Was macht Berlin so speziell? Nobieh Talaei spricht mit B’SPOQUE über 48 Stunden voller Inspiration, Schönheit und Berlins Freigeist. Plus der exklusiven Extrastunde, mit tollen Adressen und Tipps der Designerin.

Mode bedeutet für mich, Schönheit immer wieder neu zu definieren. Meine Liebe zur Architektur des 20. Jh. Und besonders meine persischen Wurzeln prägen mich – ganz besonders die Lebensart der Nomaden. Die Schönheit des Einfachen und die Reduktion auf das Wesentliche, sowohl in ihrer Kleidung als auch in ihren textilen Werken, wie ihre Flachgewebe und Taschen, die sie auf ihren Reisen getragen und mitgenommen haben. Diese Sachlichkeit, Zurückgenommenheit und Funktionalität findet man auch in der Bauhaus-Ära. Meine Kreationen sollen Ruhe ausstrahlen. 
Berlin ist meine Heimat, hier lebe ich schon seit mehr als 20 Jahren. An der Esmod Berlin habe ich Modedesign studiert und danach ein paar Jahre in der Modebranche gearbeitet. Kurz nach der Präsentation meiner ersten Verkaufskollektion wurde bekanntgegeben, dass ich mit meiner Kollegin Marina Hoermanseder einer der ersten Mentees des FCG (Fashion Council Germany) bin. Ein paar Wochen zuvor erreichte mich ein Anruf von Christiane Arp, die auf die Bilder meiner Imagekollektion aufmerksam geworden ist. Die Wertschätzung meiner Arbeit ehrt mich sehr. Mein Wunsch ist es, dass sich immer mehr Frauen in NOBI TALAI wohlfühlen und uns auf dieser Reise begleiten. 

Neben dem Erfolg der Marke geht es mir vor allem auch um die globale Wahrnehmung von Mode aus Berlin und Deutschland. Die Berliner sind frei, schnell, manchmal etwas ungeduldig, aber wissen irgendwie immer auf wunderbare Art zu improvisieren! Die Stadt inspiriert mich ganz besonders wegen ihrer kulturellen Vielfalt und der gelebten Toleranz. Berlin erfährt als Modemetropole zunehmend die verdiente Aufmerksamkeit, mit Platz für jede Art von Mentalität. 
Der Frühling ist meine bevorzugte Jahreszeit, wenn die Tage länger werden und ich in meiner freien Zeit noch einiges unternehmen kann, wie zum Beispiel auf den Flohmärkten Berlins spazieren zu gehen. Wenn ich jetzt einen Traum preisgeben kann, wäre es ein NOBI TALAI Retail Store in Berlin. Dieser wäre mit Design-Stücken aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingerichtet, wie z. B. mit Paavo Tynell Lampen, Finn Juhl Möbeln und Stücken vom italienischen Architekten und Designer Ico Parisi. In diesem Ambiente wünsche ich mir, der Kundin meine Kreationen präsentieren zu können. Mein Luxus besteht darin, jeden Tag in meinem Atelier an meinen Entwürfen arbeiten zu können. Zeit ist wahrer Luxus für mich. 

49H MIT NOBIEH TALAEI 

DAY ONE 

Foto | Sonja Stadelmaier 

7:30 Ich bin ein großer Teeliebhaber und koche ihn mir im traditionellen Samowar. Während ich die erste Tasse genieße, bereite ich mich auf den Tag vor, beantworte E-Mails und führe die ersten Telefonate. Mein Outfit stelle ich morgens intuitiv zusammen. Natürlich ist es Tagesform- und terminabhängig, aber da es mich den ganzen Arbeitstag begleitet, muss ich mich in erster Linie wohlfühlen. Meistens kombiniere ich Teile aus meiner Kollektion mit anderen Lieblingsstücken, die ich über Jahre gesammelt oder neu entdeckt habe.

9:00 Im Anschluss folgt ein Spaziergang mit meinem Hund, bevor ich in mein Atelier gehe, wo ich den restlichen Tag mit Themen aus verschiedenen Bereichen konfrontiert bin. 

12:30 Mit meinem besten Freund und Berater treffe ich mich des Öfteren zu Besprechungen im ‚Desbrosses‘, während ich mit Geschäfts- und Interviewpartnern in die Chipperfield Kantine gehe oder gleich gegenüber vom Atelier in den Pauly Saal. Besonders in wärmeren Monaten ist es im Garten des Pauly Saal sehr schön. Ich brauche immer etwas Abwechslung und probiere ab und zu auch verschiedene Lieferservices aus. So esse ich zum Lunch neben Salat und leichten Gerichten auch mal Couscous oder gerne auch ein schönes Stück Fleisch. Am liebsten ein Schnitzel.

