Akind – Die Alchemie der Nachhaltigkeit

Ist es möglich nachhaltigen und zirkulären Schmuck zu produzieren? Antworten hierauf gibt uns die Gründerin Anna Wallander des schwedische Schmucklabel Akind.

Akind ist ein Unternehmen, das sich für einen echten Wandel durch ethische und nachhaltige Praktiken einsetzt. Wir haben die Gründerin Anna Wallander zum Interview getroffen und sie zu den Mechanismen der Branche und ihrer eigenen kreativen Alchemie als Unternehmerin befragt.

Von der Idee zum ersten Resultat

Probleme und Anstrengungen von Gründerinnen: Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis zum ersten Akind-Schmuckstück beschreiben?

Anfangs hatte ich nur wenige Herausforderungen zu bewältigen. Ich konzentrierte mich vor allem darauf, das Konzept in die Realität umzusetzen und genügend Zeit für die Ausführung einzuplanen. Darüber hinaus war es schwierig, talentierte Mitarbeiter zu finden und meinen damaligen Job zu behalten, vor allem ohne finanzielle Unterstützung für mein eigenes Unternehmen. Ich betrachtete diese Phase jedoch als eine wichtige Wachstumsphase, in der ich meine Idee weiterentwickelte und mich allmählich von meiner vorherigen Position in einer Anwaltskanzlei löste.

Akind Gründer:in Anna Wallander im Portrait. © Akind

Als ich mich mit einer Freundin darüber unterhielt, wurde uns klar, dass sich die Schmuckbranche mehr auf Nachhaltigkeit konzentrieren muss. Die meisten Marken achten nicht auf Arbeitsethik oder umweltfreundliche Materialien. Deshalb haben wir beschlossen, Nachhaltigkeit zu unserem Schwerpunkt zu machen.

Was die Entwicklung innovativer Konzepte anbelangt, so verlief der Prozess reibungslos, doch ich erkannte, wie wichtig es ist, sich die Unterstützung von Personen mit Fachwissen zu holen. Es ist wichtig daran zu denken, dass niemand über ein allumfassendes Wissen verfügt. Durch die Suche nach Unterstützung und die Klärung des rechtlichen Rahmens konnte ich meine Reise als Unternehmerin in diesem aufregenden neuen Bereich selbstbewusst antreten.

Wo liegen die Schwierigkeiten bei der nachhaltigen Gewinnung von Rohstoffen wie Gold, Diamanten und nun auch Smaragden?

Die Schwierigkeit bei der Nachhaltigkeit besteht darin, die Materialien gemäß den internationalen Standards zu beschaffen. Wir streben einen hundertprozentigen Anteil an recyceltem Gold an, was im Hinblick auf die Lieferkette nicht ganz einfach ist. Die Menge, die Farbe der Materialien und eine Reihe von Einschränkungen oder Gesetzen sind nur einige der Hindernisse, mit denen wir in der Vergangenheit konfrontiert waren.

Was zum Beispiel die Produktion von Diamanten betrifft, so wollten wir bei Akind immer mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten, die sicherstellen, dass alles den internationalen Standards entspricht, indem sie Solarenergie verwenden, was mit der Größe und Karat der verwendbaren Steine zusammenhängt und hauptsächlich kleinere Edelsteine hervorbringt. Außerdem wurden 2019 im Labor gezüchtete Diamanten als echte Diamanten zertifiziert.

Diese neue Sichtweise hat Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen, um die Produktionsstandards zu verbessern. Das Sammeln der Materialien ist der schwierigste Teil, und da gibt es keine Abkürzungen.

Das versprechen: Qualität über Quantität

Wie stellen Sie bei Akind die Qualität der verwendeten Rohmaterialien sicher?

Zum Beispiel Gold: Das Material muss durch eine Maschine laufen, die das Verhältnis zu anderen Materialien prüft. Danach wird das Gold eingeschmolzen, um die Beständigkeit und die Qualität zu prüfen, aber auch um die unerwünschten Bestandteile auszusortieren. Um die 24 Karat zu gewährleisten, stellen wir sicher, dass jedes Rohmaterial von den Recyclingfirmen, die wir persönlich besucht haben, doppelt geprüft wird.

Im Falle von 24 karätigem Gold, besteht es zu 85,5 Prozent aus Gold, 18 karätiges Gold hingegen enthält einen Anteil von 75 Prozent des Rohmaterials. Zertifiziert und geprüft, wird jedes Schmuckstück mit der entsprechenden Angabe und unserem Akind-Logo versehen. Dies ist eine gesetzliche Veredelung gemäß der Normen und wird durch unseren Akind-Stempel gewährleistet.

