BERLIN, DIE STADT DES SPIEßER UND DER EXZENTRIKER, DER KLEIN- UND FREIGEISTERN. EINE STADT DER ICH GENAUSO VIEL ZU ERZÄHLEN HÄTTE, WIE SIE MIR. AN DICH MEINE GROßE LIEBE: FUCK YOU! JUST KIDDING… DIESES SPEZIELLE HERBST EDITORIAL IST VOLLER KLEINER LIEBEVOLLER MOMENTE. ENJOY!

#essay: WARUM EBEN BERLIN UND NICHT BADEN-WÜRTTEMBERG DER ORT IST, AN DEM MEIN HERZ ZUHAUSE IST…

Dear Reader, also hin und wieder um ehrlich zu sein, würde ich gerne Jedem auf meinem Weg eine scheuern, nicht weil ich generell Leute in eine Box stecken will, aber weil es hin und wieder uns allen so geht. Honestly honey, manchmal ist das anonyme in der Stadt schon ganz schön, aber wir alle brauchen einen guten Freund oder eine gute Freundin. Hätten wir diese Menschen nicht, stünde wohl auch 2019 eine Mauer in unseren Straßen, tun sie aber glücklicherweise nicht mehr. Diese Mauern, die wir alle hin und wieder aufbauen, machen es aber auch hart diese Stadt eben nicht hin und wieder zu hassen. Dabei ist es gar nicht das schwarz-weiß Denken in der Kunst, sondern das bewusste Weglassen von allem Unnötigen auf der Suche nach Antrieb für den nächsten Berg, welch ein Individuum zu erklimmen versucht, der einen wirklich blind werden lässt. Plötzlich ist eine Wand erreicht. Was tun? Weitermachen, als wäre nicht gewesen und sich nicht vom individuellen Traum, dem Gefühl oder der größeren Vision abbringen lassen.

coat & bag: PICK’N’WEIGHT
sunglasses, shirt & shoes: private

photography: GEORGE LAVANTSIOTIS
styling: ALEX RENALDY

hair & make-up: GUERDY CASIMIR

starring: SIMONA MILANESI & FILIP VLAJOVIC
assistance: ANNA (I CAN’T DO IT WITHOUT YOU!) DIEKHANS

Es is Herbst und die Blätter fallen, die Gedanken selektieren sich langsam und ein neuer Plan kommt zu Stande: Dieses spezielle Editorial ist eben nicht Mainstream Berlin, sondern eine verrückte Idee aus meinem Notizbuch als Journalist, der eben auch mal auf die Schnelle professionelle Leute zusammen trommelt, um dadurch Menschen einander näher zu bringen und im selben Atemzug anderen eine zu Freude machen. Früher hab ich noch Dinner Parties gegeben und versucht Leute zu beeindrucken, jetzt wird aus dem Arbeitszimmer schnell ein Studio gemacht. Wofür?

Nun aus philosphischer Sicht: begann mein Herbst damit, jeden anzurufen und einen Gefallen einzuholen. Meistens von Leuten, denen ich für ihre Kreativität, Professionalität und vor allem Spontanität die Füße küssen müsste. Realistisch gesehen ging es darum meiner Traumkarriere einen neuen Höhenflug zu verpassen, was allerdings von einer herben Bruchlandung gefolgt wurde. Allerdings bin ich nicht weniger stolz auf diesen herrlichen Herbsttag, an dem sich meine Langzeitaffäre Berlin—ja, sie ist weiblich—und ihre Bewohner, von der allerbesten Seite gezeigt hatten.

