Polnische Poesie in der Philharmonie

Die Berliner Philhamoniker luden zum Konzert des Countertenors Jakub Jozef Orliński und seines Begleiters am Grand Piano Michał Biel. Ein unvergesslicher Abend.

Klassik oder sakrale Musik mag nicht für jede*n etwas sein, sie kann aber wie die komische Oper oder die Berliner Philharmoniker beweisen, durchaus Grenzen sprengen und unterhaltsam bis gar schwärmerisch sein. Die beiden polnischen Künstler Jakub Jozef Orliński und sein Begleiter am Grand Piano Michał Biel bewiesen, dass eine überirdische Gesangstimme durchaus einen Synthesizer in Farbe und Klang ausstechen können.

Besonders die Stücke in seiner Muttersprache bildeten eine Brücke zwischen den barocken Stücken von Purcell und einer gewissen Romantik, die in dieser Nacht nicht nur historisch betrachtet vorherrschend war. Das Publikum zeigte sich begeistert und bestand aus allen Alters- und Kulturkreisen. Zudem war das Haus komplett ausverkauft, was angesichts dieser doch sehr spontane Art des Alto (eine extrem hohe Gesangstimme bei Männern) und seinem neuen Repertoire zu diesem Konzert nicht verwunderlich war. Diejenigen die wegen der wohlbekannteren Stücke gekommen waren, könnten jedoch etwas enttäuscht gewesen sein.

Jakub Jozef Orlinski by Michael Sharkey

Barock und die Brücke ins Hier

Denn an diesem Abend gab es nicht nur Barock. Auf polnisch wirkte der Alto besonders tiefgreifend und neben der Schönheit seines Anblicks, überzeugte die authentische und romantische Natur dieser Werke auf eine eigensinnige Art die Besucher*innen. Und über das Barock sagt Orliński:

»Händel ist einfach der Beste! Was er einst für seine Sänger komponiert hat, passt ideal zu meiner Stimme und zu meiner Tessitura.«

Jakub Jozef Orliński
Jakub Jozef Orlinski by Michael Sharkey

Während der Pause glänzten die Outfits der Besucher*innen mit der goldenen Fassade des Gebäudes um die Wette und passten zu dem barocken Schimmer des Künstlers an diesem Abend.

Den Beifall am Ende nur als Standing Ovation abzutun wäre untertreiben, denn auch als Orliński am mehrfach Zugaben gab wurde das Publikum einfach nicht satt. Zu erwähnen bleibt übrigens auch die schnellen Finger und das Temparenment Biels am Steinway. Erst als er eines seiner berühmtesten Stücke, den Anastasio mit „Vedro on mio diletto“ zum Besten gab, durften die beiden Künstler ruhigen Gewissen von der Bühne abgehen. Jedoch nicht ohne zuvor nochmals im Anzug über das Parkett zu break-dancen und sich für den Applaus zu bedanken. Barock die frische Inszenierung alle Mal, die Jakub Jozef Orliński und Michał Biel in die Welt der klassischen Künste und in die Berliner Philharmonie gebracht haben. Abschließend möchte ich mich nochmals bei der Berliner Philharmonikern bedanken, die mich an diesem Abend eingeladen hatten.

Über Jakub Jozef Orliński

Für diejenigen die also selbst mit ihren inneren (Kunst-)Kritiker*innen zu knabbern haben, auch Größen wie Orlinki haben mal klein angefangen und hatten nicht immer Glück. Seine erste bittere Enttäuschung erlebte der damals 18-Jährige bereits bei der Aufnahmeprüfung, als die Jury ihn für das staatlich finanzierte Studium als ungeeignet einstufte. Erst nach langen Durststrecke und zahlreichen Versuchen wie dem Break Dance, entschied sich der ehemalige Chorsänger und thirty-something nochmals zu studieren, um auf den Bühnen bekannter Häuser zu brillieren. Zumindest sagt er über sich selbst: »Wenn ich einen schlechten Tag habe, höre ich mir diese alten Aufnahmen an und sage mir: ›Hey, Jakub, du hast inzwischen alle deine Erwartungen übertroffen, es ist alles gut.‹ Und gleich geht es mir besser.«

An der Warschauer Musikuniversität studierte Jakub Józef Orliński in der Gesangsklasse der bekannten polnischen Mezzosopranistin Anna Radziejewska. »Dass sie an mich geglaubt hat, hat mir viel bedeutet, denn meine Anfänge waren alles andere als erfolgversprechend.«