Dear Reader, es ist eine ganze Ewigkeit her seitdem ich das letzte Mal über Sex geschrieben habe. Dabei habe ich an dieser Stelle überhaupt keine Lust mehr mich mit Carry Bradshaw oder Pierre Gillet zu vergleichen. Allerdings gibt es Stories, die Man(n) leider nicht für sich behalten kann. But(t) first things first… like a good douche.

Nach einer heftigen Männergrippe und zahllosen Veranstaltungen, Drinks und Dates saß ich Samstagnacht kerzengerade in meinem Bett und konnte nicht umhin mich zu fragen, warum zur Hölle immer ich? Don’t get me wrong, ich sehe mich nicht als Opfer, noch habe ich ein Problem die Kontrolle abzugeben, besonders nicht im Bett. Ganz im Gegenteil, mit ein bisschen Puff kann ich die ganze Nacht hindurch, entweder meine Kreativität fließen oder meinem root chakra etwas Gutes tun und mich voll und ganz in jeder Position zufrieden stellen lassen. Nicht diesen Freitag.

Nach ein paar Stunden mehr im Bett fühlte ich mich fit genug auf die Einladung „wanna play“ zu reagieren und dem verführerischen Ruf eines Grindr Flirts zu folgen, den ich noch kurzerhand mit zu einer Art Performance nahm. Bereits nach einer halben Stunde im Club, fragte mich der selbst ernannte Bad Boy nach einem Kuss. Dass ich dabei mal wieder getreu meinem Ruf, gut sichtbar in einer eher exponierten Lage zum Rest des Publikums stand, störte mich in diesem Moment allerdings nicht mehr. Ethical or not, slut shaming bleibt was es ist: Neid der von außen auf uns projektiert wird. Dabei hatte ich mir doch geschworen, berufliches nicht mehr mit privatem zu vermischen. Der Neujahrsvorsatz ging allerdings schneller über die Reling, an der ich rücklings stand und endete in einer wilden Knutscherei inmitten von Kunst und Kommerz. Zwei Drinks später und kurz vor Mitternacht verlor ich zwar nicht meine Dr. Martens, aber dafür meinen Willen der Versuchung zu widerstehen.

Geplant war, nicht gleich wieder beim ersten Date mit jemandem in die Kiste zu springen, vor allem nicht nach der Woche. Jedoch hinterlässt eine kleine Erkältung bei mir immer so ein Gefühl von höchster Erregung in der unteren Körperhälfte. Dazu sah besagter Bad Boy trotz Boyfriend in natura auch noch besser aus als auf seinen Bildern. Die weiche Haut und der tiefe Blick ließen mich weich in den Knien werden, was nicht zwangsläufig ein Zeichen der Liebe sein muss aber dafür eins dafür, dass die Chemie zumindest stimmt und damit sind nicht synthetische Drogen gemeint. Alles in allem ein gutes Argument für eine wilde Nacht. Dumm nur, dass ich dem Energiestau in meiner unteren Etage bereits vor dem Date mit Hilfe eines Pornos, Abhilfe verschafft habe und mich eben auch nicht vollends vorbereitet hatte.

Ähnlich der Rolle Sarah Jessica Parkers, habe auch ich ein Problem damit mir nur allzu menschliches einzugestehen. Leider ist der Aberglaube noch immer weit verbreitet, dass weibliche Energie dazu führt, dass nur Rosenblätter aus gewesen Körperöffnung von solch göttlichen Wesen wie Frauen oder Bottoms ausgeschieden werden. Auch eine rituelle Shower Zeremonie nach der Taxifahrt zu meiner Begleitung änderte nichts an der Tatsache, dass ich mich nicht so richtig entspannen konnte um mich voll hinzugeben. Und dabei gab er sein Bestes, denn just in dem Moment indem ich vollends vergaß, dass ich eben nicht ausreichend vorbereitet an die Sache herangegangen war, passierte es. Schlimmer hätte es wohl nicht kommen, als im Klassiker der perfekten Sexstellungen—der 69—all seinen Shit auf dem Gesicht seines Partners zu verlieren.  Believe me, I felt never so embarressed. Ende der 90er hatte sich Carry noch geweigert, eine Entleerung  auf ihren politischen Spielgefährten zu vollziehen und nun kam ich fabrizierte eine Bremsspur sonders gleichen… Das einzige woran ich noch denken konnte, war die Scham die in mir aufkam. Shit happens, but does it have to be so god damn literally? 

Aber die Geschichte ist an dieser Stelle noch nicht zu Ende… wieder im virtuellen Gespräch mit dem teuflischen Verführer auf der anderen Seite, frage ich mich, warum ein paar geschriebene Zeilen auf WhatsApp schon ausreichen um eine leichte Ansammlung von Schmetterlingen in meiner Magengrube hervorzurufen? Vielleicht sind es ja die weisen Worte einer Freundin aus dem Süden, die mir prophezeit hatte in diesem Jahr nicht allzu oft allein zu sein. Wer weiß, vielleicht ist der gute Herr aber auch einfach zu sexy um ihn nicht ein Stück weit mit auf den Weg zu nehmen, den ich mit meinem mir anvertrauten Vierbeiner gehe. 

Eins ist sicher, nachdem normalerweise der Terrier nicht in der Lage ist, seinen Shit für sich zu behalten, gibt es gewissermaßen für alles ein erstes Mal und das schien auch meinem Date so ergangen zu sein. Das einzige was mir da übrig bleibt, war selbst darüber zu lachen und meinen Hintern beim darauffolgenden Mal etwas liebevoller auszuspülen. Denn wie durch ein Wunder scheint die sexuelle Anziehung dann eben doch größer gewesen zu sein, als ein kleiner brauner Fleck auf den weißen Laken oder eben einer anderen Stelle im Gesicht des Bad Boys. 

Alexandre Renaldy
Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief, Work: The Corner Berlin, flair magazine, H.O.M.E.; Signature Places, Vestiaire Collective, EVE images, B'SPOQUE magazine etc.