#DAMUR

Nicht stolz bin aber über das Resultat und den Gedanken meiner zweiten Hirnhälfte: Menschen zusammen zu bringen. Denn im Nachhinein schien sich meine Kontaktfreudigkeit an anderer Stelle, als wahres Grab herauszustellen, dessen Dreck mir noch unter den Fingernägeln hängt. Aber das ist eine andere Geschichte. Auch wenn ich dankbar über jedes einzelne Detail an diesem Tag bin, so bin ich wieder einmal gebrochen, wenn es um mein Gefühl für Authentizität geht. Diese Kontakte, die ich an diesem Tag aktiviert hatte, konnten einiges erzählen wie es auch in der Branche laufen könnte und auch ich durfte für kurze Zeit einen Einblick in die Welt des fake Glamours werfen. Inzwischen bin ich dankbarer geworden und fühle mich hier zu Hause, umringt im Geiste von diesen großartigen, talentierten und vor allem hilfsbereiten Menschen. Genau wie es mir immer gewünscht hatte. 

shirt: H&M

Nichtsdestotrotz weiß ich, ohne die Menschen in meinem Umfeld wäre ich aufgeschmissen. Natürlich bedeutete dieser Tag Arbeit für uns alle und kein Dinner wie üblich. Aber zumindest habe ich es gerade noch geschafft frisch gebackene Kekse und Kaffee bereit zu stellen, um in Gemeinschaft das Unmögliche für jemanden anderen, möglich zu machen. Genau das liebe ich aber an der Mode, wenn sie plötzlich nicht mehr die Hauptrolle spielt, denn die beiden Character in unseren Bildern sind Menschen von der Straße. Keine professionellen Models, auch wenn einige Motive das nicht verraten würden.

Natürlich ist nicht alles perfekt, aber wollen wir das überhaupt? Auch wenn ich in meinem kleinen verträumten Tempelhof an der Grenze zu Mariendorf aufgedonnert herum renne, so juckt es keinen ob da mal ein Haar absteht solange der Bustier im Blickfeld ist. Oder das kleine Schwarze, dass mit den richtigen Accessoires zwischen tragbarer Couture und Streetstyle jede Anlass gerecht wird.

Sicher ist, die Looks generierten jede Menge Aufmerksamkeit auf den Straßen als wir sie eingefangen haben. Selbst an einer roten Ampel zu warten gestaltete sich für unsere Mitbürger, als gelungen Abwechslung in einem montäglichen after work traffic. Wir sind allerdings unserem eigenen Flow gefolgt, haben uns über das Business unterhalten, gelacht und sind unseren heimlichen oder offensichtlichen Passionen gefolgt. Würde uns der Job keinen Spaß machen, so sähe man sicher das in den Bildern.

demin suit: UNIQLO
bag: PICK’N’WEIGHT
shirt & sun glasses: PRIVATE

Ortswechsel und volle Punk-Attitüde; einfach mal den Verkehr für ein Bild aufzuhalten, ist auch nur in Berlin möglich, denn welche Stadt hat eine solch elegante Art und Weise, jemandem auf verschiede Arten fuck you zu sagen, als diese?

Am Ende ist es aber das Bild geworden, bei dem wir nach den Regeln einer guten Gemeinschaft gespielt haben: „Die elegantesten Kriege, werden immer noch in der Mode ausgetragen,“ wie es eine Freundin aus der PR formuliert hatte. Wir führen allerdings keine Kriege, höchstens noch für die Kunst und ihre wichtigste Aufgabe: Menschen auf Probleme aufmerksam zu machen. Auch wenn das bedeutet Menschen zu sagen, dass sie falsch sind, so wie ich das einer gewissen Berliner Artist Agency sagen musste. Die Menschen am Set waren allerdings authentisch und das wird in jedem Bild deutlich. Wenn es uns gelingt durch die andersartige Ästhetik unserer Bilder andere auf uns aufmerksam zu machen, umso besser. Denn, wir sollten wirklich alle anfangen queer zu denken. 

