Clubkultur statt Kerosin

Clubkultur statt Kerosin

Die Fläche vor der alten Frachtkantine des stillgelegten Flughafens Tegel wird noch 2023 zum neuesten Kulturort der Hauptstadt.

Kollektiv gesucht für neuen Kulturort am ehemaligen Flughafen TXL 

Im November 2020 hebt zum letzten Mal ein Linienflug am Flughafen Berlin Tegel ab. Danach beginnt für das 500 Hektar große Areal im Berliner Nordwesten ein neues Kapitel. Schritt für Schritt entstehen auf dem ehemaligen Flughafengelände seitdem Wohnviertel, Standorte für urbane Technologien und der Landschaftsraum Tegeler Stadtheide. Umgeben von Flächen, die für Forschung, Industrie oder Erholung gedacht sind, steht auf dem ehemaligen Rollfeld des Flughafens – bislang fast vergessen – die alte Frachtkantine.

“Die Entwicklung des ehemaligen Flughafengeländes Tegel verfolgt keinen geringeren Anspruch, als zu einem Ort für alle zu werden. Hier werden Menschen arbeiten, lernen, forschen, wohnen und ihre Freizeit verbringen. Zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung gehört auch, die kulturelle Nutzung von Anfang an mitzudenken. Daher setzt sich die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt dafür ein, hier einen neuen spannenden Ort auf der kulturellen Landkarte Berlins zu etablieren.“ 

Joe Chialo, Senator für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Auch dieses Gebäude und seine Außenflächen spielen bei der Entwicklung des Geländes eine wichtige Rolle, denn sie sollen nach den Plänen der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt sukzessive für eine vielfältige, u.a. clubkulturelle Nutzung erschlossen werden. Im Rahmen eines Modellprojekts suchen nun die Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung, die Kulturraum gGmbH und die Clubcommission ein Kollektiv, das die 3.747 Quadratmeter Außenfläche des Gebäudes für Kunst- und Kulturveranstaltungen nutzbar macht.

Diversität, Antidiskriminierung und Awareness

Im Zeitraum vom 9. bis 28. Juni 2023 können sich Kollektive sowie Zusammenschlüsse von Kollektiven bewerben, die die erforderlichen Erfahrungen im Betrieb eines Veranstaltungsortes mitbringen, über Kompetenzen in den Bereichen Diversität, Antidiskriminierung und Awareness verfügen sowie mit den Herausforderungen in der Durchführung und Genehmigung von Veranstaltungen in Berlin vertraut sind.

“Es ist unser erklärtes Ziel, nicht nur die vielfältige Berliner Clubkultur in ihrer aktuellen Ausprägung zu erhalten, sondern auch neue Freiräume und Orte zu schaffen. Dafür ist es von großer Bedeutung, Kultur bei der Entwicklung neuer Bauprojekte mitzudenken. Wir freuen uns, dass wir diese Vision mit den zahlreichen Projektpartnern teilen und dieser erste Schritt der kulturellen Erschließung der Frachtkantine Tegel gelungen ist.” 

Lutz Leichsenring, Pressesprecher der Clubcommission

Über die Auswahl des Host-Kollektivs entscheidet eine unabhängige Jury auf Basis der eingegangenen Bewerbungen. Das Kollektiv der Modellfläche TXL erwartet der mietfreie Zugang, ein begleitendes Beratungs- und Schulungsangebot sowie die notwendige Grundausstattung inklusive Strom- und Wasseranschluss. Dem Kollektiv steht im Jahr 2023 ein Budget von 80.000 Euro für die Umsetzung ihres Konzepts zur Verfügung.

Alle Informationen zur Ausschreibung sind auf der Website des DRAUSSENSTADT-Call for Action zu finden. 

Modellfläche TXL

Mit der Entwicklung der Außenfläche der Frachtkantine zu einem nachhaltigen Ort für Open-Air-Veranstaltungen, ist der erste Schritt eines stufenweisen Vorhabens getan, welches der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt voran treibt und bei dem auch langfristig die Nutzung des Kantinengebäudes selbst angedacht ist. Die Modellfläche TXL soll mit dieser Pilotphase schon im Sommer 2023 für vielfältige Veranstaltungsformate wie Live-Musik, Tanzveranstaltungen, Performances, Filmvorführungen, Workshops und Theateraufführungen zur Verfügung stehen. 

“Die vielfältige Kunst- und Kulturszene ist das, was Berlin weit über die Stadtgrenzen hinaus attraktiv macht. Leider wird es zunehmend schwer für Künstler*innen, bezahlbare Räume und Orte für ihre Arbeit zu finden. Die Schaffung solcher Orte ist eine zentrale Aufgabe der Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung und der Kulturraum Berlin gGmbH. Wir freuen uns daher sehr, dass wir mit diesem Modellprojekt die Entwicklung eines neuen, barrierearmen Orts für Kultur mitgestalten können.” 

Jasper Bieger, Vorstand Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung und Geschäftsführer Kulturraum Berlin gGmbH 

Die Entwicklung der Modellfläche TXL wird durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt gefördert und in ihrem Auftrag durch eine Kooperation der Geschäftsstelle des Berliner Projektfonds Urbane Praxis der Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung, der Clubcommission e.V. und der Kulturraum Berlin gGmbH umgesetzt.

Beitrag von Lutz Leichsenring

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