Demonstranten gehen am Samstag (14.01.2006) in Berlin am Palast der Republik vorbei. Die Abriss-Gegner vom "Bündnis für den Palast" setzten ihre Protestaktionen mit einem sogenannten "Stopptag" fort. Foto: Michael Hanschke dpa/lbn, (cr) dpa
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Die Frage nach Macht und Teilhabe

Sozialistische Architektur vs. Hohenzollernfassaden? Die Ausstellung über den Palast der Republik und dessen Bedeutung im öffentlichen Diskurs.


Wer sich gefragt hat, wie die sozialistische Elite der DDR gespeist, gefeiert und ihre Erfolge zur Schau gestellt hat, sollte sich die Dauerausstellung zum Palast der Republik, dem Gegenstück des Humboldt Forums ansehen. Eine Ausstellung, die definitiv Fragen zu den Unterschieden zwischen Ost und West aufwirft und sich mit einem verloren gegangenen Stück deutsch-deutscher Zeitgeschichte auseinander setzt.

Der Palast der republik und die Idee Menschen zu verbinden

Im März 1990 konstituierte sich im Palast der Republik die erste frei gewählte Volkskammer, die dort den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik beschloss. Damit endete die DDR-Geschichte des Palastes der Republik, wenige Tage darauf wurde er vom Berliner Magistrat wegen Asbestbelastung geschlossen. 2002 fiel die Entscheidung für den „Rückbau“. Was für die einen die Befreiung von einem Repräsentationsbau des DDR-Unrechtsstaates war, empfanden andere als Auslöschung von Geschichte und Entwertung ostdeutscher Biografien.

Servicekraft in der Milchbar im Palast der Republik 
(o.J., Urheber bisher nicht ermittelt).
© Abt. Öffentlichkeitsarbeit / Palast der Republik
Servicekraft in der Milchbar im Palast der Republik
(o.J., Urheber bisher nicht ermittelt).
© Abt. Öffentlichkeitsarbeit / Palast der Republik

Line-Up: Der Palast der Republik ist Gegenwart

Unter dem Motto Der Palast der Republik ist Gegenwart widmet sich das Humboldt Forum dem Thema in den nächsten Jahren noch intensiver und vielseitiger. Das Programm folgt chronologisch den vier Phasen des Palastes der Republik: das repräsentative, politisch-kulturelle Mehrzweckgebäude der DDR, der Sitz der ersten frei gewählten Volkskammer, die umstrittene Ruine und schließlich das Symbol ostdeutscher Identität heute.

Auf dem Schlossplatz in Berlins Mitte dreht sich ein Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt neben einer Weihnachtspyramide vor dem Hintergrund des Fernsehturms, aufgenommen am 15.12.2006. Direkt neben dem bunten Treiben sind Bauarbeiter mit weiteren Abrissarbeiten an der Ruine des Palastes der Republik beschäftigt. Foto: Peter Zimmermann ©  dpa
Auf dem Schlossplatz in Berlins Mitte dreht sich ein Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt neben einer Weihnachtspyramide vor dem Hintergrund des Fernsehturms, aufgenommen am 15.12.2006. Direkt neben dem bunten Treiben sind Bauarbeiter mit weiteren Abrissarbeiten an der Ruine des Palastes der Republik beschäftigt. Foto: Peter Zimmermann © dpa

Ein legendärer Ort.

Das Besondere: Die kuratorische Arbeit wird als Teil des Programms reflektiert und so für alle sichtbar – die abteilungsübergreifende Aufstellung des Teams, die Ermittlung von Interessen und Bedarfen, die persönlichen Perspektiven von außen, die Begleitung durch Expert*innen. Der Palast der Republik ist Erzähl- und Gesprächsanlass für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes und für eine Diskussion politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen – über Berlin und Deutschland hinaus. Das Programm erfragt Erinnerungen, lädt zum Austausch ein und knüpft an aktuelle Fragen an – Emotionen, Widersprüche und Irritationen inklusive.

Geliebt und verhasst, bewundert und geschmäht, verschwunden und doch nicht vergessen: Wo sich heute das Humboldt Forum befindet, stand einst der Palast der Republik. Er war Sitz der Volkskammer und Ort der Repräsentation der DDR, aber auch eine Stätte von offizieller und Alltagskultur mit modernem Design und zeitgenössischen Kunstwerken, 13 Restaurants und Cafés, einer Diskothek und einer Bowlingbahn. Bis heute ist er im Bewusstsein vieler Menschen noch immer präsent.

Blick in das Foyer des Palastes der Republik, 1980er Jahre.
© Lothar Zitzmann, Weltjugendlied, 1975; Hans Vent, Menschen am Strand 1975 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Gläserne Blume: Reginald Richter und Richard Wilhelm; bpk / Gerhard Kiesling
Blick in das Foyer des Palastes der Republik, 1980er Jahre. © Lothar Zitzmann, Weltjugendlied, 1975; Hans Vent, Menschen am Strand 1975 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Gläserne Blume: Reginald Richter und Richard Wilhelm; bpk / Gerhard Kiesling

Auf Spurensuche und in der Fassade des Establishments?

Dem Humboldt Forum ist der Palast der Republik quasi in die DNA eingeschrieben: Es gründet auf einem Teil der Palast-Betonwanne, und die Beschäftigung mit der Geschichte des Ortes vom Mittelalter bis zur Gegenwart ist laut Stiftungssatzung eine zentrale Aufgabe des Humboldt Forums. Seit 2014 sammeln, forschen, publizieren und kuratieren die Mitarbeiter*innen zum Palast der Republik und knüpfen ein ständig größer werdendes Netzwerk. Zur wachsenden Sammlung gehören etwa wesentliche Teile der Inneneinrichtung. Zwölf Schlüsselobjekte sind als dauerhafte „Spuren“ an verschiedenen Stellen des Hauses zu sehen; im Dauerausstellungsbereich „Videopanorama“ spielt der Palast der Republik eine zentrale Rolle. Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen haben ihn bereits aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Demonstranten mit Transparenten am 4. November 1989 vor dem Palast der Republik.
© ullstein bild / Klaus Mehne
Demonstranten mit Transparenten am 4. November 1989 vor dem Palast der Republik. © ullstein bild / Klaus Mehne

Wie viel Macht und Teilhabe besitzen die Bürger*innen noch?

Ein vielfältiges Programm erschließt das Themenfeld in den nächsten Jahren chronologisch. Es befasst sich mit der Architektur und Nutzung 1973 bis 1989, mit der Umbruchzeit 1989/90, der Schlossplatzdebatte und Zwischennutzung bis zum Abriss 2008 und schließlich mit dem Erinnerungsort und aktuellen Diskussionen.

Führungen stellen Objekte aus der Geschichte des Palastes der Republik vor, geben Einblicke in Arbeitsprozesse und Hintergründe und erzählen persönliche Geschichten. Veranstaltungen und Performances, Installationen und Aufrufe, Gesprächscafés und Publikationen binden die Öffentlichkeit und Zeitzeug*innen ein und geben Gelegenheit, die verschiedenen Facetten des Palastes der Republik kennenzulernen.

Der Palast der Republik ist zudem Anlass, nach Macht und Teilhabe zu fragen und die Bedeutung von symbolpolitischen, identitätsstiftenden Orten in der Gegenwart zu diskutieren – eine Frage von großer Aktualität.