shirt: DAMUR, RALPH LAUREN
pants: YVES SAINT LAURENT
accessories: PRIVATE

Die Aufmerksamkeit von Künstlern ist selten auf die Perfektion gerichtet, wenn es um das Gesamtkonzept geht. Die Unreinheiten machen eine künstlerische Arbeit nämlich erst spannend und vor allem authentisch. Natürlich sind wir im Herzen Perfektionisten und jeder von uns gibt sein Maximum, aber die Magie rund um die Arbeit eines Künstlers, lebt vom nicht berechenbaren Detail. An diesem Tag hatte jeder etwas von sich eingebracht. Selbst David der mir wieder bewies, dass es Menschen gibt, denen man nicht oft genug für ihr großes Herz und ihre Geduld danken kann! Wie wichtig kleine Raucherpausen sind und wie stilisiert so eine kleines Verlangen an einer Person aussehen kann, die es nicht tut ist unschwer zu erkennen. Geknistert hat es am Set eindeutig zwischen uns allen, auch wenn nicht alle dem blauen Rauch gefrönt haben. Blue, blue, electric blue; that’s the color of my mood…

Metaphorisch könnte man das auch als den menschlichen Faktor betrachten. Wer bereits in seinem Leben mit Künstlern—seien es Stylistin, Fotografen oder Models zusammengearbeitet hat—weiß wie wichtig die Pausen sind, um alle zusammen zu halten. Oder, dass genügend gegessen wird und jeder bekommt was er braucht, um sein Bestes zu geben. Diese Künstler brachten diesen menschlichen Faktor, sowie ihre Professionalität in diese einzigartige #EDIT ein und es gelang uns die unterschiedlichsten Referenzen in einer Art umzusetzen, die jedem Bild eine eigene Bedeutung und persönliche Note verlieh.

pants: ZARA
shirt: PICK’N’WEIGHT
jacket: H&M STUDIO
accessories: PRIVATE

Hättest du gedacht, dass hinter diesen Looks drei sehr spezielle Stereotypen unser Stadt stecken könnten? Beide Models waren verblüfft von ihrer Verwandlung am Set und vor allem von der Magie, die mit diesem rituellen Begin einer jeden Produktion einhergeht. But it’s not about the label, it’s about who you are as a person... Wenn es allerdings meiner Meinung nach ginge, würden wir alle ausschließlich in Capital Couture auf den Straßen unserer Stadt herumlaufen, zumindest etwas häufiger als die obligatorischen zweimal im Jahr.

blazer & shirt: PICK’N’WEIGHT
scarf: HERMÈS
shorts: H&M STUDIO
jacket: H&M
boots: PRIVATE

Abschließend kann ich zwar leider nur jedem Artist and diesem Tag danken, allerdings dafür aus vollstem Herzen und mit dem Versprechen ebenfalls über mich hinauszuwachsen, wann immer ich um Hilfe gebeten werde. Irgendwie habe ich das Gefühl, die nächste Produktion wird einen Meilenstein für die Berliner Mode sein…

Danke, an George Lavantsiotis für die melancholisch, träumerischen Bilder und  sorry für das unendliche up and down nach jedem einzelnen Look auf den Wegen zu den einzelnen Locations. Danke, an Guerdy Casimir für das natürlichste Make-Up, dass ich in einer Produktion je gesehen habe und die Achtsamkeit mit den teuren und ebenfalls den erschwinglicheren Kleidungstücken.

Danke an Anna, die mir ein paar Schweiß- (und Wutausbrüche) weniger beschert hat durch ihre liebevolle Art. A dog is a dog, is a dog… David, dir danke ich für die Spürnase als ich meinen neuen Job angefangen hab; irgendwas ist da wohl an der Sache mit den familiarities.

Besonderen Dank auch an die Spontanität und die persönliche Note der beiden Models Simona Milanesi und Filip Vlajovic, die beide zum ersten Mal sich freiwillig einem fast vierstündigen Kleider-, Orts- und Make-Up Wechsel unterzogen haben. Last but not least, danke an unsere stillen Akteure: IVR by Isabel Vollrath, Pick’n’Weight und DAMUR fürs Design. Ohne euch alle, würde für mich kein Mond in dunklen Stunden den Weg weisen.

In diesem Sinne, lasst und nicht nur nach den Sternen greifen; lasst uns gemeinsam im endlosen Moon River baden!

From Alex,
with love

#JUSTHUMANS

Alexandre Renaldy
Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief, Work: The Corner Berlin, flair magazine, H.O.M.E.; Signature Places, Vestiaire Collective, EVE images, B'SPOQUE magazine etc.