Dinner-Parties können es ganz schön in sich haben. Das Essen halbgar, fade oder zerkocht, der Wein korkt und die Diskussion wird zu hitzig oder entgleist. Es gibt viele Details, die für einen perfekten Abend entscheidend sein können. Von den kleinen und großen Katastrophen der berüchtigten deutschen Essenkultur.


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Es so eine Sache für sich, zu einer Dinner-Party eingeladen zu werden. Zumal man sich nie so wirklich sicher sein kann, was einen denn genau erwartet. Grundsätzlich aber wird man von den meisten Menschen in seinem Umfeld, erst nach einer jahrelangen Freundschaft, zum Essen in die privaten Gemächer eingeladen oder gar nicht. Dabei sind die vermeintlichen Freunde als Gastgeber oftmals so unterschiedlich im Vergleich zu ihren Marotten im öffentlichen Rahmen. 

Die Einen, sonst große Entertainer, servieren ihren Freunden dann eine halb gare Lasagne, gefolgt von Vanilleeis mit heißen Himbeeren zum Dessert. Während die Anderen, absolut damit überraschen nicht selbst gekocht zu haben, dafür aber einen Sternekoch engagiert zu haben, um die Gäste zu verwöhnen. Das Amüsante daran ist, dass gerade die Personen, denen ich persönlich oft großes Stilgefühl zugetraut habe, ausgerechnet in der Gastgeberrolle, absolut versagen. Dazu muss man fairerweise auch sagen, dass die Gesellschaft–also die geladenen Gäste–ebenso wichtig für das Gelingen einer Party sind, wie der kulinarische Aspekt. Gute Gastgeber laden nicht einfach alles und jeden ein, sondern machen sich neben dem Dinner auch noch Gedanken darüber, welche Menschen aus dem eigenen Umfeld, problemlos nebeneinander sitzen können ohne  sich dabei an die Gurgel zu gehen.

So schwer kann die Rolle des Gastgebers nicht sein. Wo ist der Haken?

Ich erinnere mich noch gut an ein Abendessen, zu dem ich spontan am Halloween Abend eingeladen wurde. Der illustre Gastgeber hatte durch die Bank weg nur Gäste–aus dem Umfeld seinen Co-Hostes–eingeladen, die alle unterschiedlicher nicht hätten sein können. Eine Gästeliste mit unterschiedlichen Gästen und Meinungen, ist an sich nichts schlechtes. Wenn nicht sogar essentiell für eine gute Party. Allerdings nur für diejenigen, die die Regeln der Moderation auch tatsächlich beherrschen und es neben dem hervorragenden Essen, den kulinarischen Vorlieben und persönlichen Allergien, auch noch schaffen, dass die Gäste sich angenehm unterhalten. Sehr unvorteilhaft ist allerdings besagter Gastgeber, der seinen Gästen ihrer natürlichen Komfortzone beraubte und diese sich am runden Tisch vorstellen zu lassen—ähnlich den Anonymen Alkoholikern—und zur Krönung auch noch partout die Dynamik eines Gesprächs zwischen zwei oder drei Menschen störte und uns zwang, Gespräche über den ganzen Tisch hinweg zu führen. Soweit so gut, noch prekärer wurde die Runde, als der Gastgeber—seines Zeichens aus der Politik—das Thema Homosexualität und Kinder ansprach. 


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Ich selbst fühlte mich an dieser Stelle–trotz gefestigter Meinung zu diesen Themen–sehr unwohl, da ich auf eine offene Diskussion eingestellt war, dies aber scheinbar nicht gern gesehen wurde. Denn egal, welche Meinung man als Gast zu politischen Themen wie Flüchtlingskrise, Homo-Ehe oder den aktuellen politischen Diskurs hat, eins ist seit jeher klar: gewisse Dinge kann und sollte man bei einer Dinner-Party nicht ansprechen oder gar erzwingen wollen. Geschweige denn zum inoffiziellen Thema des Abends machen. Das Essen zog sich also, dank einer hitzigen Diskussion à la Polit-Talkshow, in die Länge und wurde zunehmend unbequemer für den Großteil der Gäste.


It’s all about the Prep! Image by Christiann Koepke via unsplash.com

Dabei waren die Bedingungen für den Abend an sich nicht die schlechtesten gewesen. Jedoch möchte ich, nach jahrelanger Dinnererfahrung anmerken, dass nicht jeder ein geborener Gastgeber ist. Oftmals sind es genau diese Menschen, die ihre Parties als „legendär“ bezeichnen aber anschließend um 0:30 Uhr, alle aus ihrer Wohnung verbannen. Während der Gast im Vergleich zu einem vollendeten Gastgebern das Gefühl hat, der Abend sei wie im Flug vergangen, scheint hier das Ende vergleichbar einem Coitus Interruptus. Wobei das rasche Ende auch sein Vorteile haben kann. Es sei denn, der Gast wird tatsächlich so herrlich umsorgt, während man sich in kleinen Gruppen immer wieder mit anderen Menschen—ob nun bereits bekannt oder einander neu vorgestellt—auf eine lockere Art und Weise unterhalten kann. Zumindest habe ich die schönsten Abende so verbracht, selbst wenn das Hühnchen leicht angebrannt auf den Tisch kam. 

Was also eine gute Dinner-Party und einen noch besseren Gastgeber ausmacht, ist die natürliche Dynamik rund um das Essen. Menschen die einem wichtig sind und die man gerne mit anderen zusammenbringt. Das Vermeiden von allzu komplizierten Themen und hitzigen Diskussionen, vor allem wenn der Alkoholpegel gestiegen ist und nicht zuletzt die Sorge um den Gast selbst. Es ist die Kunst, immer wieder eingreifen und leiten zu können. Volle Gläser, kleine Extras für Veganer, Vegetarier und andere spezielle Vorlieben am Tisch oder die richtige Musik. Am Ende ist es jedoch nicht der Gastgeber der hier die Hauptrolle spielt—sondern seine Gäste— während legendäre Gastgeber sich vielmehr in der Rolle eines Regisseurs sehen, der ein improvisiertes Bühnenstück mit Starbesetzung zum Besten gibt. △

Alexandre Renaldy
Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief, Work: The Corner Berlin, flair magazine, H.O.M.E.; Signature Places, Vestiaire Collective, EVE images, B'SPOQUE magazine etc.