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Visual Essay: TEMPELHOF

Berlin, die Stadt der Exzentriker, Spießer, Frei- und Kleingeister. Eine Stadt, der ich genauso viel zu erzählen habe, wie sie mir ungefragt entgegnet.

Dear Reader, also hin und wieder um ehrlich zu sein, würde ich gerne Jedem auf meinem Weg eine scheuern, nicht weil ich generell Leute in eine Box stecken will, aber weil es hin und wieder uns allen so geht. Honestly honey, manchmal ist das anonyme in der Stadt schon ganz schön, aber wir alle brauchen einen guten Freund oder eine gute Freundin.

The Gift

Hätten wir diese Menschen nicht, stünde wohl auch 2019 eine Mauer in unseren Straßen. Diese Mauern, die wir alle hin und wieder aufbauen, machen es aber auch hart diese Stadt eben nicht hin und wieder zu hassen. Dabei ist es gar nicht das schwarz-weiß Denken in der Kunst, sondern das bewusste Weglassen von allem Unnötigen auf der Suche nach Antrieb für den nächsten Berg, welch ein Individuum zu erklimmen versucht, welch uns blind werden lässt. Plötzlich ist eine Wand erreicht.

WARUM BERLIN UND NICHT BADEN-WÜRTTEMBERG DER ORT IST, AN DEM MEIN HERZ ZUHAUSE IST…

Was tun? Weitermachen, als wäre nicht gewesen und sich nicht vom individuellen Traum, dem Gefühl oder der größeren Vision abbringen lassen. Eine Sache, die im Herbst sicherlich nie einfach sein wird. Denn mehr als eine Sache lief schief, bevor wir diese Momente einfangen konnten. Ich denke da an Menschen, die für die Arbeit nicht einmal den Credit vergeben wollen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Fall is here

Es is Herbst und die Blätter fallen, die Gedanken selektieren sich langsam und ein neuer Plan kommt zu Stande: Dieses spezielle Editorial ist eben nicht Mainstream Berlin, sondern eine verrückte Idee aus meinem Notizbuch als Journalist, der eben auch mal auf die Schnelle professionelle Leute zusammen trommelt, um dadurch Menschen einander näher zu bringen und im selben Atemzug anderen vielleicht eine zu Freude machen. Früher hab ich noch Dinner Parties gegeben und versucht Leute zu beeindrucken, jetzt wird aus dem Arbeitszimmer schnell ein Studio gemacht. Wofür?

Nun aus philosphischer Sicht: begann mein Herbst damit, alle anzurufen und einen Gefallen einzuholen. Meistens von den Sorte, denen ich für ihre Kreativität, Professionalität und vor allem Spontanität die Füße küssen müsste. Realistisch gesehen ging es darum meiner Traumkarriere einen neuen Höhenflug zu verpassen, was allerdings von einer herben Bruchlandung gefolgt wurde. Allerdings bin ich nicht weniger stolz auf diesen herrlichen Herbsttag, an dem sich meine Langzeitaffäre Berlin—ja, sie ist weiblich—und ihre Bewohner, von der allerbesten Seite gezeigt hatten.

The saving grace

Nicht wirklich glücklich war ich aber über das Resultat und den Gedanken meiner zweiten Hirnhälfte: Menschen zusammen zu bringen. Generell ja schon, aber im Nachhinein schien sich meine Kontaktfreudigkeit an anderer Stelle, als wahres Grab herauszustellen, dessen Dreck mir noch unter den Fingernägeln hängt. Aber das ist eine andere Story. Auch wenn ich dankbar über jedes einzelne Detail an diesem Tag bin, so bin ich wieder einmal gebrochen, wenn es um mein Gefühl für Authentizität geht.

Diese Kontakte, die ich an diesem Tag aktiviert hatte, konnten einiges erzählen wie es auch in der Branche laufen könnte und auch ich durfte für kurze Zeit einen Einblick in die Welt des Glamours werfen. Inzwischen bin ich dankbarer geworden und fühle mich hier zu Hause, umringt im Geiste von diesen großartigen, talentierten und vor allem hilfsbereiten Menschen. Genau wie es mir immer gewünscht hatte. 

