäftigen und von Natur aus eh sehr online-affin sind. Zum anderen aber auch die sogenannten „Baby-Boomer“, die bereits mit dem Sammeln begonnen haben und teilweise schon einiges gesehen haben. Durch die Online-Suche wollen diese auch Kunst aus anderen Ländern oder neue Künstler entdecken.

“Al Paso” by Jimmy Milan | via artiggallery.com

Inwiefern ist die Verbindung von Mode und Kunst relevant für die Zielgruppe?

Nun Mode und Kunst gehören seit jeher zusammen. Denken Sie nur an Yves Saint Laurent, Andy Warhol oder Elsa Schiaparelli. Einer unserer Künstler – Jimmy Millán – ist Illustrator und arbeitet unter anderem für internationale Modemagazine wie die Harpers Bazaar. Seine Collagen sind eine Mischung aus Popkultur, Mode und Kunst. Zudem inspirieren sich diese Bereiche gegenseitig und sind für viele Menschen ein Lifestyle. Das besondere an der Kunst, ist im Gegenzug zur Mode, der emotionale Wert, den ein Kunstwerk für jeden einzelnen hat. Dies ist einer der Hauptgründe für den oftmals hohen und teilweise unerklärlichen Preis.

Nach welchen Kriterien, wählen Sie ihre Künstler aus?

Oft werden wir durch unser Netzwerk an Schulen, Kuratoren und anderen Instituten auf die Künstler aufmerksam. Eine Rolle dabei spielt natürlich, wie sie ihr Portfolio gestalten. Wir wollen Leute in unserer Galerie, die vermutlich auch noch in zehn Jahren da sind. Keine Eintagsfliegen aber auch keine bereits etablierten Künstler, da wir uns auch die Mühe machen diese zu fördern und aufzubauen. Aber wir stolpern auch oft im Internet auf neue Talente.

Welche Rolle spielen dabei die sozialen Medien?

Durch Instagram wird die Kunst plötzlich einem breitem Publikum zu Teil. Künstler können sich so teils selbstvermarkten und ihrer Arbeiten ausstellen. Viele unserer Künstler hatten sich zuvor nicht als solche betrachtet, allerdings durch Anfragen und Feedback der Nutzergemeinde, betrachten diese sich anders und finden so eine Möglichkeit, sich als ernsthafte Künstler zu positionieren.

Das Thema Authentizität spielt eine wichtige Rolle für ernsthafte Kunstinteressenten. Wie gehen Sie damit um?

Zu allererst wird die Kunst direkt vom Künstler versandt um die Wege kurz zu halten. Aber es wird auch darauf geachtet, dass Editionen limitiert werden und alle Arbeiten mit dem obligatorischen Authentizitätszertifikat ausgestattet werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir uns viel Mühe mit den Beschreibungen der Werke, ihrer sachgemäßen Abbildung für die Website und dem exklusiven Online Vertriebsrecht machen. Ein Service, der den Sammlern Sicherheit und ein gutes Gefühl gibt.

Erzählen Sie uns mehr über persönliche Highlights Ihrer Arbeit?

Nun ein Teil ist sicher die Förderung der jungen Künstler, die oft durch uns zum ersten Mal überhaupt ein Kunstwerk oder über die Grenzen ihres eigenen Landes hinweg verkauft haben. Aber auch die Chance, das eigene Netzwerk nutzen zu können und so verschiedene Bereiche des Kunstmarktes abdecken zu können. Die Artig Gallery umfasst Künstler aus allen Ländern, darunter Südafrika, Spanien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Außerdem ist das Portfolio durch verschiedene Kunstformen wie Skulpturen, Fotografien, Collagen, Werken auf Canvas oder Illustrationen breit gefächert.

“La Espera” by Martina Martencio | via artiggallery.com

Was inspiriert Sie persönlich?

Eine ungewöhnliche Frage. Ich denke, mein persönlicher Anspruch ist die Leidenschaft und Emotionen, die hinter der Kunst stehen, zu zeigen. Menschen zu inspirieren und sie dazu anzuregen, sich mit den Dingen, für die sie interessieren intensiver zu beschäftigen. Aber durchaus auch die Geschichten, die hinter verschiedenen Werken und ihren Machern stehen. Die Künstlerin Gwen Versluis ist politisch sehr engagiert und schafft es in ihren Arbeiten immer wieder aufs Neue, die Flüchtlingsthematik aufzugreifen. Allerdings aus dem Blickwinkel der Männer, die sich durchaus ebenfalls verloren oder heimatlos fühlen. Martina Matencio hingegen, eine andere Künstlerin, bewegte uns durch ihre Fotografien, in welchen man die Zerbrechlichkeit des Menschlichen spürt.  Eine ihrer ersten Arbeiten waren Fotografien eines jungen Mannes, der mit gravierenden psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Sie arbeitete damals in einem Institut für psychische Störungen. Durch ihre Fotografien blühte der unheilbare Junge sichtlich auf. Die Bilder wurden zu einer Art Tagebuch, das für die Nachwelt erhalten blieb, als der junge Mann plötzlich verstarb. Dies sind unglaubliche Momente, die so bewegend sind und die nur durch Kunst an die Außenwelt gelangen können.

“Pulsar” by Marius Budu | via artiggallery.com

Über Greta Schindler und die Artig Gallery:

Geboren und aufgewachsen in Deutschland, reiste Greta Schindler nach Ihrem Abitur nach Spanien um dort ein Wirtschaftsstudium an der bekannten ESADE Universität zu absolvieren. Sie erhielt dort einen Master in International Management mit Schwerpunkt Marketing und einer Auszeichnung für ihre Master Thesis über Marketing in sozialen Netzwerken. Nachdem sie 5 Jahre im Marketing für L’Oréal und Coty in Deutschland und Spanien arbeitete, entschloss Greta sich — ihrem Traum folgend – das Postgraduate Program in Curating CAS an der Zürcher Hochschule der Künste in der Schweiz zu absolvieren. Während des Studiums arbeitete sie kurzzeitig bei einer der größten privaten Kunstsammlungen Europas. Kurz nach dem Abschluss entschied sie sich, die Erkenntnisse ihrer Abschlussarbeit in die Tat um zu setzen und mit der digitalen Expertin Gemma Comabella ihre eigene Online Galerie zu gründen: die Artig Gallery war geboren.

Artiggallery.com bietet zeitgenössische, originale Kunst von den aufregendsten Nachwuchskünstlern der ganzen Welt zu erschwinglichen Preisen an. Die online Galerie, die im Juni 2016 live ging, wurde 2015 von Barcelona, Berlin und Zürich aus von der Kuratorin Greta Schindler (CEO) und der Digitalen Expertin Gemma Comabella (ehemals Zalando & Vestiaire Collective) gegründet. △

Mehr über Greta und ihre Protegés auf artiggallery.de

Author: Alexandre Renaldy

B'SPOQUE magazine | Editor in Chief. Trained journalist and fashion editor. // Languages: DE, ENG,FR. // Work: The Corner Berlin, flair magazine, H.O.M.E., Vestiaire Collective, EVE images, B'SPOQUE magazine (originally part of the BeWoCon Berliner Wohnbau Consult GmbH)