Liebe Leser*innen, Es ist soweit. Die Kultur öffnet sich wieder ein Stück weit und ich durfte im Namen des B’SPOQUE Magazins die neueste Ausstellung der Künstlerin Lou Hoyer unter dem Namen „Welcome Aboard The Apocalyptic Rider“ besuchen.

Angefangen mit einer privaten Tour durch die Ausstellung – ein besonderes Privileg in Zeiten einer globalen Pandemie – erlebte ich eine nahbare und hochkomplexe Künstlerin, die den Nerv des aktuellen Zeitgeistes mit ihren Arbeiten auf verspielte Art eingefangen hat. Hoyer’s Arbeiten sind eine Hommage an den inklusiven Feminismus, welcher besonderen Fokus auf die Sichtbarkeit verschiedener Formen der intersektionalen Diskriminierung verweist. Eingefangen hat Lou Hoyer ihre Gedanken in großformatigen Tusche und Gouache Zeichnungen auf Papier, welche vom 21. Mai bis zum 26. Juni im Kunstraum in Potsdam zu sehen sind.

Fries Tusche und Pastell auf Papier

Nach ihrer akademischen Ausbildung an der UdK Berlin hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, alte Denkmuster der Gesellschaft durch eindringliche und teils sehr abstrakte Bilder in eine Gegenwart zu bringen, mit der viele von uns sich gerade befassen. Einige der Werke behandeln so beispielsweise das Thema Transsexualität, sowie die mediale Wahrnehmung und der damit verbundene Umgang, aber eben auch die Frage, was hinter dem Vorhang der Sozialen Medien mit Menschen geschieht, die nicht zur hetero-normativen Wahrnehmung gehören. Herausgekommen ist dabei eine stetig wachsende Ausstellung mit eindrucksvollen und zugleich schlichten Bildern, welche Betrachter*innen immer wieder aufs Neue auffordert die Perspektive zu wechseln. Stilmittel ist dabei nicht nur Hoyers Technik, sondern auch der repetitive Einsatz des Vorhangs als schützendes Element der persönlichen Wahrheiten, welche jeder Mensch subjektiv für sich erforschen und erleben muss.

“Symphony for wind and waves”

Ebenfalls Teil der groß angelegten Ausstellung ist das Werk „Symphony For Waves And Wind“ welche im Obergeschoss des Kunstraumes zu bestaunen ist. Hoyer präsentiert hier in eigenen Worten eine fast „manische Zauberin“, die das Meer unter ihre Kontrolle gebracht hat und dabei immer wiederkehrende Symphonien spielt. Dabei hat sie sich nicht nur demonstrativ vor die Urgewalt gestellt, sondern diese auch in Form von Partituren und Lyrik an den Wänden verinnerlicht. Das Ergebnis ist eine stimmungsgewaltige Arbeit, die uns daran erinnert soll die ewigen Fluten mit mehr Respekt zu betrachten und ihnen einen besondern Stellenwert für das Überleben der Menschheit zuzuschreiben.

“Antikörper”
“Kinderzimmer”

Für Besucher*innen der Ausstellung gibt es übrigens ebenfalls einen umfassenden Katalog unter dem Titel „Slippery When Wet“ zu den Arbeiten Hoyers, in welchem auch die aktuellen Exponate nochmals aufgeführt sind. Fazit: eine beeindruckende und zutiefst berührende Ausstellung einer furchtlosen Künstlerin, deren Werke einen besonderen Beitrag zum aktuellen Verständnis von Kultur für unser gesellschaftliches Miteinander liefern.

Posted by:Alexandre Renaldy

Editor in Chief / AD