The humans around me

Nichtsdestotrotz weiß ich, ohne die Menschen in meinem Umfeld wäre ich aufgeschmissen. Natürlich bedeutete dieser Tag Arbeit für uns alle und kein Dinner wie üblich. Aber zumindest habe ich es gerade noch geschafft frisch gebackene Kekse und Kaffee bereit zu stellen, um in Gemeinschaft das Unmögliche für jemanden anderen, möglich zu machen. Genau das liebe ich aber an der Mode, wenn sie plötzlich nicht mehr die Hauptrolle spielt, denn die beiden Character in unseren Bildern sind Menschen von der Straße. Keine professionellen Models, auch wenn einige Motive das nicht verraten würden.

Ortswechsel und volle Punk-Attitüde; einfach mal den Verkehr für ein Bild aufzuhalten, ist auch nur in Berlin möglich, denn welche Stadt hat eine solch elegante Art und Weise, jemandem auf verschiede Arten fuck you zu sagen, als diese?

Peace

Am Ende ist es aber das Bild geworden, bei dem wir nach den Regeln einer guten Gemeinschaft gespielt haben: „Die elegantesten Kriege, werden immer noch in der Mode ausgetragen,“ wie es eine Freundin aus der PR formuliert hatte. Wir führen allerdings keine Kriege, höchstens noch für die Kunst und ihre wichtigste Aufgabe: Menschen auf Probleme aufmerksam zu machen. Auch wenn das bedeutet Menschen zu sagen, dass sie falsch sind, so wie ich das einer gewissen Berliner Artist Agency sagen musste. Die Menschen am Set waren allerdings authentisch und das wird in jedem Bild deutlich. Wenn es uns gelingt durch die andersartige Ästhetik unserer Bilder andere auf uns aufmerksam zu machen, umso besser. Denn, wir sollten wirklich alle anfangen queer zu denken. 

The Dream

Die Aufmerksamkeit von Künstlern ist selten auf die Perfektion gerichtet, wenn es um das Gesamtkonzept geht. Die Unreinheiten machen eine künstlerische Arbeit nämlich erst spannend und vor allem authentisch. Natürlich sind wir im Herzen Perfektionisten und jeder von uns gibt sein Maximum, aber die Magie rund um die Arbeit eines Künstlers, lebt vom nicht berechenbaren Detail. An diesem Tag hatte jeder etwas von sich eingebracht. Selbst David der mir wieder bewies, dass es Menschen gibt, denen man nicht oft genug für ihr großes Herz und ihre Geduld danken kann! Wie wichtig kleine Raucherpausen sind und wie stilisiert so eine kleines Verlangen an einer Person aussehen kann, die es nicht tut ist unschwer zu erkennen. Geknistert hat es am Set eindeutig zwischen uns allen, auch wenn nicht alle dem blauen Rauch gefrönt haben. Blue, blue, electric blue; that’s the color of my mood…

The human factor

Metaphorisch könnte man das auch als den menschlichen Faktor betrachten. Wer bereits in seinem Leben mit Künstlern—seien es Stylistin, Fotografen oder Models zusammengearbeitet hat—weiß wie wichtig die Pausen sind, um alle zusammen zu halten. Oder, dass genügend gegessen wird und jeder bekommt was er braucht, um sein Bestes zu geben. Diese Künstler brachten diesen menschlichen Faktor, sowie ihre Professionalität in diese einzigartige #EDIT ein und es gelang uns die unterschiedlichsten Referenzen in einer Art umzusetzen, die jedem Bild eine eigene Bedeutung und persönliche Note verliehen.

Capital Couture

Beide Models waren verblüfft von ihrer Verwandlung am Set und vor allem von der Magie, die mit diesem rituellen Begin einer jeden Produktion einhergeht. But it’s not about the label, it’s about who you are as a person... Wenn es allerdings meiner Meinung nach ginge, würden wir alle ausschließlich in Capital Couture auf den Straßen unserer Stadt herumlaufen, zumindest etwas häufiger als die obligatorischen zweimal im Jahr.

Abschließend kann ich zwar leider nur jedem Artist and diesem Tag danken, allerdings dafür aus vollstem Herzen und mit dem Versprechen ebenfalls über mich hinauszuwachsen, wann immer ich um Hilfe gebeten werde. Irgendwie habe ich das Gefühl, die nächste Produktion wird einen Meilenstein für die Berliner Mode sein…

#Credits

photography: The Torn Seamless
styling: ALEX RENALDY

hair & make-up: GUERDY CASIMIR

starring: SIMONA MILANESI & FILIP VLAJOVIC
assistance: ANNA (I CAN’T DO IT WITHOUT YOU!) DIEKHANS
From Alex,
with love



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