• Der Berliner Salon ’19 – Recap

    Standesgemäß zum Berliner Salon, befand sich die Party, vor der Party. Die Fashiontech inspirierte und ernüchterte zugleich – ein kurzes Follow-Up.


Üblicherweise für den Vogue Zirkel, trennte sich in der deutschen Modeszene – auch dieses Jahr wieder – vor all jenen Türen die Spreu vom Weizen. Unter den geladenen Gästen befanden, neben der alteingesessenen Redaktions- bzw. PR Szene, den Gründern des Events und einigen Berliner Influencer*innen, auch das ein oder andere Gesicht, welches schon mal im Fernsehen gesichtet wurde, mit der Frage, was er*sie eigentlich genau machen. So wie es meinen Mentoren wohl ergangen sein muss, als ich auf die Liste gerutscht bin.

Time to celebrate

Die Atmosphäre ist gediegen und der Champagner fließt in Strömen. Es wird geredet, aber zumeist nur in den eigenen Kreisen oder übereinander. Die PR begrüßt ihre Kunden und die Redakteure tuscheln untereinander und nicken brav mit einem Bild für den digitalen Stream, der Obligation die mit dieser Einladung einher geht. Gezeigt wurde aber wenig „neuartiges“, dafür bewiesen die Designer*innen jede Menge Gespür für ihre eigenen ikonischen Design.

Collection: Regina Weber (Pacco Rabanne)

The Street as constant for inspiration

Nachdem inzwischen auch bei den altehrwürdigen Institutionen angekommen sein sollte, dass die Straße und Jugendkultur der Gen Z ausschlaggebend für neue Trends ist, befanden sich auf der exklusiven Gästeliste trotzdem kaum jüngere Menschen, außer den üblichen Verdächtigen mit eigener Vorbildrolle in Sachen Design made in Germany.  Der Wechsel der Positionen in den Ranks ist jedenfalls offensichtlich im Bezug auf die Strategien im Bezug auf Social Media.

The latest Designs by KPM

Curated, Cancelled and Created…

Womöglich nicht ausschließlich nur der kuratierten Gästeliste zu verdanken, wirkten Mode und Design in ihrer Inszenierung oft antiquiert oder gar bieder. Fraglich auch in dieser Hinsicht, welche Zielgruppe damit in Deutschland angesprochen wird, betrachtet man deutsches Design und den Erfolg internationaler Brands unter den Deutschen, haben diese eher die Tendenz zu Hermès und anderen internationalen Traditionshäusern. Ein Prozess der durchaus auch gute Seiten hat.

In einem Land in dem Freitag-Taschen so etwas wie die Birkin des kleinen Mannes ist, bleibt es nicht bei Verwunderung über den Stil der Veranstaltung und sein Publikum. Manches wiederum, in diesem Fall Marina Hörmanseder, stand im puren Kostrast zu dieser Welle des Neobiedermeier und drängte einem förmlich die Frage auf, ob Mode zukünftig nur noch für Influencer produziert wird?

New Medias, new Strategies

Diese Strategie kann man der Designerin – international gesehen – nicht mal zum Vorwurf machen, da sie sich schließlich der günstigsten Marketingstrategie bedient, die der Modebranche in Deutschland und darüber hinaus, aktuell zu Verfügung steht. Förderer junger Fashion Start-Ups und Entrepreneur, Garry Wassner, manifestierte dieses Bild der Modewelt im Interview mit Inga Griese bei der Fashiontech, eines der Side Event am Rande der Berliner Fashion Week. Wassner, erklärte auch, dass die Zeit der großen Monobrands vorbei wäre und zumindest kleinere Modelabels, zukünftig nur durch stetige Innovationen bestechen können. Der Vergleich Berlins mit New York als Modestadt, scheint da gerade zu fraglich in den Größenverhältnissen und dem Bekanntheitsgrad des deutschen Modedesigns innerhalb seiner Grenzen.

Vogue vs Fashiontech – Wie bekannt ist deutsches Design international? 

Nicht zuletzt bieten Länder wie Großbritannien, Frankreich und die USA eine staatliche Förderung für Unternehmen aus dem Modebereich. In diesem Segment hat Deutschland und speziell Berlin, leider wenig Ressourcen bzw. fehlt das allgemeine Verständnis von Mode als Industrie und Kunstform weitestgehend in Deutschland. Auch wenn der German Fashion Council und andere Konferenzen wie die Fashiontech neue Impulse geben, so befindet sich das meiste finanziert durch die Förderung privater Unternehmen, wie dem Condé Nast Germany und der Premium Group Berlin. Der deutsche Mainstream scheinen demnach nicht in allem die Besten zu sein oder fehlt ihnen einfach der Sinn für Mode als Kunstform, wenn es nicht der finanzielle Aspekt ist, der die Deutschen von modischen wie zeitlosen Investitionen abhält? 

Auch wenn der Blick auf den Berliner Salon kritisch ausfällt, so sollte Vogue Chefredakteurin Christiane Arp fairerweise zugestanden werden, dass sie sich nun schon über Jahre hinweg die Mühe gibt einen Appel zu formulieren, der eine weit greifende Förderung der Mode als Kunst- und Industrieform in Deutschland etabliert. Mit Erfolg, wie sich zumindest in der wohl organisierten Versammlung der House Holds zusammen fassen lässt.

Detail: Marina Hoermannseder

Die Stars unter den Gesichteten:

Deatil: William Fan

Um abschließend noch hervorzuheben, wer sich auch dieses Jahr wieder durch eine stilsichere Handschrift hervorgehoben hat, bedarf es allerdings nicht vieler Namen. Vermisst wurden bekannte Gesichter wie Nobi Talai und leider nach wie vor ein paar mehr Designer, die Berlins junge Avantgarde repräsentierten. Jedoch reihte sich neben Rising Star William Fan, auch Lou de Betoly dieses Jahr wieder in die Front-Row der internationalen Designer ein, die auch außerhalb der deutschen Modeszene einen Namen tragen.

Fashion and Conciousness

Nach einer saisonalen Pause, kehrte sie dieses Jahr wieder mit einer beeindrucken Show, zu “Umwelteinflüssen” und der Verpestung durch Plastik, auf den Runway zurück. Um nochmals auf Marina Hörmanseder einzugehen, so lieferte sie auch diese Saison wieder eine Show ab, die nicht nur durch ihre Popularität auf den Sozialen Medien bestach, sondern auch durch die kontinuierliche Veränderung ihres Couture-Portfolios und einer ausgeglichenen Balance von kommerziellen Teilen zeugt. 

Bleibt zu hoffen, dass die Rechnung für ikonische Bondage-Schnalle aufgeht, die sich inzwischen nicht mehr ausschließlich und schon gar nicht mehr vollständig um Marina Hörmanseders Röcke windet. 

Der Berliner Salon:

Das kuratierte Event der DACH Modeszene verbindet Handwerkskunst, sowie Kunst und Designer*innen mit wechselnden Standorten innerhalb Berlin während der MBFWB.

Images © ANNA Diekhans