Diamanten hingegen werden zumeist von den Lieferfirmen zertifiziert, was einen höheren Kostenfaktor darstellt, um die vier C’s (color, carat, clarity und cut) zu garantieren. Dies wird normalerweise durch die IDI in den USA und der GI in Europa durchgeführt. Ursprünglich wurden Diamanten nur zertifiziert, wenn sie größer als 1,25 Karat sind und somit nur für größere Steine garantiert.

Wie verhält es sich bei der Züchtung von Perlen?

Die Züchtung von Perlen ist noch komplexer, da sie nach ihrer Form, den Methoden der Gewinnung und ihrer Herkunft beurteilt werden. Die von Akind verwendeten Perlen, stammen hauptsächlich aus Australien und wir stellen sicher, dass die strengen gesetzlichen Anforderungen auch regelmäßig kontrolliert werden. Unser Akind-Team hat zudem alle Lieferanten besucht, um sicherzustellen, dass jede:r im Unternehmen das gesamte Verfahren versteht.

Designs entgegen der Ausbeutung von Menschenrechten

Die Gewinnung von Diamanten und anderen Edelsteinen geht oft mit groben Menschenrechtsverletzungen einher: Was halten Sie von den Menschenrechten und der Arbeitsethik im traditionellen Bergbau?

Bei der Herstellung von Edelsteinen im Labor werden keine Blue Collar Arbeiter:innen beschäftigt, es handelt sich vielmehr um Wissenschaftler:innen. Wir sprechen hier also von einem anderen Bildungshintergrund. Daher wird auch ein schmaler Grat zwischen den Gefahren der traditionellen Quellen, der Arbeitsethik und der wissenschaftlichen Arbeit gezogen.

Bei der Beschaffung von Gold oder Edelsteinen werden keine Wälder abgeholzt, die Umwelt wird nicht durch Chemikalien verschmutzt und die Arbeit im Labor ist kompromissfreudiger im Hinblick auf nachhaltige Energie. Wir stellen auch sicher, dass wir die Menschenrechte und die Umwelt nicht missachten oder ausnutzen.

Sind im Labor gezüchtete Edelsteine der neue nachhaltige und zirkuläre Luxus für Akind und potenzielle neue Kund:innen?

Ja, auf jeden Fall und zu hundert Prozent. Unsere Kunden betrachten unsere Designs als neuen umweltfreundlichen und zirkulären Luxus. Bisher wurder die Branche nie in Frage gestellt. Wir arbeiten nun schon seit viereinhalb Jahren an diesen Innovationen. Aber die Diskussionen über traditionelle oder im Labor gezüchtete Diamanten werden hauptsächlich von den Minengesellschaften angeheizt, die ihren Status als Zulieferer in dieser flächendeckenden Industrie nicht aufgeben wollen.

Dennoch ist jeder einzelne Diamant ein Unikat, quasi one of Akind. Wir stellen sicher, dass alle Edelsteine ihre eigene DNA und Identität haben, auch wenn sie in einem Labor gezüchtet wurden. Im Übrigen macht die Verwendung von im Labor gezüchteten Diamanten inzwischen 50 Prozent des Marktanteils beim Verkauf von Rohedelsteinen aus.

Eine nachhaltigere und zirkuläre Zukunftsvision

Welche Ziele ergeben sich für Sie als Gründerin eines nachhaltigen und zirkulären Schmucklabels für die Zukunft?

Mein Ziel wäre es, unseren Kunden:innen die Geschichte für jedes einzelne Schmuckstück zu erzählen. Ihnen sozusagen eine Angabe über die Menge der eingesetzte Energie zu liefern, welche die Diamanten und Smaragde so hell erstrahlen lässt. Dieser Prozess von Akind, macht jeden Rohedelstein zu einem wertvollen Unikat für mich.

Unser übergeordnetes Ziel ist es, einen generellen Wandel in der Verwendung von Materialien und ihrer Produktion zu bewirken, um es den Kunden:innen zu erleichtern, sich für nachhaltigere Designs und zirkuläre Produkte zu entscheiden.

Könnten Sie etwas genauer auf die Herstellung von im Labor gezüchteten Edelsteinen eingehen? Worin besteht der Unterschied zwischen der Herstellung von im Labor gezüchteten Smaragden und von im Labor gezüchteten Diamanten?

