About Classical Training in the Arts

Kann die Klassische Musik eine Brücke in das Hier und Jetzt bilden? Bei der Recherche zu dieser Frage habe ich die großartige Kathleen Battle entdeckt.


Als ich damals selbst noch als Solist eines Chors in einer Süddeutschen Kleinstadt sang, war es besonders die Art und Weise wie die barocken Kompositionen in diesen alten Gemäuern klangen und weniger der Kontext der mich faszinierte. Inzwischen ist mir der Kontext von Menschenhandel, Sklaverei, Machtmissbrauch, Unterdrückung und den anderen fragwürdigen Motiven der Menschheit durchaus bewusst. Strukturen, die hauptsächlich von der weißen und patriachal geprägten Gesellschaft zu den enstprechenden Zeit der Komponisten geprägt sind. Spätestens seitdem ich diesen Sommer fast in allen Häusern der stadt zu Gast war, schätze ich diese Auseinandersetzung und den damit einhergehenden Widerspruch, welcher Raum für die kontinuirliche Reflexion mit dem Individuellen und der eigenen Geschichte bietet.

Von der Theorie in die Praxis

Es ist vielmehr die Mischung aus dem spirituellen und der Geschichte, sowie die Fehler vermeindlicher Helden, die mich als Künstler*In und im Besonderen an der klassischen Musik begeistert. Manchmal entdecke ich dabei, wie hoch aktuell manche Konflikte in diesen Werken des 19 Jahrhunderts oder des Barocks sind. Bei der Recherchen zur Musik Theorie des 18. und 19. Jahrhunderts – die ja generell sehr weiß ist – bin ich auf Größen wie Leontyne Price oder Kathleen Battle und andere diverse Charakter gestoßen. Doch auch sie sind Ausnahmen in dieser sonst vornehmlich weißen Welt der institutionalisierten Künste. Die meisten eint jedoch, dass die eigene Kultur und in gewisser Weise auch eine Form der Spirtualität eine Rolle bei Musiker*Innen und Kompinist*Innen mit in ihrer Kunstform spielt.

“I bring my classical training – some of it, but not all of it – and also my background and culture, to spirituals. And I try to leave room for that unpredictable factor, where the feeling of the song is allowed to come through. The same ethos can be applied to singing Mozart, or Schubert, or Bach. It’s not just about what’s on the page.”

Kathleen Battle

Der schmale Grad zwischen Glauben und Ideologie

Seit Februar 2022 sind Religionen, dem Fortschritt des 21. Jahrhunderts und wieder den teilweise menschenverachtenden Ideologien gewichen. Der Spirit der etablierten Opernhäuser darf also nicht nur Unterhaltung vermitteln, sondern auf einem anderen, gesellschaftlichen Level Bildung und Kontext auf die Bühnen und ins Program bringen. Dass es diesen Institutionen weiterhin an Diversität und Colour magelt, wundern bei der überwiegend weißen und meist eurozentrischen Norm, wohl nur noch die Boomer Generation. Doch darf hier keinesfalls nur eine Gruppe in den Fokus rücken. Zudem wäre es an der Zeit auch endlich denen den Vortritt lassen, die eben nicht zwangsläufig in diese Norm passen. Wie unbunt viele Branchen und Bereiche dieses Landes sind, sehe ich eben nicht nur am Publikum, sondern eben auch an der Besetzung eines Stückes auf der Leinwand oder in den Kinos. Zwar möchte ich nicht von einer erzwungenen Quote sprechen, aber daraufhinweisen, dass es am Ende der Vorstellung eben keinen weißen Rassismus gibt. Dafür aber jede Menge anderer -Ism’s, die zu einem weißen Narrativ führen. Besonders die Tatsache, dass es nur wenige bekannte Stimmen wie die einer Kathleen Battle gibt, ist immer eine Entscheidung der Gatekeeper*Innen in diesem Metier.

Zum abschluss gibts noch Madame battle in Aktion

Vor allem jedoch sollten die Stücke im 21. Jahrhundert nicht mehr verklärt, sondern kontextualisiert dargestellt werden. Barrierefreiheit beginnt schließlich immer auch im Kopf des Publikums. Mehr #Diversity auf den Bühnen der großen und kleinen Häuser wäre zumindest ein Anfang um für mehr Ausgleich in der Geschichte der schönen Künste beizutragen. Speziell in einer Zeit, in der es ein Privileg ist unbekümmert in einer Opernloge Platz nehmen zu dürfen.