14:30 Die regelmäßigen Meetings mit meinem Team finden im Atelier statt. Hier koche ich auch hin und wieder Lasagne für meine Mitarbeiter. Und ein paarmal in der Woche habe ich eine Pilates-Stunden im Atelier. Ich nutze den Sport als Energiequelle in der Nachmittagspause und arbeite im Anschluss weiter.

20:00 Je nachdem, was für eine Art Arbeitstag hinter mir liegt, entscheide ich die Abendgestaltung aus dem Bauch heraus. Entweder nutze ich den Abend, um ein wenig zur Ruhe zu kommen oder kaufe im Frischeparadies ein, koche etwas Schönes und probiere etwas Neues aus. Dazu lade ich dann spontan Freunde ein.

DAY TWO 

8:30 Einen freien Tag starte ich gern mit einer wärmenden Multivitamin-Maske für das Gesicht. Danach liebe ich es, ausgiebig zu frühstücken und bereite mir zum Beispiel ein Omelett zu. Weitere freie Zeit am Morgen nutze ich, um in Auktionskatalogen zu blättern. 

12:00 Wenn ich mit Freunden zum Mittagessen verabredet bin, gehe ich sehr gerne zu Klub Kitchen. Es gehört einer sehr guten Freundin von mir und liegt ganz in meiner Nähe. Auf der Speisekarte stehen leckere, abwechslungsreiche Gerichte. Sehr zu empfehlen ist der frisch gepresste Rote-Beete-Saft.

14:00 Sehr gern gehe ich auf Flohmärkten spazieren oder stöbere in Antiquitätenläden. In der Nachbarschaft gibt es zudem auch ganz tolle kleine Shops wie zum Beispiel April First, Princess Cheesecake, Hay oder der Blumenladen im Kiez. Dort finde ich immer wieder schöne, nette Kleinigkeiten und habe Freude dabei, mich mit meinen Nachbarn auszutauschen. 

18:30 Mein Hund Merlin wird in regelmäßigen Abständen von mir verwöhnt. Ich kann einfach nicht widerstehen, ihm Kleinigkeit mitzubringen, wenn ich außer Haus bin. So landen Leckerlis, Hunde-Pullover oder Hundekörbchen im Einkaufskorb.

21:00 Abends gibt es immer wieder Veranstaltungen, die ich besuche. Zudem gehe ich gerne mit Freunden essen, zum Beispiel im Restaurant Einsunternull. Bevor wir nach Hause gehen, trinken wir meistens an der Bar vom Pauly Saal noch einen Cocktail. Mein absolutes Lieblingsrestaurant ist ein persischer Imbiss im Tiergarten, da nehme ich das Essen mit und genieße es zu Hause. Meine Lieblingsgerichte dort sind Tschelo und Dschudsche Kabab auf Safran Reis. 

NOBIEH’S TIPPS 

Meine Tipps für Berlin sind die antiken Möbelläden in der Suarez Straße und das Kunstgewerbemuseum mit interessanten Design-Klassikern von unter anderen Ludwig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer. Einige meiner Lieblingsgalerien in Berlin sind: Martin Mertens, KW Institute for Contemporary Art, Galerie Deschler, Salon Berlin (Museum Frieder Burda). Weitere Highlights sind die Galerie Dittrich & Schlechtriem, The Store im Soho House, das Ono Spa am Potsdamer Platz und die Auktionshäuser Leo Spik und Quentin, bei denen ich einige Inspirations-Teile ersteigert habe. 

Arts

LEO SPIK
Kurfüstendamm 66
10707 Charlottenburg
leo-spik.de 


SALON BERLIN
Auguststraße 11-13
10117 Mitte
museum-frieder-burda.de 


DITTRICH &
SCHLECHTRIEM
Tucholskystraße 38
10117 Mitte
dittrich-schlechtriem.com 

GALERIE DESCHLER
Auguststraße 61
10117 Mitte
deschler-berlin.de 

Food

CHIPPERFIELD
KANTINE
Joachimstraße 11
10119 Mitte 


DESBROSSES
The Ritz-Carlton
Potsdamer Platz 3
10785 Mitte 


KLUB KITCHEN
Mulackstraße 15
10119 Mitte
theklubkitchen.com 


PRINCESS CHEESECAKE
Tucholskystraße 37
10117 Mitte
princess-cheesecake.de 

Favorites

HAY
Auguststraße 77-78
10117 Mitte
hayberlin.de 


ONO SPA
Postdamer Straße 3
10785 Mitte
onospa.de 


Dieser Artikel stammt aus der B’SPOQUE Issue N°1

Alexandre Renaldy
Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief, Work: The Corner Berlin, flair magazine, H.O.M.E.; Signature Places, Vestiaire Collective, EVE images, B'SPOQUE magazine etc.