Die Herstellung ist ziemlich ähnlich: Diamanten bestehen zu hundert Prozent aus Kohlenstoff, werden aber mit höherem Druck und unter einer viel höherer Temperatur geformt. Sie sind auch etwas früher für die Nachbearbeitung bereit als andere Edelsteine und werden innerhalb einer Woche geschliffen und poliert. Im Labor gezüchtete Diamanten werden in zwei unterschiedlichen Verfahren hergestellt, mit noch höherer Temperatur und höherem Druck als unter Tage.

Smaragde hingegen basieren auf Beryll und werden mit anderen Bestandteilen angereichert, um ihre grüne Farbe hervorzuheben, die Klarheit zu initialisieren und ihre Stabilität zu gewährleisten. Das gesamte Verfahren dauert länger und es kann einige Wochen, manchmal sogar Monate dauern, bis sie geschliffen, poliert und in die Designs eingesetzt werden können. In manchen Fällen benötigen sie eine spezielle Nachbehandlung mit Öl oder einem Poliermittel.

Tradition und Innovation

Was ist das Besondere an der Entwicklung von im Labor gezüchteten Smaragden im Vergleich zu traditionell geförderten Smaragden?

Die Labormethode bietet die Möglichkeit einer vollständig kontrollierten Produktionsumgebung, wodurch die allgemeine Umweltverschmutzung beseitigt und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Wir verzichten auf schädliches Graben in der Erde, großflächigen Abbau und erzielen eine gleichmäßigere Qualität, was sich zum Beispiel bei der grünen Farbe der Smaragde, sowie dem fehlen der Einschlüsse in den Edelsteinen zeigt und somit den Wert, sowie die Reinheit erhöht.

Der traditionelle Abbau von Diamanten oder Edelsteinen wie Smaragden bedeutet, dass etwa 85 Prozent des Ergebnisses in einem schlechten Zustand zu Tage treten. Dieser Mangel an Qualität beinhaltet natürliche Fehler wie z.B. eine falsche Farbe. Diamanten neigen dazu, bräunlich zu sein oder weisen starke Einschlüsse auf. Während im Labor gezüchtete Edelsteine und insbesondere Diamanten mit einer etwa 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit in einem sehr guten Zustand aus dem Labor kommen.

Werden die gezüchteten Edelsteine direkt in Form gepresst? Oder werden sie zunächst in eine grobe Form gepresst und dann in einen Schliff gebracht?

Die Edelsteine werden in der Regel zu einem Rohstein gepresst. Sowohl Smaragde als auch Diamanten kommen als Rohsteine aus dem Labor. Danach werden sie traditionell geschliffen und poliert, bevor sie in die Akind-Designs eingearbeitet werden.

Ein Positiver Wandel der Industrie

Welche Faktoren würden Sie gerne ändern, um den Schmuck von Akind noch nachhaltiger zu machen?

Ich würde gerne sehen, dass sich die im Labor gezüchteten Edelsteine mehr auf dem Markt verbreiten würden. Erstens, um eine größere Auswahl an Lieferanten zu haben. Zweitens, um größere Steine zu wählen und nicht zuletzt, um einen Übergang des Marktes zur Verwendung von mehr recyceltem Gold zu erreichen, was in den USA bisher fast unmöglich ist.

In der Europäischen Union sind bereits mehr recycelte Materialien als beispielsweise in den USA zu finden, aber die Möglichkeiten der fairen und ethischen Beschaffung sind immer noch begrenzt. Ein Perspektivwechsel in Bezug auf die Verwendung von recyceltem Gold und den im Labor gezüchteten Edelsteinen würde es Akind erleichtern, einen dauerhaften Wandel herbeizuführen.

Eine neue Perspektive auf die kulturelle Wahrnehmung von Edelsteinen

Könnten Sie Ihre Vision für die Zukunft erläutern? Können wir bald auf Rubine und Saphire im Akind-Universum hoffen?

Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir unsere Palette an Edelsteinen weiter ausbauen und vielleicht sind die Rubine und Saphire auch schon auf dem Weg. Im Allgemeinen bin ich sehr daran interessiert, unser Geschäftsmodell und die kulturelle Wahrnehmung, die mit Edelsteinen wie Diamanten, Perlen, Smaragden, Rubinen oder Saphiren einhergeht, positiv zu beeinflussen und nachhaltig auszubauen.


Mehr zu den nachhaltigen und zirkulären Designs von Akind finden Sie hier.

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  • Laia Abril: Confronting Sexual Ignorance
    ‚On Rape: and institutional failure‘ at the C/O Berlin, exposes societal apathy to sexual violence, echoing ’see no evil, hear no evil, speak no evil‘.“
  • Claudio Parentela – Chaos and structure
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